Logo des pädagogischen Austauschdienst

Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:

[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße zurücksetzen

schließen

''Generation Coloc - WG''

Ein deutsch-französisches Austauschprojekt zum Leben in der Wohngemeinschaft

Jugendliche aus Valence und Freiburg gründeten binationale Wohngemeinschaften im Internet, meisterten in diesen WGs gemeinsam Herausforderungen und verständigten sich dabei in deutscher und französischer Sprache. Dieses spielerische Austauschprojekt haben zwei Fremdsprachenassistenten am Lycée Barthélemy de Laffemas in Valence (Frankreich) und dem Kepler-Gymnasium in Freiburg (Baden-Württemberg) im Schuljahr 2012/13 entwickelt. Der PAD zeichnet "Generation Coloc – WG" als "Projekt des Monats Mai" aus.

50 Jahre "Elysée-Vertrag" – auf Kooperation folgt Colocation

Claudio Wasmer, deutscher Fremdsprachenassistent in Frankreich, und Benjamin Doucet, französischer Fremdsprachenassistent in Deutschland, entwickelten ein wirklichkeitsnahes und originelles Szenario, um ihre Schülerinnen und Schüler zur Verständigung in der Fremdsprache zu motivieren. Die beiden hatten sich über eine Facebook-Seite kennengelernt, die der PAD für seinen Wettbewerb "50 Jahre Elysée-Vertrag" für deutsch- und französischsprachige Fremdsprachenassistenten eingerichtet hatte.

Virtuelle Wohngemeinschaften erproben das Zusammenleben

"Das Projekt ist sehr interessant für Schüler, die ja bald die Schule beendet haben und dann überlegen müssen, wie sie neue Leute kennenlernen, wie sie wohnen wollen und wie sie sich am besten organisieren." Benjamin Doucet, Fremdsprachenassistent in Freiburg

Wie man eine Wohnung sucht, passende Mitbewohner findet und dann noch für eine gute WG-Stimmung sorgt, erfuhren die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse am Lycée Barthélemy de Laffemas in Valence und dem Kepler-Gymnasium in Freiburg. In einem Internet-Forum gründeten sie binationale Wohngemeinschaften und stellten sich einem WG-Wettkampf, den die beiden Fremdsprachenassistenten organisierten. Obwohl es das Wort "Putzplan" eigentlich nur in deutscher Sprache gibt, einigten sie sich schnell auf Regeln für ihr Zusammenleben. Sie organisierten über das Internet ihre Einweihungspartys, einigten sich auf eine "Playlist" ihrer Lieblingssongs und entwickelten Strategien, um vom WG-Lärm geplagte Nachbarn zu beruhigen. Zum Abschluss entstand ein zweisprachiger WG-Ratgeber, für den die WG-Mitglieder ihre Texte in der Fremdsprache schrieben. Verständnisvolle WG-Kollegen übernahmen in ihrer Muttersprache die redaktionelle Überarbeitung. Die Erfahrung, ohne Notenstress die Sprache zur Verständigung zu nutzen, gefiel den Schülerinnen und Schülern so gut, dass sich die WG-Mitglieder am Ende gegenseitig mit kleinen Päckchen belohnten, die sie mit regionalen Spezialitäten füllten.

Lebensnahes Fremdsprachenlernen über das Internet

"Wir hoffen, dass unser Projekt nicht nur interessante und lustige Tipps für das deutsch-französische WG-Leben liefert, sondern auch, dass es Impulse für die Arbeit mit transnationalen Internetprojekten bietet." Claudio Wasmer und Benjamin Doucet, Fremdsprachenassistenten

Für beide Fremdsprachenassistenten war es eine gute Erfahrung, im interkulturellen Team zu arbeiten. Ihre Ziele und Projektschritte passten sie regelmäßig über E-Mail und Telefon den Gegebenheiten an ihren Schulen an. Sie erlebten, wie befriedigend es für den Lernprozess ist, konkrete und wirklichkeitsnahe Ergebnisse zu erzielen. Sie entwickelten für das Projekt eine Dramaturgie, sodass die Spannung vom ersten Vokabellernen zum Thema Wohngemeinschaft über einen WG-Wettbewerb zur kreativsten Lösung von WG-Problemen bis hin zum Schreiben des WG-Führers erhalten blieb.

Benjamin Doucet begeisterte die Kreativität der Schüler. Für Claudio Wasmer war interessant zu sehen, dass tatsächlich Kommunikation in den virtuellen deutsch-französischen WGs stattfand. Während die beiden Assistenten am Anfang noch alles auf Deutsch und Französisch erklärten, ergänzten sich mit der Zeit französische und deutsche Bausteine. Im Sinne der Sprachmediation wurden nur noch die wichtigsten Inhalte in die andere Sprache übertragen. Für die meisten Schülerinnen und Schüler gehört das Internet zum Alltag, sodass für sie das Fremdsprachenlernen im Projekt zu einer spielerischen Übung wurde.

"Für alle war es ein großes Spiel" - Erfahrungsbericht

Erfahrungen aus dem Austauschprojekt "Generation Coloc – WG" zweier Fremdsprachenassistenten am Lycée Barthélemy de Laffemas in Valence (Frankreich) und am Kepler-Gymnasium in Freiburg (Baden-Württemberg) zum Leben in der Wohngemeinschaft. Claudio Wasmer studierte Latein, Geschichte und Französisch. Nach seinem 2. Staatsexamen arbeitete er sechs Monate als Fremdsprachenassistent an Schulen in Valence. Benjamin Doucet suchte nach seinem Master in Umweltrecht nach einer Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln. Er ist Fremdsprachenassistent am Freiburger Kepler-Gymnasium. Im Gespräch mit dem PAD berichten die beiden, wie sie das Projekt "Generation Coloc – WG" organisierten, für das sie im Wettbewerb des PAD "50 Jahre Elysée-Vertrag" ausgezeichnet wurden.

Der PAD sprach mit den beiden Fremdsprachenassistenten Benjamin Doucet und Claudio Wasmer über ihre Erfahrungen im Projekt "Generation Coloc".

Wie kam es zu Ihrem Projekt?

Claudio Wasmer: Über die Facebook-Seite, die der PAD als Partnerbörse für den Wettbewerb "50 Jahre Elysée-Vertrag" eingerichtet hatte, haben Benjamin und ich uns gefunden.

Benjamin Doucet: Wir hatten beide Ideen und suchten etwas Originelles. Ich wollte, dass wir für das Projekt die Möglichkeiten des Internets nutzen. Wir haben uns dann auf das Thema "Generation Coloc-WG" geeinigt.  Es ist sehr interessant für die Schüler, die ja bald die Schule beendet haben und dann überlegen müssen, wie sie neue Leute kennenlernen, wie sie wohnen wollen und wie sie sich am besten organisieren.

War es für Sie und ihre Schüler unproblematisch, das Internet für die Zusammenarbeit zu nutzen?

Claudio Wasmer: Ich bin eigentlich sehr skeptisch gegenüber Facebook, habe mir dann aber doch ein Profil angelegt, um mitzumachen. Die Schülerinnen und Schüler haben ein freies Forum genutzt, das in Frankreich verbreitet ist. Dort haben wir eine Seite für die Wohngemeinschaften eingerichtet.

Benjamin Doucet: Für mich war es nicht schwierig, die Schülerinnen und Schüler für das Projekt zu interessieren. Der Umgang mit dem Internet ist Teil ihres Alltags und für sie ein Spiel. An meiner Schule in Freiburg können alle damit umgehen und die technischen Möglichkeiten sind gut. Außerdem konnten sie von zuhause auf das Forum zugreifen.

Claudio Wasmer: An meiner Schule hat die Technik nicht so gut funktioniert. In  der letzten Phase, als sie gemeinsam Texte schrieben, brach dann unser Internetzugang komplett zusammen. Ich habe dann zuhause die Texte überspielt. Auch waren einige meiner Schüler mit dem Internet nicht so vertraut oder leben im Internat, was ihre Möglichkeiten zur Computernutzung einschränkt.

Wie haben Sie sich miteinander abgestimmt?

Benjamin Doucet: Es war sehr praktisch, dass Claudio aus Freiburg kommt und ich dort an einer Schule eingesetzt bin. So konnten wir uns im Weihnachtsurlaub treffen. Ansonsten haben wir regelmäßig telefoniert und uns Mails geschickt.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-französischen Zusammenarbeit gesammelt?

Claudio Wasmer: Die unterschiedlichen Unterrichtskulturen mussten wir zusammen bringen. In Deutschland haben die Schüler nicht so viel Unterricht, müssen aber auch in ihrer Freizeit intensiv arbeiten und für Klausuren üben. In Frankreich geht die Schule bis fünf Uhr, danach mochten nicht alle noch etwas für das Projekt machen. Da musste man immer wieder Impulse setzen.

Wie kam das Projekt bei den Schülern an?

Benjamin Doucet: Wir haben das Ganze in einem spielerischen Rahmen gemacht, weil wir wussten, dass sie durch Prüfungen und Unterricht stark gefordert werden. Wir wollten, dass sie Freiräume haben und viele Wahlmöglichkeiten. Meine Schüler waren von Anfang an sehr motiviert. Auch meine Betreuungslehrerin war zufrieden, weil wir für das Projekt nur eine Unterrichtsstunde in der Woche benötigten. Außerdem passte es in den deutschen Bildungsplan, da das Thema Zusammenwohnen im Französischunterricht behandelt werden soll.

Claudio Wasmer: Meine französischen Schüler musste ich erst überzeugen. Der Lehrplan bot keine Andockmöglichkeit. Erst als das Forum startete, haben sie auch Feuer gefangen.  

Wie haben Sie das Projekt aufgebaut?

Claudio Wasmer: Es gab verschiedene Phasen und wir haben unsere Pläne immer wieder aktualisiert. Vor Weihnachten haben wir das Einverständnis bei allen Beteiligten eingeholt. Im Unterricht haben wir das Thema Wohngemeinschaft eingeführt, Vokabeln gelernt und überlegt, wie man sich in einer WG bewerben kann.

Benjamin Doucet: Nach Weihnachten haben wir das Forum im Internet aufgebaut und die Oberfläche eingerichtet, wo die Schüler aktiv sein sollten. Die Hauptidee war, dass die Schüler sich in virtuellen WGs zusammenfinden und dass sie wählen können, mit wem sie zusammen sind. Wir hatten nur vorgegeben, wie viele Franzosen und Deutsche jeweils in einer WG leben sollten.

Claudio Wasmer: Als Erstes mussten sie sich im Forum anmelden. Wir haben das gemeinsam gemacht, falls Hilfe benötigt wird. Die nächste Aufgabe war, sich vorzustellen und die anderen kennenzulernen. Sie mussten dann eine WG gründen. Danach gab es verschiedene Herausforderungen. Wir starteten einen WG-Wettkampf, in dem es darum ging, kreative Lösungen zu finden. Die erste Herausforderung war, eine Einweihungs-Party zu organisieren und sich dafür auf eine "Playlist" zu einigen und eine Einladungskarte zu gestalten. 

Kann die virtuelle Kommunikation überhaupt funktionieren?

Claudio Wasmer: Es war spannend zu sehen, dass tatsächlich eine reelle Kommunikation stattfand. Wir hatten vereinbart, dass die Ergebnisse deutsch und französisch gepostet werden mussten. Wir haben nur interveniert, wenn sie nicht in der Fremdsprache kommunizierten. Zum Abschluss haben alle gemeinsam einen WG-Ratgeber erstellt. Zunächst haben die deutschen und französischen WG-Mitglieder für sich gearbeitet in der Fremdsprache. Dann haben die Muttersprachler korrigiert und ergänzt. Es war gut, dass sie zunächst ohne Druck und Kontrolle frei schreiben konnten. Gleichzeitig hatten sie das Gefühl, die anderen verstehen mich und sie helfen mir, indem sie es ein bisschen umschreiben. Auf indirektem Weg haben sie sich viel mit Sprache auseinandergesetzt, aber mit Sprache, die einen kommunikativen Zweck hatte.

Wie haben Sie Ihre Rolle bei diesem Projekt gesehen?

Claudio Wasmer: Wir haben am Anfang noch alles auf Deutsch und Französisch erklärt, aber mit der Zeit nur noch französische und deutsche Bausteine genutzt. So haben wir schließlich nur noch mit sogenannter Mediation gearbeitet, also die wichtigsten Inhalte in die andere Sprache übertragen. So konnten sie sich nicht verlassen, dass wir alles übersetzen. Manche Aufgaben waren mehr in Französisch, manche in Deutsch. Sie mussten dann das selbst herausbekommen oder ihre WG-Mitglieder fragen.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Benjamin Doucet: Mich hat erstaunt, wie kreativ die Schüler waren. Es war für sie ein großes Spiel und sie hatten viele lustige Ideen. Für die Schüler waren die Geschenke besonders toll, die sie von ihren WG-Partnern am Ende erhalten haben. Die Begegnung im Internet ist ja nur virtuell, aber die Päckchen mit den kleinen persönlichen Nachrichten sind sehr konkret.

Claudio Wasmer: Ich bin ja schon länger im Schuldienst und es grenzte für mich an ein Wunder, dass es alle Schüler an meiner französischen Schule geschafft haben, innerhalb einer Woche die Geschenke zu besorgen und zu verpacken, damit ich sie mit nach Freiburg nehmen konnte.

Was nehmen Sie aus diesem Projekt mit?

Claudio Wasmer: Für mich als Lehrer hat das Projekt einen sehr intensiven Impuls gegeben. Ich bin Benjamin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte. In Zukunft möchte ich diesen kommunikativen Charakter im Fremdsprachenunterricht noch stärker berücksichtigen. Es ist gut, wenn man am Ende etwas in der Hand hat, auf das man stolz sein kann.

Benjamin Doucet: Es war echt super. Für mich war es eine gute Erfahrung, im interkulturellen Team zu arbeiten. Das hat mir auch Lust gemacht, mehr in diese Richtung zu machen.

Ein Schlusswort?

Claudio Wasmer und Benjamin Doucet: Ein großes Dankeschön und Merci beaucoup an all unsere Schülerinnen und Schüler, die das Projekt getragen und mit Leben gefüllt haben! Ihr wart super!

Projektdaten

Koordinatoren und beteiligte Schulen

  • Benjamin Doucet, Fremdsprachenassistent am Kepler-Gymnasium in Freiburg (Baden-Württemberg)
  • Claudio Wasmer, Fremdsprachenassistent an Schulen in Valence. Das Projekt realisierte er am Lycée Barthélemy de Laffemas (Académie Grenoble, Frankreich)

Material

Projektsprache

  • Deutsch und Französisch

Projektlaufzeit

  • Drei Monate

Förderprogramm

nach oben Seite drucken