Europäisches Sprachensiegel 2007: Acht Projekte ausgezeichnet

- Gruppenbild der Preisträgerinnen und Preisträger. Foto: PAD (C)
Das Europäische Sprachensiegel wird auf Initiative der Europäischen Kommission jährlich europaweit vergeben und zeichnet innovative und herausragende Projekte im Bereich des Lehrens und Lernens von Fremdsprachen aus. In Deutschland konnten sich in diesem Jahr Vertreter von Projekten bewerben, die an innovativen Konzepten, Modulen bzw. (Teil-) Curricula für die Qualifizierung von Fremdsprachenlehrkräften und Sprachtrainern arbeiten. Die Durchführung des Wettbewerbs lag in den Händen des PAD.
Die Preisträger 2007 [PDF] kommen aus den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Unter ihnen befinden sich Hochschulen, Studienseminare, Landesinstitute und Akademien der Lehrerfortbildung, eine Bezirksregierung und eine EUREGIO-Arbeitsgemeinschaft.
Die Auswahl der Projekte nahm eine Expertenjury unter Vorsitz von Prof. Hartmut Ebke (Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Tübingen) vor. Die Preisträger erhalten u.a. Geldpreise, die von den Kultusministerien der Länder und renommierten Schulbuchverlagen zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sind die Preisträger berechtigt, das Logo des Europäischen Sprachensiegels 2007 zu führen.
Die Preisträger des Europäischen Sprachensiegels 2007
Projekttitel und Projektträger
- Alles aus einer Hand: Lehrplanentwicklung, Musterprüfungsaufgaben mit Korrektur- und Bewertungsrichtlinien, Fortbildungen – ein neues, integratives Verfahren zur Umsetzung von Neuerungen für den Sprachunterricht an beruflichen Schulen
- Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen, Esslingen (Baden-Württemberg); Landesinstitut für Schulentwicklung (Baden-Württemberg)
- Sprachoffensive Tschechisch in der »Euregio Egrensis«
- Euregio Egrensis, Arbeitsgemeinschaft Bayern e.V., Marktredwitz (Bayern)
Kooperationspartner: Volkshochschule des Landkreises Hof
- Berufsbegleitendes Studium »Bilinguales Lehren und Lernen - Intensivweiterbildung Sorbisch / Wendisch
- Staatliches Schulamt Cottbus, Arbeitsstelle für sorbische (wendische) Bildungsentwicklung Cottbus (Brandenburg)
Kooperationspartner: WIB e.V. (Potsdam), Universität Potsdam, Institut für Slavistik
- Englisch an Förderschulen
- Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (Hamburg)
- View it Yourself - Ein Lehr-Lern-Projekt für Lehrkräfte von Fremdsprachen
- Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich A Geistes- und Kulturwissenschaften - Anglistik/Amerikanistik (Nordrhein-Westfalen)
Kooperationspartner: Pädagogische Hochschule Heidelberg; CinemaxX AG
- Studienreferendariat mit französisch bilingualer Profilbildung in den Sachfächern Erdkunde, Geschichte, Sozialwissenschaften
- Bezirksregierung Köln, Dezernat 46 (Nordrhein-Westfalen)
Kooperationspartner: Institut universitaire de formation des maîtres (IUFM) de Lorraine
- IBIS - Initiative for Bilingual Studies
- Universität zu Köln, Philosophische Fakultät (Nordrhein-Westfalen)
- Bilinguale Module an Thüringer Schulen
- Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) - Fachbereich Englisch, Bad Berka (Thüringen)
Die Begründungen der Jury im Überblick
Alles aus einer Hand: Lehrplanentwicklung, Musterprüfungsaufgaben mit Korrektur- und Bewertungsrichtlinien, Fortbildungen – ein neues, integratives Verfahren zur Umsetzung von Neuerungen für den Sprachunterricht an beruflichen Schulen
Begründung der Jury
Das Projekt „Alles aus einer Hand“ verbindet Lehrplanentwicklung, Musterprüfungsaufgaben mit Korrektur- und Bewertungsrichtlinien und Fortbildungen in einem integrativen Verfahren, mit dem die Neuerungen für den Sprachunterricht an beruflichen Schulen in den Fächern Englisch, Französisch und Spanisch in Baden-Württemberg umgesetzt werden.
Die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Esslingen hat in Verbindung mit dem Landesinstitut für Schulentwicklung Stuttgart auf der Grundlage des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens und dessen Kompetenzbeschreibungen ein ergebnisorientiertes Gesamtkonzept für berufliche Bildungsgänge erstellt, bei dem die Komponenten so aufeinander abgestimmt sind, dass Synergieeffekte freigesetzt und Reibungsverluste möglichst vermieden werden.
Besonders wichtig ist den Gutachtern der neue Ansatz der kompetenzorientierten Lehrpläne mit evaluierten Aufgabenbeispielen und Hilfen zur holistischen, stufenbezogenen Bewertung von schriftlichen und mündlichen Leistungen. Auch die Schulbuchverlage werden einbezogen. Hinzu kommt die vorbildliche praxisorientierte Unterstützung der Lehrenden in zentralen und dezentralen Veranstaltungen mit Gelegenheiten zum Austausch und zur Bildung von Netzwerken.
Kurz: vorbildliche Zielsetzung, klare europäische Ausrichtung, professionelle Umsetzung – so einer der Gutachter abschließend.
Sprachoffensive Tschechisch der EUREGIO EGRENSIS
Begründung der Jury
Das Projekt "Sprachoffensive Tschechisch der EUREGIO EGRENSIS" richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Lernende in der Erwachsenenbildung in Bayern, Sachsen und Thüringen.
Im Rahmen einer Sprachoffensive mit dem Ziel der Aufwertung des Tschechischen hat die Arbeitsgemeinschaft EUREGIO EGRENSIS die Tschechisch-Lehrkräfte der Region in Veranstaltungen und Tagungen vernetzt, eine Sprachkursdatenbank aufgebaut und eine professionell gemachte DVD für den Einsatz im Unterricht erstellt.
Das Projekt wertet die "schwere kleine Nachbarsprache" vor allem im Hinblick auf ihre Alltagstauglichkeit in der Grenzregion deutlich auf. Lobenswert sind das motivierende Material und Lernanreize durch eine Zertifizierung, die es so vorher nicht gegeben hat. Die Evaluation bewertet das Projekt positiv. Es hat eine klare europäische Dimension und ist übertragbar auf andere Nachbarsprachen. Die Einrichtung von Tschechisch als Unterrichtsfach an mehreren Schulen, auch Haupt- und Realschulen, ist eine direkte Folge der Maßnahmen.
Die "Sprachoffensive Tschechisch" wird insbesondere als Gesamtkonzept zur Förderung einer Nachbarsprache ausgezeichnet.
Kurz: Das Konzept "Informieren – Begeistern – Vernetzen" ist erfolgreich und nachahmenswert.
Berufsbegleitendes Studium ‚Bilinguales Lehren und Lernen’ Intensivweiterbildung Sorbisch/Wendisch (ISW)
Begründung der Jury
Das Projekt „Berufsbegleitendes Studium ‚Bilinguales Lehren und Lernen’ Intensivweiterbildung Sorbisch/Wendisch (ISW)“ ist ein sehr gründliches und ganzheitliches Aus- und Fortbildungskonzept, das ein breites Spektrum von Sachfächern abdeckt. Es wurde von der Arbeitsstelle für sorbische (wendische) Bildungsentwicklung Cottbus (ABC) des dortigen Staatlichen Schulamts für den Primarbereich und die Sekundarstufen I und II entwickelt.
Das berufsbegleitende Weiterbildungsstudium für den Erwerb der Zusatzqualifikation „Bilinguales Lehren und Lernen – Sorbisch (Wendisch)“ hat einen Umfang von 32 Semesterwochenstunden und kann in vier Semestern absolviert werden. Es greift den dringenden Handlungsbedarf zur Aufwertung der in ihrer Existenz bedrohten Minderheitensprache auf. Eine wissenschaftliche Begleitung sowie die Evaluation im Unterricht sichern die Qualität. Es hat viel Potenzial für die Übertragbarkeit auf andere Universitäten, andere Kontexte bilingualen Lernens sowie auf andere Minderheitensprachen.
Die europäische Perspektive, das interkulturelle Lernen wie die innovative Förderung der Minderheitensprache machen das Projekt preiswürdig.
Englischunterricht in der Sekundarstufe I für Schüler und Schülerinnen mit Förderbedarf im Lernen
Begründung der Jury
Das Projekt „Englischunterricht in der Sekundarstufe I für Schüler und Schülerinnen mit Förderbedarf im Lernen“ ist ein Jahreskurs, der von der Abteilung Fortbildung des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung entwickelt wurde. Er richtet sich an Lehrkräfte, die Englisch an Sonder- und Förderschulen fachfremd unterrichten.
Es handelt sich um einen innovativen Kursansatz, der die Lehrkräfte das Schuljahr über begleitet. Er berücksichtigt die besonderen Lernvoraussetzungen der lernschwachen Schüler sowie die fehlende Erfahrung der oft fachfremd unterrichtenden Lehrkräfte. Dies zeigt sich besonders in der Methodik und der Entwicklung von multisensorischen Materialien, die auf die besondere Lernklientel abgestimmt sind und die Lebenswelt dieser Jugendlichen zum Ausgangspunkt machen.
In Kürze: Das Projekt wird ausgezeichnet, weil es innovativ ist und einem besonderen bestehenden Bedarf vorbildlich entspricht.
View It Yourself
Begründung der Jury
Das Projekt „View It Yourself“ ist ein Lehr-Lern-Projekt für Lehrkräfte von Fremdsprachen, das von Frau Professorin Dr. Diehr an der Bergischen Universität Wuppertal entwickelt wurde.
Lehramtskandidaten konzipieren gemeinsam mit Lehrkräften eine Unterrichtssequenz im Fach Englisch und führen sie durch. Anhand eines Kinofilms werden sprachliche wie sprachdidaktische, landes- und kulturspezifische, historische und politische Aspekte für den Schulunterricht aufbereitet. Zwar ist der Ansatz nicht unbedingt neu, doch hier wird ein sehr komplexes Vorhaben auf überzeugende und vorbildliche Weise umgesetzt. Die erstellten Materialien belegen einen großen Ideenreichtum und Kreativität und lassen den Einsatz auf verschiedenen Niveaus zu, weil sie zielgruppengerecht adaptiert werden können.
Fazit: Das Projekt verdient es, auf verschiedene Ebenen (an Universitäten, Studienseminaren und Schulen) übertragen zu werden. Der Modellcharakter ist bestechend, das Projekt insgesamt preiswürdig.
Studienreferendariat mit französisch bilingualer Profilbildung in den Sachfächern Erdkunde, Geschichte, Sozialwissenschaften
Begründung der Jury
Ungewöhnlich aber möglich: Ausgezeichnet wird das Konzept „Studienreferendariat mit französisch bilingualer Profilbildung in den Sachfächern Erdkunde, Geschichte, Sozialwissenschaften“ und mit ihm die verantwortliche Bezirksregierung Köln.
Das Studienreferendariat mit französisch bilingualem Profil richtet sich an Studierende mit entsprechenden Fächerkombinationen und erfolgt als begleitende Langzeitmaßnahme während des gesamten Vorbereitungsdienstes an den Standorten Aachen, Köln, Leverkusen und Vettweiß. Die Teilnehmer werden an Gymnasien mit deutsch-französischem Bildungsgang eingesetzt, nehmen zusätzlich an bilingualdidaktisch ausgerichteten Fachseminarsitzungen und Studientagen teil und verbringen einen sechswöchigen Studienaufenthalt am Institut universitaire de formation des mâitres (IUFM) de Lorraine. Hier werden die Teilnehmer in die französische Fachlehrerausbildung integriert, und bei der gemeinsamen Arbeit mit französischen Tandempartnern auch interkulturelle Kompetenzen gefördert.
Vorbildlich ist die Integration der anspruchsvollen Zusatzqualifikation in die Zweite Staatsprüfung mit entsprechenden bilingual ausgerichteten Anteilen.
Das Projekt ist bewährt und innovativ zugleich. Die Jury wünscht dem Konzept aufgrund seines Vorbildcharakters eine breite Anwendung auch in anderen Ländern.
IBIS – Initiative for Bilingual Studies
Begründung der Jury
Das Projekt IBIS – Initiative for Bilingual Studies zielt auf die Vernetzung der Arbeitsfelder Schule und Hochschule im Bereich bilingualer Bildung. Es ist interdisziplinär ausgerichtet und will die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften fördern. Die Federführung liegt bei Frau Professorin Dr. Bongartz vom Englischen Seminar I und Frau Dziak-Mahler vom Historischen Seminar I der Universität zu Köln. Vertreter des Romanischen Seminars der Universität haben sich entschlossen, ebenfalls bei IBIS mitzuarbeiten.
Zwei Ziele stehen im Zentrum: Diagnoseverfahren zum individuellen Zweitsprachenerwerb werden erprobt, empirisch bewertet und optimiert. Unterrichtmaterialien für den bilingualen Geschichtsunterricht werden in Zusammenarbeit von Wissenschaft, Lehramtsstudierenden und Lehrkräften entwickelt. Die IBIS-Seminare bieten so eine praxisnahe Ausbildung. Entsprechende Qualifikationen können im Rahmen des Studiengangs „Bilingualer Unterricht – English (BLUE) erworben werden. Die Zusammenarbeit mit europäischen und außereuropäischen Partnern bereichert das Programm und betont das interkulturelle Lernen.
Fazit der Jury: preiswürdig.
Bilinguale Module an Thüringer Schulen
Begründung der Jury
Das Projekt „Bilinguale Module an Thüringer Schulen“ wird vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) in Bad Nerka verantwortet. Es hat sich die Erarbeitung eines erweiterten Konzepts zum bilingualen Lernen zum Ziel gesetzt. Der Grundgedanke war, bilingualen Unterricht an Regelschulen, Berufsschulen und Gymnasien möglichst vielen Lernenden zu ermöglichen. Um die Hürde für den Einstieg zu senken, wurden als besonders effektive und flexible Variante bilinguale Module entwickelt, und zwar für prinzipiell jedes Sachfach, vom Sport bis zur Kfz-Technik.
Begleitet wird das Projekt von einer Arbeitsgruppe Bilinguale Module, in der Vertreter der beteiligten Schulformen und interessierte Lehrkräfte mitarbeiten. Diese Arbeitsgruppe organisiert Welcome Days, Workshops und Fortbildungstage. Zudem hat sie eine Publikation „Bilinguale Module an unserer Schule – wie geht das?“ mit theoretischen Grundlagen und dokumentierten bilingualen Modulen veröffentlicht. Die Arbeitsgruppe bietet eine Plattform für Erfahrungs- und Materialaustausch. Ein Netzwerk der beteiligten Lehrkräfte unterstützt die Ziele zusätzlich.
Angesicht der noch relativ geringen Verbreitung bilingualen Unterrichts in Thüringen ist das Projekt ein Leuchtturm in einem schwierigen Umfeld. Die Jury empfiehlt die Auszeichnung und wünscht dem Vorhaben eine breite Umsetzung im Land und darüber hinaus.










