Logo des pädagogischen Austauschdienst

Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:

[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße zurücksetzen

schließen

Erasmus+ ab 2021

Susanne Lonscher-Räcke im Interview

»Mit dem zukünftigen EU-Programm sollte möglichst vielen Schülerinnen und Schülern ein individueller Schüleraustausch ermöglicht werden«

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, läuft noch bis Ende 2020. Doch bereits jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. In regelmäßigen Interviews mit Personen, die an der Entwicklung des EU-Programms beteiligt sind, begleitet der PAD die Diskussion über Erasmus+ und sein Nachfolgeprogramm. Im Juli beantwortet Susanne Lonscher-Räcke, stellvertretende Referatsleiterin im Referat Europa und Internationales der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg und Bundesratsbeauftragte für den Programmausschuss Erasmus+, unsere Fragen.

Frau Lonscher-Räcke, welche Bedeutung hat der europäische Austausch in Ihren Augen?

Der europäische Austausch hat meiner Erfahrung nach viele positive Effekte auf die Schulen, auf Schulleitungen, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler: in den Begegnungen können Gemeinsamkeiten und Unterschiede erfahren werden, im Sinne eines Kennenlernens und Voneinanderlernens. Dabei können  Kompetenzen erworben werden, die für die  persönliche und berufliche Entwicklung wichtig sind. Das gemeinsame Verständnis für die demokratischen Grundwerte Europas kann so wachsen. Austauscherfahrungen und internationale Begegnungen sind bereits für viele junge Menschen eine Selbstverständlichkeit.  Gleichwohl können zukünftig noch mehr Möglichkeiten für Schulen in sozial benachteiligten Lagen eröffnet werden, sich an europäischen Austauschprojekten zu beteiligen. An diesem Ziel der sozialen Inklusion arbeiten zurzeit alle Beteiligten in der Vorbereitung des zukünftigen Programms Erasmus+.

Wie kann das Programm Erasmus+ in Zukunft die Voraussetzungen für soziale Inklusion verbessern?

Um zukünftig mehr junge Menschen zu erreichen, brauchen wir gute Fördermöglichkeiten für alle Arten von  Austauschbegegnungen, so dass die Teilnahme an europäischen Austauschen einkommensunabhängig ist. Dabei können dann auch Alternativen zu familiärer Unterbringung bedacht werden. Es wäre ein gutes Ergebnis, wenn der Austausch Teil der Schulkultur für viele Schulen wird.

Wie erleben Sie den Erasmus+-Programmausschuss in Brüssel und welchen Einfluss können Sie auf die Gestaltung des Nachfolgeprogramms nehmen?

Erasmus+  als EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Jugendliche, Berufstätige, Studierende und pädagogische Fachkräfte. In der Zusammensetzung der deutschen Delegation im EU-Programmausschuss, der sich aus Vertretern aller Mitgliedstaaten und weiterer bei Erasmus+ teilnahmeberechtigten Staaten zusammensetzt,  sind dementsprechend alle Bereiche vertreten. Auf Grund unserer föderalen Struktur sind wir zwei Beauftragte des Bundesrates, neben mir noch ein Kollege aus dem niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie eine Vertreterin des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und ein Vertreter des BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Wir Mitglieder des Programmausschusses arbeiten eng mit unseren vier nationalen Agenturen zusammen, für den Schulbereich ist das der Pädagogische Austauschdienst. Im Hinblick auf die Beteiligung der Schulen setze ich mich, wie auch der PAD in seinen Arbeitstreffen mit der EU-Kommission, dafür ein, dass die Antrags- und Berichtsverfahren vereinfacht werden, um Hürden für Schulen abzubauen.

Wo sehen Sie noch Entwicklungsbedarf für das Nachfolgeprogramm von Erasmus+?

Der vorliegende Vorschlag für das Nachfolgeprogramm Erasmus+ greift viele der Forderungen der deutschen Programmakteure auf. Zentral für den Schulbereich ist dabei die beabsichtigte deutliche Vereinfachung der Antrags- und Berichtsverfahren sowie erstmalig die breite Fördermöglichkeit von Schülermobilitäten an allgemein bildenden Schulen. Wenn das Programm so beschlossen wird, stehen wir zukünftig vor der Chance und Herausforderung, gemeinsam mit Schulleitungen und Lehrkräften den EU-geförderten individuellen Schüleraustausch für möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu realisieren.

Eine der zukünftigen thematischen Prioritäten des neuen Programms sollte der Klimawandel sein. In einem Workshop der EU-Kommission zur Vorbereitung des Nachfolgeprogramms habe ich deshalb den Vorschlag  eingebracht, eine thematische oder querliegende Säule zum Klimawandel im Programm vorzusehen. Wir werden sehen, inwieweit es uns gelingt, das Momentum der „Fridays for future“ ernst zu nehmen. Sobald nach Bildung der neuen EU-Kommission die Verhandlungen zum  Mehrjährigen Finanzrahmen, d. h. zum EU-Gesamthaushalt, und zu allen EU-Förderprogrammen zu Ende geführt werden können, wissen wir, in welcher Höhe die Mittel für das neue Erasmus-Programm aufgestockt werden und wie die Rahmenbedingungen für die schulischen Aktivitäten in Europa aussehen werden. Ich bin zuversichtlich, dass sich diese verbessern werden und das Nachfolgeprogramm Erasmus+ ab 2021 ein Programm für Alle wird.

Alle Interviews der Reihe "Nachgefragt"

Mehr zum Thema "Erasmus+ ab 2021"

nach oben Seite drucken