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Leselust in Montenegro

Frau vor Bücherregal
Das Freiwilligenprogramm "kulturweit" ermöglicht jungen Menschen, Erfahrungen in ausländischen Kultureinrichtungen zu sammeln

Eine Freiwillige im Programm "kulturweit" baut an einem Gymnasium in Ulcinj eine Schülerbücherei auf

Was mit 45 Kisten gespendeter Bücher in deutscher Sprache begann, wurde zu einem Erfolg bei Deutsch lernenden Schülerinnen und Schülern in Ulcinj. Mit ihrer Lesebegeisterung steckte Jana Ballweber auch Jugendliche an, die im Unterricht der Buchlektüre eher skeptisch gegenüber standen. Jetzt lesen sie nicht nur alle verfügbaren Folgen der Reihe "Die Drei ???", sondern bewältigen auch anspruchsvollere Lektüren – wenn nötig mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms im Internet.

Als "kulturweit"-Freiwillige unterstützte Jana Ballweber 12 Monate lang die Deutschlehrkräfte am Gymnasium Bratstvo-Jedinstvo in Ulcinj, Montenegro. In dieser Zeit richtete sie eine Kabinettsbibliothek zur Leseförderung für die Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler ein. Der PAD stellt das beispielhafte Projekt in dem vom Auswärtigen Amt geförderten Freiwilligenprogramm "kulturweit" als "Projekt des Monats" im Juni 2016 vor.

Am Anfang stand eine Bücherspende

Bücherkisten vor Bus mit Helfern
Das bücherbegeisterte Team des Gymnasiums in Ulcinj vor Kisten und Kartons mit deutschsprachigen Büchern

Zu Beginn ihres Freiwilligendienstes sprach Jana Ballweber mit ihren Mentoren, den Deutschlehrern Kurt Schlegel und Armin Schurr, über mögliche Arbeitsbereiche. Dabei entstand die Idee, eine Schülerbibliothek einzurichten, um das Lesen der Deutschschüler zu fördern. Die Grundlage bildete eine Spende aktueller deutschsprachiger Bücher, die Hanspeter Haucke, ein Freund der Mentoren, in Deutschland privat gesammelt hatte. Bei einem Schüleraustausch mit der Partnerschule in Freudenstadt im Schwarzwald konnte die Spende in den Bus gepackt und mit nach Montenegro genommen werden.

"Diese Bücherspende hat uns alle verblüfft", so Jana Ballweber. Nicht nur kamen statt zwei Kartons 45 Kisten, die Bücher waren darüber hinaus "einfach toll". Vielleicht hat sich ihre Begeisterung für das Lesen auch auf die Jugendlichen übertragen. In den Spendenkisten fand sie "Die Enden der Welt", eine Sammlung von Reisebeschreibungen, die Roger Willemsen verfasst hat. Was sie las, passte zur ihrer Lebenssituation und hat sie sehr bewegt.

Bürokratiefreie Ausleihe und aktueller Lesestoff

Mädchen vor Bücherregal
Schülerinnen leihen Bücher in ihrem Klassenzimmer aus

Die Idee zu ihrem Projekt entwickelte Jana Ballweber im Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern. Wie viele junge Menschen ihrer Generation standen sie Büchern eher ablehnend gegenüber und lasen ungern Literatur für den Unterricht. Im Gespräch stellte sie fest, dass die Jugendlichen weder gerne in die Stadtbibliothek in Ulcinj gingen, noch in ihre Schulbibliothek. Das Angebot entsprach nicht ihren Neigungen und die Ausleihe empfanden sie als zu umständlich. "Der Leseanreiz ist größer, wenn die Lektüre nicht verpflichtend ist, sondern man selbst auswählen kann. Auch der Zugang zum Lesestoff sollte unbürokratisch möglich sein", weiß die junge Freiwillige aus eigener Erfahrung.

So entstand die Idee, ein Regal im Deutschzimmer aufzustellen und die Ausleihe über eine Excel-Datei zu regeln, in die sich jede und jeder selbst eintragen konnte. Jana Ballweber sortierte die gespendeten Bücher, trug sie mit Kurzbeschreibungen in die Liste ein und ermöglichte die Ausleihe direkt im Klassenzimmer. Die Ausleihzeit wurde nicht begrenzt und nur in den Ferien dürfen mehrere Bücher entliehen werden.

"Wir dachten, dass sich niemand von den Schülerinnen und Schülern für das Lesen in der Freizeit interessiert. Deshalb waren wir von unserem Erfolg sehr überrascht", so Jana Ballweber. "Die Kinder blühen auf und erzählen begeistert von ihrer Lektüre und ihren Leseerlebnissen."

Über 500 Bücher konnte Jana Ballweber im Rahmen ihres Freiwilligendienstes katalogisieren und auf verschiedene Büchereien verteilen. So entstand nicht nur die Klassenbücherei im Gymnasium, sondern auch die Schulbücherei und die Stadtbücherei konnten von der Spende profitieren. Die Kinderbücher erhielt eine Grundschule vor Ort, die ebenfalls Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

Dass es sich um ein deutschsprachiges Angebot handelt, stellt kein unüberwindbares Hindernis für die Lesebegeisterten dar. Montenegro war bereits vor dem Jugoslawienkrieg ein beliebtes Urlaubsland für deutsche Touristen aus Ost und West. Viele Kinder wachsen mit deutschsprachigem Fernsehprogramm auf und Deutsch wird in vielen Schulen als zweite Fremdsprache unterrichtet. 

Schulen im Ausland und "kulturweit"-Freiwillige: Eine Verbindung auf Gegenseitigkeit

Logo
Der PAD vermittelt Freiwillige an Schulen vorwiegend in Staaten Mittel- und Osteuropas.

Das Freiwilligenprogramm ermöglicht Schulen im Ausland, über den Unterricht hinaus Projekte anzubieten, die das Deutschlernen fördern. Lehrkräfte gewinnen so mehr Flexibilität und der Einsatz junger Freiwilliger aus Deutschland lässt mehr individuelle Förderung einzelner Schüler zu. "Alles, worauf ich Lust hatte, konnte ich machen. Ich hatte genug zu tun, ich habe viel Verantwortung übernehmen können und nie kam Langeweile auf", so das Resümee von Jana Ballweber. Sie weiß zwar jetzt, dass sie zu wenig Geduld hat, um später als Lehrerin zu arbeiten, aber hat in ihrem Freiwilligendienst Kompetenzen wie organisatorische Fähigkeiten entwickelt, die ihr für ihr Studium und spätere Berufstätigkeit nützlich sein werden. Montenegro hat sie als ein europäisches Land kennen und schätzen gelernt, in dem multikulturelles Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen gelingt und wo sie mit großer Freundlichkeit aufgenommen wurde. 

Deutsche Schulen im Ausland beziehungsweise sogenannte DSD-Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz anbieten, können sich beim PAD um die Aufnahme eines oder einer Freiwilligen bewerben. Die Schulen müssen in Ländern Mittel- und Südosteuropas, in Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten oder in sogenannten "Entwicklungsländern" in Südamerika, Afrika oder Asien angesiedelt sein. Der PAD vermittelt die Freiwilligen in enger Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen an interessierte Schulen. Opens internal link in current windowDer PAD informiert auf seiner Website über das Programm.

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