Bericht
Fachtagung: Interkulturelles Lernen durch Projekte in Schulpartnerschaften
"Ich habe gelernt, dass Verständigung möglich ist." So ein Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn Schule in Nürtingen, die unter der Leitung von Helmut Schröder von Januar bis Oktober 2009 im Rahmen einer Schulpartnerschaft gemeinsam mit jüdischen und arabischen Schülerinnen und Schülern auf den Spuren von Stef Wertheimer in Israel und Deutschland unterwegs waren.
Wertheimer, der 1926 in Kippenheim in Baden zur Welt kam und mit seinen Eltern 1937 vor den Nazis nach Palästina floh, ist einer der erfolgreichsten israelischen Unternehmer. In seinen Firmen versucht er einen Beitrag zum Verständnis zwischen Juden und Arabern zu leisten. Die Schülerinnen und Schüler führten im Rahmen ihres Projekts ein Gespräch mit ihm und waren beeindruckt von dem, was er über sein Leben und seine heutige Arbeit berichtete.
Dieses und zwei weitere gelungene Projekte wurden zum Auftakt der Fachtagung des PAD vorgestellt, die vom 3. – 5. Mai 2010 in Bonn stattfand. Eingeladen waren Lehrerinnen und Lehrer, die im Rahmen des German-American Partnership Program (GAPP), der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) und der Programms mit Mittelost-, Südosteuropa und den Baltischen Staaten sowie Israel Schulpartnerschaften betreuen.
Lebendiges Lernen durch internationale Projektzusammenarbeit
Am Felix-Fechenbach Berufskolleg in Detmold ist nicht nur bei der Schülerschaft, sondern auch im Lehrerkollegium das Interesse an Schulpartnerschaften und Projekten groß: „Kann ich dieses Mal mitfahren?“ wird Norbert Fuhrmann, der als überaus engagierter Koordinator eine Reihe von Schulpartnerschaften organisiert und betreut, häufig gefragt. Seine Präsentation umfasste verschiedene Projekte, die er innerhalb der GAPP-Schulpartnerschaft des Berufskollegs mit dem Technical College in Atlanta durchgeführt hat: so z. B. das Projekt „for friends beer“, in dem deutsche und amerikanische Schülerinnen und Schüler gemeinsam Bier brauten, für Entwurf und Herstellung der Verpackung und ebenso die Vermarktung des Biers zuständig waren.
Maik Böing vom Gymnasium Kreuzgasse in Köln präsentierte sein Projekt „Städte zwischen individueller Wahrnehmung, Stadtimage und Stadtmarketing“, das er mit der chinesischen Partnerschule Beijing Foreign Language School im Jahr 2009 durchführte. Anschaulich stellte er vor, wie mit Sprachanimation erste sprachliche Hürden spielerisch überwunden werden.
Inspiration für neue Projektideen
Ergänzt wurden die Berichte aus der Praxis durch drei Vorträge. Prof. Dr. Andreas Michler von der Universität Passau stellte das Konzept der „Erinnerungsorte“ vor und zeigte am Beispiel der deutsch-tschechischen Geschichte Möglichkeiten auf, gemeinsame Erinnerungsorte in Projekten zu erforschen.
Prof. Dr. Ulrika Eller-Rüter von der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter stellte in Ihrem Vortrag ein Kunstprojekt im sozialen Brennpunkt vor, das gemeinsam mit Studentinnen und Studenten in Rumänien durchgeführt wurde.
Durch den Beitrag von Ulrike Montgomery wurde ein Einblick in die Möglichkeiten der Online-Lernplattform Moodle gewonnen. Gerade zur Durchführung von Projekten in Schulpartnerschaften bietet Moodle eine Reihe von Kommunikations- und Arbeitsmitteln, die den Austausch der Schülerinnen und Schülern vereinfachen und bereichern.
Projekte erhöhen die Qualität von Schulpartnerschaften
In Workshops diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mögliche Projektideen im sozial-historischen, naturwissenschaftlichen und künstlerischen Bereich und berieten sich darüber, wie der Stellenwert von Schulpartnerschaften im allgemeinen Schulalltag gehoben und Schulpartnerschaftsprogramme im Schulprofil verankert werden können.
Nach zwei Tagen interessanter und abwechslungsreicher Vorträge zum Thema Projekte waren sich die Teilnehmenden einig: Die Projektpräsentationen waren sehr aufschlussreich und haben gezeigt, dass die Wirkung der Schülerbegegnungen und das interkulturelle Lernen wesentlich erweitert werden, wenn gemeinsam Fragen gestellt und Aufgaben bewältigt werden.
Der PAD hofft durch die gebotenen Ideen und Anregungen noch mehr Schulen einen Anstoß gegeben zu haben, Schulpartnerschaften als ein gemeinsames Projekt zu gestalten und damit die Qualität von Schulpartnerschaften zu erhöhen.
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Programm der Tagung [PDF, 155 KB]



