Indien ist wie ein Klassenzimmer
Fachtagung des PAD zu deutsch-indischen Schulpartnerschaften im November 2009
Vertreterinnen und Vertreter deutscher und indischer Schulen hatte der PAD vom 15. bis 17. November 2009 zum Erfahrungsaustausch nach Bensberg eingeladen. Sie präsentierten ihre Partnerschaftsprojekte und entwickelten in Workshops Vorschläge, wie deutsch-indische Schulzusammenarbeit gelingen kann. Als Partner der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" stellten der PAD, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und das Goethe-Institut vor, wie sie Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Indien unterstützen können. Die Teilnehmer der Tagung zeigten sich am Ende überzeugt, dass die Zusammenarbeit deutscher und indischer Schulen eine Zukunft hat. "Von Indien können wir viel lernen" – hierin waren sich alle einig.
Die Einzigartigkeit Indiens
"Creative Chaos", "Take Off Country" oder "Slumdog Millionär" – dies waren nur einige der vielen Stichworte, die Amita Desai und Rajvinder Singhum nannten, um die Einzigartigkeit und Vielfalt ihres Heimatlands Indien zu beschreiben. Die Vortragenden zeigten an Beispielen, wie facettenreich das Land hinsichtlich Sprache, Kultur und Religionen ist: "Indien ist wie ein Klassenzimmer – es gibt nicht nur ein Indien, sondern viele verschiedene…". Ein gelungener Einstieg in die Fachtagung zu deutsch-indischen Schulpartnerschaften, die der PAD erstmals im Rahmen der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) vom 15. bis 17. November 2009 in Bensberg anbot.
40 Schulen präsentierten ihre Partnerschaftsprojekte
Vertreterinnen und Vertreter von 40 deutschen und indischen Schulen präsentierten ihre Partnerschaften, berichteten von ihren Erfahrungen und nutzten die Möglichkeit, Kontakte untereinander zu knüpfen. Schnell wurde deutlich, dass internationaler Austausch im Schulbereich für alle Arten von Schulen effektiv und nachhaltig gestaltet werden kann: So stellten sich Projekte aus Grund- und Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien vor; aber auch von einem Austausch aus dem Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Freiburg wurde berichtet.
Drei der vier Partner der PASCH-Initiative waren vertreten, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Angebot der von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Anfang 2008 ins Leben gerufenen Initiative vorzustellen: Neben dem PAD als Veranstalter berichtete Hans-Georg Schröder über die Maßnahmen der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und Amita Desai (Goethe-Zentrum Hyderabad) zusammen mit Juliana Glöckler-Fuchs (Goehte-Institut Neu Delhi) über den Beitrag des Goethe-Instituts in Indien zur Umsetzung der PASCH-Initiative.
Partnerschaft auf Augenhöhe
Günter Weigert (Schulleiter der Grund- und Hauptschule mit Realschule Öhningen) und Cornelia Huber (Schulleiterin der Grundschule Tumringen) stellten ihre Partnerschaft mit dem Mayo College in Ajmer vor und zeigten, dass auch ein Schüleraustausch mit Grundschülern sehr erfolgreich sein kann.
Dr. Deepak Arora, Rektor der Ann-Mary-School Dehradun und der Leiter seiner deutschen Partnerschule, Thomas Klaffke (Freiherr-vom-Stein Schule, Grund-, Haupt-und Realschule Neckarsteinach), blicken auf eine seit 2003 bestehende Partnerschaft zurück und ließen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ihren wertvollen Erfahrungen teilhaben. Nach anfänglichen Bedenken, so Thomas Klaffke in seinem Vortrag, habe sich im Laufe der Zeit eine Partnerschaft auf Augenhöhe entwickelt. "Das Besondere dieser Partnerschaft besteht wohl darin, dass hier nicht eine Seite meint, die andere 'entwickeln' zu müssen, sondern beide Seiten voneinander lernen, gemeinsam ungewöhnliche Erfahrungen machen und ihren Horizont beträchtlich erweitern können.“
Während die meisten deutschen Schulen Partnerschaften mit indischen Schulen pflegen, deren Schüler aus Familien der Mittelschicht kommen, gibt es auch Partnerschaften mit Schulen für benachteiligte Kinder aus ärmsten Verhältnissen. Das Beispiel einer solchen Partnerschaft stellte Beate Schlömer (Friedrich-Ebert-Gymnasium Bonn) vor, deren Schule einen ersten Besuch mit der Migros K.I.D.S Matriculation School in Tirupur durchgeführt hat.
Eine weitere erfolgreiche Schulpartnerschaft präsentierten Frau Martina Dropmann (Gymnasium Johanneum Ostbevern) und Anuradha Dutta, Deutschlehrerin an der Delhi Public School in New Delhi, vor. Rita Sen, die Schulleiterin der indischen Partnerschule sagte am Ende des Besuchs der deutschen Schülerinnen und Schüler: “The useful exchange of experiences and ideas resulted in a complete integration of the two sets of students... in the classrooms as well as in their homes. For those few days the German students had actually become a part of the Indian families and it is this language of love and understanding that has transcended the barriers of cultural differences between the two countries and brought the two sets of students together and it is here that our exchange programme has made its biggest contribution.”
Vielfältige Unterstützung für deutsch-indische Schulpartnerschaften
Die aus Indien angereisten Gäste Renu Mital (Leiterin der Delhi Public School Society, Neu Delhi) und Anuradha Dutta (Lehrerin an der Delhi Public School Rohini, Neu Delhi) vermittelten den deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern detaillierte Informationen zum Stellenwert von Deutsch als Fremdsprache innerhalb der Delhi Public School Society, die ein Netz von über 150 Schulen in Indien umfasst und dem Central Board of Secondary Education (CBSE) in Neu Delhi angehört.
Die beiden Vertreterinnen des Goethe-Instituts Indien, Amita Desai (Goethe-Zentrum Hyderabad) und Juliana Glöckler-Fuchs (Goethe-Institut Neu Delhi), berichteten über das Angebot des Instituts zur Betreuung indischer Schulen beim Aufbau und bei der Durchführung deutsch-indischer Schulpartnerschaften.
In Workshops wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Hinweise zu Fördermöglichkeiten sowie der Vor- und Nachbereitung von Austauschbegegnungen erarbeitet.
Der Klang Indiens
Neben den vielfältigen fachlichen Informationen und Schulpräsentationen bot das Abendprogramm den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit auch die schöngeistige Seite Indiens kennenzulernen: Gespielt von Herrn Dr. Deepak Arora (Schulleiter der Ann-Mary-School Dehradun) lauschten sie gebannt den Klängen einer Sitar und genossen die Lesung Rajvinder Singhs aus seinen Gedichtbänden.
In Hinblick auf das vom Auswärtigen Amt geplante „Deutsche Kulturjahr in Indien 2011“ wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Wunsch geäußert, diese Art der Veranstaltung spätestens im Jahr 2011 zu wiederholen. „Von Indien können wir viel lernen“ – hierin waren sich alle einig.




