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New Friends in a Box - Neue Freunde aus dem Paket

Deutsch-britisches Austauschprojekt zweier Fremdsprachenassistentinnen

Grundschulkinder vom St. Columba's College in St. Albans (England) und der Lessinggrundschule Zittau (Sachsen) schickten sich Päckchen, um Freundschaften zu schließen und die neue Sprachen auszuprobieren. Mit Begeisterung haben sie diese Möglichkeit genutzt und Fortschritte beim Sprachenlernen gemacht. Zwei Fremdsprachenassistentinnen aus Deutschland und Großbritannien erhalten für diese  Projektidee die Auszeichnung "Projekt des Monats". Das Projekt wurde gefördert durch "UK-German Connection".

Eine Brieffreundschaft zwischen Grundschulkindern

"Sie haben so viel gelernt voneinander und sich so große Mühe gegeben." (Natalie Salamat)

Von Dezember 2010 bis Mai 2011 schrieben sich die Schülerinnen und Schüler zweier Grundschulen in Großbritannien und Deutschland Briefe, stellten den Partnerinnen und Partnern Fragen zu ihrem Land und nahmen Fotos und Videos von sich und ihrer Schule auf. Ihre beiden Fremdsprachenassistentinnen packten jeden Monat ein Päckchen und schickten es an die Partnerschule. Im "German Club" in St. Albans und im Englischunterricht in Zittau wurden die Päckchen ausgepackt und die Antworten formuliert.

Die Päckchen motivierten zum Sprachenlernen

"We sent them some ties and they wear them now in their English lessons!" (Schüler des St Columba's College)

Es gelang den beiden Sprachassistentinnen so gut, das Interesse der Kinder für die Partner im anderen Land zu wecken, dass diese mit Begeisterung Deutsch und Englisch lernten. "Besonders schön fand ich, dass man die Grundschüler noch so faszinieren kann mit einer anderen Sprache und dem Kontakt zu Anderen. Selbst kleine Sachen wie ein Schokobonbon aus Deutschland wurden mit Begeisterung aufgenommen", stellt Claudia Baum rückblickend fest. Natalie Salamat war überrascht, wie schnell die Kinder durch das Projekt beim Englischlernen Fortschritte machten. "Das Projekt hat den Unterricht sehr lebendig gemacht. Alle wollten die Schulkrawatten aus St. Albans tragen. Wir haben dann ausgemacht, dass sie eine Belohnung für gutes Englischlernen sind und so wurden sie abwechselnd im Unterricht getragen."

Das Ambassador-Projekt von UK-German Connection

Die Idee zum Projekt entwickelten die beiden Fremdsprachenassistentinnen auf einem Seminar von Opens external link in new windowUK-German Connection, einer deutsch-britischen Initiative, die den Schüleraustausch zwischen beiden Staaten fördert. Sie suchten nach einer Methode, die die Sprache für Grundschulkinder greifbarer macht und kamen auf die Idee mit den Päckchen. An ihren beiden Schulen konnten sie Lehrkräfte und Schulleitung überzeugen, gewannen Schülerinnen und Schüler für die Idee und eine fruchtbare Zusammenarbeit begann. Natalie Salamat hat in Newcastle Germanistik studiert und war ein Jahr lang Sprachassistentin an der Lessinggrundschule im sächsischen Zittau. Claudia Baum studiert in Leipzig Lehramt für Biologie und Englisch und ging nach abgeschlossenem Bachelorstudiengang nach England an das St. Columba's College in St. Albans.

"Sie haben viel voneinander gelernt und sich so große Mühe gegeben" – Erfahrungen aus der deutsch-britischen Partnerschaft

Claudia Baum studierte in Leipzig Lehramt für Biologie und Englisch und ging nach abgeschlossenem Bachelorstudiengang im Herbst 2010 für ein Schuljahr als Fremdsprachenassistentin nach Großbritannien, um sich sprachlich und interkulturell weiterzubilden. Natalie Salamat studierte Germanistik in Newcastle und ermöglichte als Fremdsprachenassistentin in Zittau ihren Grundschulkindern einen Blick über den Tellerrand. Zu Beginn ihrer Assistenzzeit lernten sie sich auf einer Konferenz der deutsch-britischen Initiative "UK-German Connection" in London kennen. Eine fruchtbare Zusammenarbeit begann.

Wie kamen Sie auf die Idee mit den Päckchen?

Natalie Salamat: Zittau ist weit weg von jeder Großstadt, und ich wollte den Kindern, die noch nie im Ausland waren, etwas Besonderes bieten. Als Kind hatte ich selbst viel Spaß mit Brieffreundschaften. Claudia und ich haben dann überlegt, Päckchen hin und her zu schicken. Das Auspacken ist ja schon aufregend, aber viel Freude macht auch das Überlegen, was ich anderen Schönes schicken kann.

Claudia Baum: Die Kinder brauchen etwas zum Anfassen und Päckchen wirken da besser als E-Mails. Wir haben kurz vor Weihnachten angefangen und ich bin mit Natalies erstem Päckchen zu den Klassen gegangen. Es war natürlich noch verschlossen. Wenn ihr nach Weihnachten wieder kommt, dann packen wir das Paket aus, habe ich ihnen gesagt. Es kamen dann tatsächlich 20 neugierige Kinder.

Was haben sich die Kinder geschickt?

Claudia: Nach Weihnachten haben wir die in England beliebten Christmas Crackers, das sind Knallbonbons, und Weihnachtskarten geschickt. Auch Süßigkeiten kamen immer gut an. Im zweiten Paket haben wir unsere Schule präsentiert, Essenspläne und Schulkrawatten geschickt. Da hat sich die ganze Schule beteiligt.  

Natalie: Jeden Monat gab es ein neues Päckchen. Nach dem Auspacken haben wir jedes Mal Ideen gesammelt, was wir antworten und einpacken können. Die Kinder haben sich persönlich vorgestellt und gegenseitig Briefe geschrieben, haben Fragen gestellt und beantwortet. Ein Höhepunkt war das Päckchen zum Royal Wedding, das aus St. Albans kam. 

Welche Auswirkung hatte Ihr Projekt auf das Sprachenlernen?

Natalie: Das Projekt hat den Unterricht sehr lebendig gemacht und die Kinder machten sehr schnell Fortschritte. So hatten wir mehr Zeit für das Projekt. Sie haben sich jedes Mal auf den Englischunterricht gefreut und gemerkt, dass Englisch eine Sprache zum Sprechen ist und nicht nur in Schulbüchern steht. Begeistert waren meine Kinder zum Beispiel über die Krawatten der englischen Schuluniform, so etwas kannten sie ja gar nicht. Alle haben sich darum gerissen, die Krawatten zu tragen. Wer gut im Englischunterricht war, durfte dann in der nächsten Stunde die Krawatte anziehen.

Claudia: Im Osterpaket war ein Video, mit dem sich die Schülerinnen und Schüler aus Sachsen in englischer Sprache vorgestellt haben. Meine Jungs fanden das ganz toll und haben den Film immer wieder angesehen. Die Kinder erkennen sehr schnell den Sinn dieser Pakete und des Sprachenlernens. Sie entwickeln Interesse an den Partnern und möchten mit ihnen in Kontakt bleiben. Auch persönlich war ich für sie ein Vorbild. In der Schulversammlung habe ich mich mit den Worten vorgestellt: "Wenn ich nicht damals Englisch gelernt hätte, würde ich jetzt nicht vor euch stehen".

Welche Schwierigkeiten gab es?

Claudia: Am College war das Ganze schwierig, denn die Kinder konnten nur in ihrer 30-minütigen Essenspause an unserem "German Club" teilnehmen. Deutschunterricht gab es dort zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Ich bin dann mit dem frisch angekommen Paket durch den Essenssaal gelaufen und habe ihnen Lust auf’s Auspacken gemacht. So sind die meisten immer wieder gekommen und hatten großen Spaß.

Was hat Ihnen am besten gefallen?

Claudia: Besonders schön fand ich, dass man die Grundschüler noch so faszinieren kann mit einer anderen Sprache und dem Kontakt zu Anderen. Selbst kleine Sachen wie ein Schokobonbon aus Deutschland wurden mit Begeisterung aufgenommen. Es haben sich richtige Brieffreundschaften entwickelt. Und das Besondere: Wenn jemand unbeliebt ist in seiner Klasse oder Schwierigkeiten im Unterricht hat, dann spielt das bei der Partnerklasse ja keine Rolle. So hat jeder Anerkennung erfahren. Toll war auch die Unterstützung, die ich in der Schule von den Lehrern und der Schulleitung erhalten haben. Es gab immer Hilfe.

Natalie: Die Kinder haben viel gelernt voneinander und haben sich so viel Mühe gegeben. Und die Zusammenarbeit mit Claudia hat sehr gut geklappt. Wir haben uns regelmäßig abgestimmt, über E-Mail, Skype oder einfach per Telefon. Ich konnte ihr bei den Briefen an die Eltern helfen, die ja informiert und um Zustimmung gefragt werden mussten, da die Arbeitsgemeinschaft nicht im Unterricht stattfand. Claudia hat sich um die Finanzen gekümmert, da wir Zuschüsse für unsere Päckchen von "UK-German Connection" erhalten haben, die wir abrechnen mussten.

Welche Folgen hatte das Projekt?

Natalie: Für mich persönlich ist die Konsequenz, dass ich mich als Grundschullehrerin beworben habe. Früher konnte ich mir das nicht vorstellen. Gerne hätten wir auch den Grundstein für eine Schulpartnerschaft gelegt. Aber am College in St. Albans wurde leider der Deutschunterricht abgeschafft, weil sich nicht genug dafür interessieren. Die Jungen vom "German Club" haben aber noch Briefe von ihren Partnern in Deutschland erhalten und können zumindest die Brieffreundschaften privat fortsetzen.

Claudia: Bei mir ist es die Idee oder der Wille, so etwas wieder zu unterstützen und mitzumachen, wenn ich noch einmal die Möglichkeit hätte. Viele Kontakte zu englischen Schulen und anderen Assistenzkräften nehme ich mit. Gerne geben wir auch unsere vorgefertigten Elternbriefe und den Projektplan an Interessierte weiter.

Projektdaten

Natalie Salamat, Fremdsprachenassistentin in Zittau (Schuljahr 2010/11)
Claudia Baum, Fremdsprachenassistentin in St. Albans (Schuljahr 2010/11)

  • Projektsprachen: Deutsch und Englisch
  • Ziele: Das Ziel des Projekts war es, die Erstlerner einer Fremdsprache zueinander in Kontakt zu bringen und so ihre Motivation zum Sprachenlernen zu steigern. Sie sollten erfahren, wie schön es ist, über eine neue Sprache Freundschaften in einem anderen Land zu knüpfen.
  • Förderprogramm: Die deutsch-britische Initiative "UK-German Connection" förderte das Projekt über ihr "Ambassador"-Programm mit zwei Seminaren und einem Sachkostenzuschuss. Jedes Schuljahr lädt UK-German Connection Fremdsprachenassistentinnen und -assistenten aus Deutschland und Großbritannien ein, damit diese während ihrer Assistenzzeit Partnerschaftsprojekte durchführen. Der Austausch von Fremdsprachenassistentinnen und -assistenten wird im Rahmen zwischenstaatlicher Abkommen durch die deutsche und britische Regierung sowie die Länder der Bundesrepublik Deutschland gefördert.
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