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Erasmus+ ab 2021

Petra Kammerevert im Interview

»Wir werden beim neuen Programm darauf achten, die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen und Hürden bei der Zugänglichkeit abzubauen.«

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, läuft noch bis Ende 2020. Doch bereits jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. In regelmäßigen Interviews mit Politikern und Programmnutzern begleitet der PAD auf seiner Website die Diskussion über Erasmus+ und sein Nachfolgeprogramm. Unsere Gesprächspartnerin im November ist die Europaabgeordnete Petra Kammerevert. Als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments ist sie federführend für die Beratungen des Nachfolgeprogramms zuständig. Der von der EU-Kommission vorgelegte Vorschlag wird im Mitentscheidungsverfahren zwischen dem EU-Ministerrat, in dem die Regierungen vertreten sind, und dem Europäischen Parlament beschlossen.

Auf Ihrer Website weisen Sie auf die wachsende Bedeutung von Kultur und Bildung „als Katalysator des europäischen Einigungsprozesses“ hin. Was möchten Sie jeder Schülerin und jedem Schüler in Europa für ihre Zukunft mitgeben?

Wenn sich die EU nur auf Wirtschaftsthemen konzentriert, bringt das die Menschen in Europa nicht näher zueinander - das haben die vielen Krisen der vergangenen Jahre klar gezeigt. Eine europäische Identität kann nur durch Bildung und ständigen kulturellen und persönlichen Austausch wachsen. Deshalb fördert die EU die Mobilität insbesondere junger Menschen, beispielsweise durch das ERASMUS-Programm oder das neue Europäische Solidaritätskorps, das jungen Europäerinnen und Europäern Freiwilligenarbeit in ganz Europa ermöglicht und damit das gesellschaftliche Engagement fördert.

Ich möchte die Schülerinnen und Schüler in Europa deshalb auffordern, diese Vielzahl an Angeboten auch zu nutzen, um ihre Nachbarländer zu entdecken und ihre europäischen Altersgenossen persönlich kennenzulernen. Nur durch solche persönlichen Begegnungen können Misstrauen und Vorurteile abgebaut werden. Zudem ist mir die Weiterentwicklung eines Europäischen Bildungsraums, den die Kommission im November 2017 vorschlug, ein besonderes Anliegen, für das ich mich auch in der nächsten Wahlperiode einsetzen werde.

Ende Mai 2018 hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für das Nachfolgeprogramm von Erasmus+ vorgelegt. Gibt er die richtigen Antworten auf die Herausforderungen, vor denen Europa heute steht?

Der Kommissionsvorschlag geht meines Erachtens in die richtige Richtung. Er betont die großen Erfolge von ERASMUS und schlägt für 202 bis 2027 eine Mittelerhöhung auf 26,7 Milliarden Euro vor. Gleichzeitig sollen in diesem Zeitraum die Teilnehmendenzahlen verdreifacht werden.

Will man dreimal so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreichen, sollte man auch die Mittel verdreifachen. Sonst gefährdet man die Qualität der einzelnen Maßnahmen. Dafür kämpft das Parlament: 41,1 Milliarden Euro und zwar inflationsbereinigt! Es freut mich, dass wir uns fraktionsübergreifend bislang über diese Aufstockung einig sind. Zudem muss deutlicher werden, dass ERASMUS auch den Austausch von Schülerinnen und Schülern sowie Auszubildenden erfolgreich fördert. Wir müssen die Bekanntheit des Programms auch jenseits des Studierendenaustauschs deutlich erhöhen.

Das noch bis Ende 2020 laufende Programm Erasmus+ hatte im Schulbereich zunächst keinen guten Stand, weil es sich für Schulen als zu schwerfällig erwies und in den ersten Jahren zu wenig Mittel zur Verfügung standen. Es fehlte zudem an passgenauen Angeboten für Schulen, um Schülerinnen und Schülern Lernaufenthalte im Ausland zu ermöglichen. Was können Schulen vom neuen Programm erhoffen?

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Bündelung früherer Programme unter dem Dach ERASMUS+ im Prinzip eine gute Entscheidung war. Vereinzelt werden wir aber nachbessern müssen, so auch bei den Mobilitätsangeboten für Schulen, also dem früher unter COMENIUS bekannten Programmteil. Dessen Sichtbarkeit muss deutlich erhöht werden. Aber auch ganz praktische Verbesserungen sind nötig. Hierzu zählt die Vereinfachung der Antragsverfahren und der Abrechnungsmodalitäten. Viele Lehrerinnen und Lehrer entwickeln die Projekte zusätzlich neben ihrer eigentlichen Arbeit. Es kann nicht sein, dass wir durch bürokratische Hürden ihr unschätzbar wertvolles Engagement erschweren. Positiv ist, dass im neuen Programmvorschlag auch der unmittelbare Austausch von Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden soll, was bislang nicht der Fall war.

Wie wird das Parlament die weitere Diskussion begleiten, damit sichergestellt wird, dass es tatsächlich zu Vereinfachungen für Antragsteller vor allem aus kleineren Einrichtungen wie Schulen kommt – etwa durch Pauschalförderungen für Projekte, wie es sie im früheren LLP-Programm für COMENIUS-Projekte gab?

Der zuständige Berichterstatter im Ausschuss, Milan Zver, hat soeben seinen Berichtsentwurf vorgestellt, bis zum 13. November haben die Abgeordneten des Bildungs- und Kulturausschusses Zeit Änderungsvorschläge einzubringen. Das bedeutet, bis dahin werden meine Kolleginnen und Kollegen und auch ich den Kommissionsvorschlag Wort für Wort durchgehen, analysieren, was der Berichterstatter bereits vorschlägt und was wir entsprechend zusätzlich im Programtext sehen möchten. Dabei werden wir auch sehr genau darauf achten, dass wir die Benutzerfreundlichkeit des Programms erhöhen und Hürden bei der Zugänglichkeit abbauen. Die endgültige Abstimmung des Ausschussberichts ist für Februar 2019 vorgesehen. Für die dann anstehenden weiteren Verhandlungen mit dem Rat erhoffe ich mir, dass sich auch die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten entschieden für eine Stärkung des ERASMUS-Programms einsetzen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen.

Alle Interviews der Reihe "Nachgefragt"

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