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08.10.2010

Ohne Vergangenheit keine Zukunft

Johannes-Rau-Stipendiaten 2010 (c) Auswärtiges Amt

Nach zwei Wochen in Deutschland kehrten die Johannes-Rau-Stipendiaten nach Israel zurück. Die 20 Stipendiaten im Alter von 16 bis 19 Jahren erlebten ein intensives Begegnungsprogramm mit gleichaltrigen Schülern, um ein aktuelles Bild von Deutschland zu gewinnen.

"Mir war es wichtig, deutsche Jugendliche zu treffen um zu erfahren, wie sie leben. Denn schließlich haben wir eine gemeinsame Vergangenheit", erklärt die 17-jährige Elionor aus Caesarea im Norden Israels. Das Deutschlandbild israelischer Jugendlicher zu verbessern, steht im Zentrum des Stipendienprogramms, das im Jahr 2000 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ins Leben gerufen wurde.

Ein Ziel ist es, Jugendliche zusammenzuführen, die sonst nicht aufeinander treffen würden, erklärt Kirsten Praefcke-Meron von der deutschen Botschaft in Tel Aviv. Sie begleitet das Projekt seit den Anfängen vor elf Jahren und weiß, dass schon einige gute Freundschaften entstanden sind: "Ein Teilnehmer der letztes Jahr dabei war, ist dieses Jahr wiedergekommen, um seine deutschen Freunde zu besuchen." Auch Elionor freut sich über ihre neuen Bekanntschaften: "Man bemerkt irgendwann, dass wir doch eigentlich alle gleich sind, einfach Teenager, egal ob deutsch oder israelisch."

Auch Eran aus Petach-Tikva in der Nähe von Tel Aviv ist froh, in Deutschland zu sein: "Meine Urgroßmutter hat bis zum Zweiten Weltkrieg in Deutschland gelebt, und ich wollte das Land und die Kultur selbst kennen lernen." Seine Freunde konnten nicht alle nachvollziehen, warum er ausgerechnet nach Deutschland reisen wollte. "Aber jetzt, wo sie hören wie es ist und was ich erlebe, ändern sie ihre Meinung. Und das ist doch auch der Hauptgrund warum wir hier sind: um Meinungen und Einstellungen zu ändern.“

Mit dem Johannes-Rau-Stipendium kommen jedes Jahr 20 israelische Jugendliche nach Deutschland. Sie sind zunächst über das ganze Land verteilt und wohnen in Gastfamilien. Eine Woche lang gehen sie mit ihren deutschen Gastgeschwistern in die Schule. Anschließend reisen die deutschen und israelischen Jugendlichen gemeinsam für eine weitere Woche nach Berlin. Hier erwartet sie ein dichtes Programm. Sehenswürdigkeiten wie Bundestag und Brandenburger Tor werden besichtigt. Daneben stehen auch Diskussions- und Gesprächsrunden auf dem Programm – in diesem Jahr unter anderem mit Abgeordneten der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag.

Das Programm in Deutschland wird durch den Pädagogischen Austauschdienst vorbereitet und begleitet. Finanzielle Mittel für die Stipendien stellt das Auswärtige Amt bereit. Mehr