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Erasmus+ ab 2021

Dr. Stephan Holthoff-Pförtner im Interview

»Die europäische Idee lebt, wenn wir uns treffen«

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, läuft noch bis Ende 2020. Doch bereits jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. In regelmäßigen Interviews mit Politikern und Programmnutzern begleitet der PAD die Diskussion über Erasmus+ und sein Nachfolgeprogramm. Im März beantwortet Dr. Stephan Holthoff-Pförtner unsere Fragen. Dr. Stephan Holthoff-Pförtner ist seit Juni 2017 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen. Zum 1. Juli 2018 hat Nordrhein-Westfalen auch den Vorsitz der Europaministerkonferenz (EMK) übernommen. Die EMK vertritt die Interessen der 16 deutschen Länder in Europaangelegenheiten gegenüber der Bundesregierung und der Europäischen Union, stimmt europapolitische Aktivitäten der Länder ab und koordiniert ihre Informationspolitik zur Förderung des europäischen Gedankens.

Herr Minister Holthoff-Pförtner, »Austausch bildet« lautet das Motto des PAD. In welchem Kontext haben Sie solche Bildungserfahrungen machen können?

In meiner Jugend gab es leider noch nicht die Möglichkeit, über Erasmus im europäischen Ausland zu arbeiten oder zu studieren. Im Ruhrgebiet, meiner Heimat, ist Europa zu uns gekommen. Wir sind mit Klassenkameraden aus Polen, Spanien, Portugal, Griechenland und Italien groß geworden und fanden daran nichts außergewöhnlich. Internationalität und kulturelle Vielfalt gehören auch heute zu unserem Alltag und sind eine große Bereicherung: in der Schule, in der Freizeit, im Verein oder bei der Arbeit. Wir haben neue Perspektiven kennengelernt – nicht zuletzt beim Essen. Der gelebte Austausch und gegenseitiger Respekt sind für mich nicht wegzudenken.

»Wir werden uns dafür einsetzen, die Werte und Errungenschaften der EU besser zu vermitteln, die öffentliche Sichtbarkeit der EU zu erhöhen und deren Nutzen für die Menschen aufzuzeigen«, heißt es auf der Website der Europaministerkonferenz. Von welcher europäischen Errungenschaft würden Sie sich, auch angesichts der Wahlen zum Europäischen Parlament Ende Mai, wünschen, dass sie stärker im Bewusstsein der Menschen verankert ist?

Die jüngere Generation lebt das geeinte Europa so selbstverständlich und selbstbewusst, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, dass das gefährdet sein kann. Wer mit grenzenlosem Reisen in der EU groß geworden ist und die Schlagbaum-Zeit vor Schengen nie kennengelernt hat, nimmt die Errungenschaften der Europäischen Union vielleicht zu leicht als gegeben hin. Ohne die Zustimmung Europas hätte es keine deutsche Wiedervereinigung gegeben. Ohne die Montanunion hätten wir kein Wirtschaftswunder erlebt. Die letzten Jahre haben gezeigt, der Weg von Krieg zu Frieden, von Unfreiheit zu Freiheit ist auch in Europa keine Einbahnstraße: Rechtsstaat und Freiheiten werden eingeschränkt, die freie Lehre geschwächt, liberale Demokratien abgewählt.

Am 25. März findet der EU-Projekttag an Schulen statt. Mit welchen Argumenten würden Sie die Schülerinnen und Schüler zu überzeugen versuchen, dass es sich auch für ihre Generation lohnt, für den europäischen Gedanken einzutreten?

Europa begegnet uns in jeder Nachbarin und jedem Nachbar, in jeder Europäerin und jedem Europäer. Ich würde daher fragen: Wo begegnet Euch Europa im Alltag? Vielleicht wird es erstmal still sein, aber nach einer Weile werden wir diskutieren, warum die Eltern oder Großeltern nach Deutschland, nach Europa eingewandert sind, oder wir werden über die Gründe reden, die ihre Freunde oder deren Familien aus den anderen europäischen und nicht-europäischen Ländern zur Migration veranlasst haben. Gemeinsam müssen wir uns fragen, welches Europa wir bekommen und welches Europa wir wollen.

2021 startet die nächste Generation von Erasmus+. Welche Erwartungen haben Sie als Vorsitzender der Europaministerkonferenz an das neue Programm? Was sollte es gerade in Bezug auf junge Menschen und speziell Schülerinnen und Schüler leisten?

Die europäische Idee lebt, wenn wir uns treffen. Schülerinnen und Schüler sollen sich kennenlernen, unsere Gemeinsamkeiten, unsere Unterschiede. Durch den Austausch mit Gleichaltrigen entwickeln sie das Verständnis füreinander und es wachsen Freundschaften. Ich wünsche mir, dass möglichst viele junge Menschen bereichernde Lern- und Austauscherfahrung machen. Es bedarf ausschließlich einiger Initiative und eigenen Mutes. Europa zu erleben darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Gerade im Schulbereich bietet Erasmus+ tolle Möglichkeiten, diesen europäischen Zusammenhalt zu fördern.

 

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