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Erasmus+ ab 2021

Celina Edwards im Interview

»Das Programm für Schulen »lesbarer« machen.«

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, läuft noch bis Ende 2020. Doch bereits jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. In regelmäßigen Interviews mit Politikern und Programmnutzern begleitet der PAD die Diskussion über Erasmus+ und sein Nachfolgeprogramm. Im Dezember beantwortet Celina Edwards unsere Fragen. Als stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Dinkelsbühl (Bayern) und ehemalige Erasmus+ Beauftragte am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) kennt sie das Programm aus unterschiedlichen Perspektiven.

Frau Edwards, »Austausch bildet« lautet das Motto des PAD. In welchem Kontext haben Sie solche Bildungserfahrungen machen können, die Sie nicht missen wollen?

Dieses Motto kann ich unterstreichen! Bereits in der Grundschule hat mich ein kurzer Austausch nach Frankreich geführt und ich kann mich noch heute daran erinnern, dass die Nudeln dort in meiner Gastfamilie unglaublich salzig waren... Besonders profitiert habe ich während meines Studiums auch von der Zeit als Fremdsprachenassistentin in Mailand: Tatsächlich kam ich mir dort manchmal sehr deutsch vor. Für meine anschließende Arbeit als Italienisch-Lehrkraft war dieses Jahr aber eine hervorragende Erfahrung, um Schülerinnen und Schülern auch einiges über La Dolce Vita näher bringen zu können – ganz abgesehen von dem extremen Kenntniszuwachs im sprachlichen Bereich. Denn es stimmt: Man fängt an, in der Fremdsprache zu denken. Glücklicherweise habe ich zudem in einer Gastfamilie gelebt. Und auch jetzt als Lehrkraft ist es toll zu sehen, wie junge Menschen beim Schüleraustausch mit fremdsprachlichen Umgebungen umgehen, dabei andere Kulturen kennen und schätzen und gerade auch Unterschiede akzeptieren lernen.

Das Gymnasium Dinkelsbühl beteiligt sich seit Herbst 2018 an einer Strategischen Partnerschaft des Programms Erasmus+. Was verspricht sich die Schule davon?

Wir pflegen seit vielen Jahren einen Austausch mit einer Schule im italienischen Villafranca di Verona. Diese Partnerschaft wurde mit Erasmus+ auf noch fundiertere Füße gestellt, indem der Projektgedanke miteingeflossen ist – unter dem Titel »Pensiero digitale e pensiero critico in contesto interculturale«. Das Gymnasium Dinkelsbühl ist digital hervorragend ausgestattet und bietet der Schulfamilie somit viele Chancen in diesem Bereich. Aber trotzdem können wir natürlich immer auch von anderen lernen und gemeinsam viel erarbeiten. Genau das wurde bisher beispielsweise beim Erstellen von Videos gemacht. Zudem hat eTwinning Einzug in unser Schulleben gefunden. Da nicht nur unser italienischer Partner am Projekt beteiligt ist, sondern auch eine spanische Schule, findet eine auch sprachliche Erweiterung für die am Projekt Teilnehmenden statt. Das ist umso passender, da Spanisch seit letztem Jahr an unserer Schule als Wahlfach angeboten wird. Darüber hinaus hat das Gymnasium seit Juni 2019 ein Projekt mit Leitaktion 1. Und erfreulicherweise laufen aufgrund der hohen Akzeptanz im Kollegium bereits die Planungen für die Beantragung eines neuen Projekts.

Europa und »Brüssel« mögen für Schulen im ländlichen Raum weit weg erscheinen. Mit welchen zugkräftigen Argumenten würden Sie Lehrerkollegien überzeugen, dass es mehr Europa in Schule und Unterricht geben sollte und dass Programme wie Erasmus+ ein gutes Instrument dazu sind?

Die Offenheit und Aufgeschlossenheit meiner Schule, aber auch meine Erfahrungen aus meiner Zeit als Erasmus+-Referentin am ISB, lassen mich nicht vermuten, dass man dazu im ländlichen Raum generell in die Diskussion gehen müsste. Gerade hier in Dinkelsbühl haben wir mit der Wirtschaftsschule eine sehr international geprägte Schule, der 2018 die Europa-Urkunde der bayerischen Staatsregierung verliehen wurde. Aber natürlich muss immer wieder einmal Überzeugungsarbeit geleistet werden. Am einfachsten gelingt das damit, dass Erasmus+ aufgrund seiner vielfältigen Programmstruktur zahlreiche Möglichkeiten bietet, sich als Schule europäischen Partnern zu öffnen und von ihnen zu lernen, sowohl auf Schülerebene als auch Lehrerebene – und finanziert durch die EU.

Aus Ihrer Zeit am ISB kennen Sie Erasmus+ aus der Sicht der Verwaltung. Inzwischen sind Sie wieder im Schuldienst und lernen das Programm aus der Perspektive seiner Adressaten kennen. Welche Abweichungen der Programmpraxis von der Programmtheorie sind Ihnen besonders aufgefallen?

Tatsächlich war ich auch als Referentin am ISB immer nahe an den Schulen und Lehrkräften, da ich über einen längeren Zeitraum zahlreiche Fortbildungen und Beratungen zu Erasmus+ durchgeführt habe. Insofern kommen die Abweichungen nicht ganz überraschend. Auffallend war schon immer, dass Erasmus+ vor allem im Bereich der Leitaktion 2 hehre Ziele formuliert, die Schulen oft schwer umsetzbar erscheinen. Hier galt und gilt es, die Prioritäten und Aktivitäten auf Schulvorhaben herunterzubrechen, ohne dabei den Projektcharakter zu verlieren. Es hat mir als Referentin am ISB immer große Freude bereitet, wenn ich Lehrkräften aufzeigen konnte, welche Chancen das Programm bietet, wenn man es »richtig« zu lesen weiß.

Derzeit werden die Weichen für das Nachfolgeprogramm von Erasmus+ ab 2021 gestellt: Welche Empfehlung würden Sie aus der Sicht der Schulpraktikerin der EU-Kommission mit auf den Weg geben, damit das Programm für Schulen attraktiv bleibt bzw. attraktiver wird?

Im Grunde das, was ich oben beschrieben habe: Macht das Programm für Schulen »lesbarer«! Momentan wirkt es oft abschreckend, da viele Schulen nicht genau wissen, wie sie es im Schulkontext umsetzen können. Attraktiver wäre das Programm für Schulen außerdem, wenn es weniger Ressourcen binden würde. Die Lehrkräfte, die Erasmus+-Projekte durchführen, machen dies mit unglaublich großem Engagement und Enthusiasmus. Ihre Arbeit ist zwischendurch jedoch auch von Frust geprägt, wenn sie vor umfangreichen Antragsformularen sitzen und für Abrechnungen und Berichterstattungen viel Zeit einplanen müssen. Die EU stellt erfreulicherweise viel Geld für diese Projekte zur Verfügung, was natürlich bedeutet, dass Anträge und Projektdurchführung Hand und Fuß haben müssen. Trotzdem sollte für den Schulbereich ein Mittelweg gefunden werden, so dass Erasmus+-Projekte machbarer werden.

Alle Interviews der Reihe "Nachgefragt"

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