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Erasmus+ ab 2021

Dirk-Michael Brüllke im Interview

»Unsere Schülerinnen und Schüler verbinden Europa mit Freundschaft und Normalität«

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, läuft noch bis Ende 2020. Doch bereits jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. In regelmäßigen Interviews mit Politikern und Programmnutzern begleitet der PAD die Diskussion über Erasmus+ und sein Nachfolgeprogramm. Im Januar beantwortet Dirk-Michael Brüllke, Lehrer für Englisch, Russisch und Spanisch und Leiter der Kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Altentreptow (Mecklenburg-Vorpommern), unsere Fragen. Dirk-Michael Brüllke engagiert sich seit 1996 für europäische Projektarbeit und setzt sich als Erasmus+-Moderator für die Verbreitung des Programms ein.

Herr Brüllke, woher kommt Ihre Begeisterung für die europäische Projektarbeit? Was hat sie persönlich besonders beeindruckt?

Es war 1995 und ich fuhr zu einer Konferenz nach Belgien, auf der es um die Vermittlung von Schulpartnerschaften ging. Wir alle waren von der europäischen Idee begeisterte Lehrkräfte und im ehrwürdigen Schloss in Alden Biesen untergebracht. Abends gab es ein offizielles Bankett, auf dem jeder Teilnehmer seine Gedanken formulieren durfte. Diese Begegnung und die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten über den Schulaustausch zu philosophieren, bleiben mir unvergesslich. Dort entwickelte ich mit einem Kollegen aus Mill Hill London die Idee, reihum an unseren Schulen Europawochen durchzuführen, damit sich Jugendliche aus verschiedenen Ländern kennenlernen und zusammenarbeiten können. Wir bewarben uns mit diesem Plan beim damaligen COMENIUS-Programm. Später kamen Schulen aus Frankreich, Spanien und Italien hinzu – und wir begründeten eine Tradition, die bis heute hält.

Sie waren erst kürzlich zur Europawoche bei Ihrer spanischen Partnerschule in Vigo. Was planen Sie mit Ihren Partnern?

Wir finden die Langzeitmobilitäten für Schülerinnen und Schüler attraktiv, die im Rahmen von Erasmus+ Schulpartnerschaften gefördert werden. In der 9. und 10. Klasse können sie so ein halbes Jahr an der Partnerschule verbringen. Sie erhalten Aufgaben, die sie für das gemeinsame Projekt erfüllen müssen. Für die Schülerlaufbahn ist ein solcher Langzeitschüleraustausch sehr hilfreich. Wir beobachten bei den Jugendlichen einen erheblichen Entwicklungssprung durch den Austausch.

Wie werben Sie für das Erasmus+ Programm?

Mein Leitgedanke für den europäischen Austausch lautet: “Wir haben Frieden in Europa – denn wer miteinander spricht, schießt nicht aufeinander.“ Diese Maxime ist meine Grundmotivation für diese Tätigkeit. Als Erasmus+ Moderator berate ich Schulen, die neue Projekte initiieren möchten. Meine Erfahrung ist, dass Projekte ohne die Zustimmung der Schulleitung nicht funktionieren. Da ich selbst eine Schule leite, ist es einfacher, andere Schulleitungen anzusprechen und von der europäischen Idee zu überzeugen. Mein Ziel ist es, noch mehr Mitstreiter zu gewinnen und Nachfolger vorzubereiten, die Verantwortung übernehmen wollen.

Gibt es Argumente, die in besonderem Maße für Erasmus+ sprechen?

Für mich und die Kolleginnen und Kollegen ist es attraktiv, Anderes kennenzulernen und dabei auch Abenteuer zu erleben. So ist es auch für die Jugendlichen. Das Emotionale kommt dabei nicht zu kurz und oft glänzen beim Abschied die Augen. Es ist etwas entstanden, das verbindet. Dafür lohnen sich alle Mühen.

Die Zukunft von Erasmus+ hat bereits begonnen. Was erwarten Sie von der Weiterentwicklung des Programms nach 2020?

Was ich mir wünsche? Das Geld sollte in den Schulen so ankommen, dass alle im Kollegium mitmachen und nicht nur Fremdsprachenlehrkräfte. Ich möchte das Spektrum erweitern – auf alle Fächer. Meine Kollegen der MINT-Fächer sperren sich zwar nicht, aber die Kunst ist es, sie auch inhaltlich stärker einzubinden. Das ist zum Beispiel mit europäischer Lehrerfortbildung der Leitaktion 1 möglich, darüber erreiche ich auch Mathelehrer.

Viele Schulen scheuen den Antragsdschungel bei Erasmus+. Wie motivieren Sie ihre Kolleginnen und Kollegen, den Aufwand trotzdem zu wagen?

Mein Joker sind meine Schülerinnen und Schüler. Ich nehme sie mit zu den Infoveranstaltungen, die ich als Erasmus+ Moderator für andere Schulen organisiere – denn sie sind einfach überzeugend. Ihre Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der sie von Begegnungen in Spanien oder Polen berichten, verblüfft. Sie zeigen, wie normal es für sie ist, mit Schülern aus anderen Ländern zusammen zu sein. Sie sind begeistert von der kulturellen Vielfalt und den anderen Unterrichtsformen im Partnerland. Sie berichten nicht von Trennendem, sondern von ihren Kontakten und Freundschaften.

 

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