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Erasmus+ ab 2021

Ulrich Commerçon im Interview

»Mehr Menschen für die europäischen Programme gewinnen«

Erasmus+, das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, läuft noch bis Ende 2020. Doch bereits jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt. In regelmäßigen Interviews mit Politikern und Programmnutzern begleitet der PAD die Diskussion über Erasmus+ und sein Nachfolgeprogramm. Im Dezember beantwortet der Saarländische Bildungsminister und Beauftragte der Länder für den Bereich Bildung im Rat der Europäischen Union, Ulrich Commerçon, unsere Fragen.

Herr Minister Commerçon, »Austausch bildet« lautet das Motto des PAD. Trifft das auch auf Sie zu? In welchem Kontext haben Sie solche Bildungserfahrungen machen können?

Wir im Saarland leben Europa, der Austausch mit unseren Nachbarn ist vital und intensiv, aber keine Selbstverständlichkeit. Als Minister für Bildung und Kultur setze ich mich selbstverständlich dafür ein, diesen Austausch in unserer Grenzregion weiter voranzubringen und zu fördern. Dafür sind regelmäßige Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbarländern für mich beinahe Alltag. Und wir haben zum Beispiel im Bildungsbereich vielfältige Angebote geschaffen, die den Austausch mit- und untereinander auf eine breite Basis stellen: vom bilingualen Kindergarten hin zu Deutsch-Französischen Berufsschulzweigen. So haben gerade unsere jungen Menschen die Möglichkeit, die sich bietenden Chancen zu nutzen – Mehrsprachigkeit und Mobilität sind dabei der Schlüssel.

2019 stehen nochmals deutlich mehr Fördermittel für Erasmus+ Schulprojekte zur Verfügung. Mit welchen Argumenten wollen Sie Schulen davon überzeugen, sich in der kommenden Antragsrunde zu beteiligen?

Abgesehen von den guten Förderchancen, die 2019 bestehen: Unmittelbarer als durch den persönlichen Austausch kann man die europäische Idee bei jungen Menschen nicht erlebbar machen. Das Programm ist deshalb nicht nur ein unschätzbarer Gewinn für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen, sondern für uns alle. Interkulturelle Erfahrungen fördern nachweislich Werte wie Toleranz, Mitmenschlichkeit sowie die Entwicklung eines europäischen Gemeinschaftsgefühls. Ein solches Denken müssen wir unterstützen, gerade in Zeiten, in denen sich Staaten wieder vermehrt hinter ihre Grenzen zurückziehen.

Die Politik der EU zielt darauf ab, die Vielfalt der Sprachen und Mehrsprachigkeit zu fördern. Im Idealfall sollen Bürgerinnen und Bürger in Europa zusätzlich zu ihrer Muttersprache auch zwei Fremdsprachen sprechen können. Welchen Beitrag leisten die europäischen Bildungsprogramme zu diesem ambitionierten Ziel?

Im Saarland liegt uns Französisch als Fremdsprache besonders am Herzen. Wir haben in Sachen Fremdsprachenunterricht eine Vorreiterrolle in Deutschland. Unsere Frankreichstrategie hat unter anderem das Ziel, Französisch innerhalb einer Generation zur zweiten Umgangs- und Bildungssprache zu entwickeln. In vielen unserer Schulen und Kitas werden Kinder und Jugendliche von diesseits und jenseits der Grenze gemeinsam unterrichtet oder betreut. Die EU-Kommission bezeichnete das Saarland deshalb auch als ein europaweit anerkanntes Best-Practice-Beispiel. Für die Schulen in unserem Land wie generell auch in den Ländern, die unmittelbar an unsere französischsprachigen Nachbarn angrenzen, bietet das Programm Erasmus+ ein enormes Potenzial für die Projektarbeit im Fremdsprachenunterricht. Mit der Langzeitschülermobilität, wie sie Erasmus+ bereits heute ermöglicht, steht zudem ein hervorragendes Instrument zur Verfügung, um Schülerinnen und Schülern einen Schulbesuch an der Partnerschule zu ermöglichen. Angesichts der oft nur geringen Entfernungen gerade in den Grenzregionen lassen sich auch viele Sorgen jüngerer Schülerinnen und Schüler und ihrer Eltern nehmen, die einem solchen Vorhaben zögerlich gegenüberstehen. In so mancher Region muss man ja nur die Seite eines Flusses wechseln. Ich würde mich deshalb freuen, wenn künftig mehr Schulen Erasmus+ nutzen, um ihren Schülerinnen und Schülern solche Aufenthalte im Ausland zu ermöglichen.

Im Erasmus-Programm ab 2021, das sich am Horizont abzeichnet, soll Mobilitäten ein noch größerer Stellenwert eingeräumt werden. Welche sind aus Ihrer Sicht die zentralen Themen, die Schulen im Rahmen europäischer Mobilitätsprojekte verstärkt aufgreifen sollten?

Unser Ziel muss es sein, künftig mehr Menschen mit unterschiedlichem kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Hintergrund für die europäischen Programme zu gewinnen. Ich begrüße deshalb die Absicht, das Nachfolgeprogramm inklusiver als bislang zu gestalten. Eine entsprechende politische Einigung haben wir als EU-Bildungsministerinnen und EU-Bildungsminister auf der letzten Tagung des Rates der EU im November in Brüssel beschlossen. Gerade in diesem Bereich können unsere Schulen von den Erfahrungen ihrer Partner in Europa lernen. Ein wichtiges Anliegen sind mir außerdem die Themen »Bürgerschaft« und »Demokratie«. Angesichts der Wahlerfolge populistischer Parteien in vielen Staaten, auch in Deutschland, die Europa kritisch oder sogar feindselig gegenüberstehen, müssen wir die Demokratiebildung als eine der Kernaufgaben des Bildungs- und Erziehungsauftrags unserer Schulen stärken. Gerade im europäischen Austausch finden Schulen dafür ein motivierendes Instrument. Das setzt natürlich voraus, dass Erasmus+ nutzerfreundlicher als bislang gestaltet wird. Deshalb brauchen wir einfachere Zugänge zum Programm und weniger Bürokratie. Die Hürden gerade für Schulen oder Kindertagesstätten, die ein Projekt planen, beantragen und durchführen wollen, müssen so niedrig wie möglich sein.

Alle Interviews der Reihe "Nachgefragt"

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