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Weltweit lecker

Internationaler Freiwilligendienst "kulturweit" des Auswärtigen Amts

Als "kulturweit"-Freiwillige am Gymnasium Nummer 6 in Novosibirsk hat Caroline Stelzer das Kochprojekt "weltweit lecker" initiiert. Mit Partnern in 22 Ländern probierten die Schülerinnen und Schüler Rezepte aus und lernten dabei Deutsch. Für ihre Idee und das dabei entstandene Kochbuch erhält Caroline Stelzer im März 2012 die Auszeichnung "Projekt des Monats.

Projektbeschreibung

''Ich finde es toll, dass wir Freiwilligen durch 'weltweit lecker' gemeinsam etwas auf die Beine stellten und auch während unserer Zeit in den Gastländern in Kontakt standen. Vielleicht entsteht auch zwischen den ausgelosten Kochpartnern ein regelmäßiger Austausch über die eigenen Erlebnisse." Caroline Stelzer, "kulturweit"-Freiwillige

Alle "kulturweit"-Freiwilligen, die gerne kochen, waren eingeladen, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern an ihrer Gastschule ein landestypisches Gericht zu kochen. Die verwendeten Rezepte, Fotos sowie Erläuterungen, in denen die Kochenden, das Land und seine Esskultur vorgestellt wurden, hat Caroline Stelzer gesammelt. So entstand das "weltweit lecker"-Kochbuch. In einer auf YouTube dokumentierten Auslosungsshow erhielt jede Gruppe eine Partnergruppe aus einem anderen Land. Zum Abschluss probierten alle das Rezept ihrer Kochpartner aus.

Von St. Petersburg bis Phnom Penh

"Ich finde es toll, dass wir Freiwilligen durch 'weltweit lecker' gemeinsam etwas auf die Beine stellten und auch während unserer Zeit in den Gastländern in Kontakt standen. Vielleicht entsteht auch zwischen den ausgelosten Kochpartnern ein regelmäßiger Austausch über die eigenen Erlebnisse." Caroline Stelzer, "kulturweit"-Freiwillige

Während die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse in Novosibirsk die russischen Pfannkuchen Blini in der Pfanne brutzelten und mit Quark, Äpfeln oder Kondensmilch füllten, standen auch ihre Partner in 22 Ländern am Herd, um ihre landestypischen Gerichte zuzubereiten. Alle waren begeistert von der Idee und kochten mit Leidenschaft. Den Freiwilligen eröffnete das Projekt viele Möglichkeiten: Sie konnten im Deutschunterricht über Esskulturen sprechen, Rezepte aus verschiedenen Ländern nachkochen oder Unterrichtseinheiten zu den Partnerländern vorbereiten.

Deutsch lernen und Rezepte ausprobieren

"Dadurch, dass die Deutschlernenden ihre eigene Kultur für so viele Menschen aus anderen Ländern auf Deutsch präsentierten, merkten sie, dass sie die Sprache im wirklichen Leben zur Kommunikation einsetzten können." Caroline Stelzer, "kulturweit"-Freiwillige

Ein Ziel war es, Deutsch anders zu lernen als im klassischen Deutschunterricht: Mit viel Spaß und in einer anderen Umgebung. Die "kulturweit"-Freiwilligen motivierten ihre Schülerinnen und Schüler, sich mit eigenen Essgewohnheiten und der Kultur ihres Landes zu beschäftigen und für die Partner in deutscher Sprache zu dokumentieren. Beim Kochen des "kulturweit"-Partnergerichtes in der zweiten Phase von "weltweit lecker" lernen sie gemeinsam auch noch etwas über ein anderes Land und dort zu findende kulinarische Vorlieben. So konnten die Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache direkt einsetzen.

Erfahrungen

Caroline Stelzer ist 20 Jahre alt und engagierte sich nach dem Abitur als Freiwillige im Programm "kulturweit" des Auswärtigen Amts. Sechs Monate lebte sie in Novosibirsk, um dort am Gymnasium Nummer 6 "Gornostay" im Deutschunterricht zu assistieren. Gemeinsam kochen und dabei Deutsch lernen, das war ihre Idee. Der PAD hat mit ihr über ihre Erfahrungen in Novosibirsk gesprochen.

Wie kamen Sie auf die Idee, nach Sibirien zu ziehen?

Russland war mein Wunschland, auch wenn ich dafür viele skeptische Blicke geerntet habe. Seit ich in Berlin auf eine russische Europagrundschule gegangen bin, fühle ich mich diesem Land verbunden, es gehört irgendwie zu mir. Ich habe mich gefreut, wieder die Sprache zu sprechen, die ich elf Jahre lang gelernt habe. Und ich habe mich auch auf den sibirischen Winter gefreut und dass ich eine warme Pelzmütze, die Tschapka, tragen kann.

An Ihrem Projekt sind sehr viele Freiwillige beteiligt. War es schwierig, dieses Projekt umzusetzen?

Ich habe nicht damit gerechnet, dass aus einer so kleinen Idee so viel entsteht. So etwas Großes hatte ich vorher noch nie organisiert. Wir sind die erste Generation von "kulturweit"-Freiwilligen, die während ihres Aufenthalts im Gastland ein Projekt eigenständig planen und durchführen sollte. Das wurde uns auf dem Vorbereitungsseminar mitgeteilt und wir wurden auch mit allerhand Broschüren und Infomaterial ausstaffiert. Ich hätte es nicht gedacht, aber der Leitfaden "Projektmanagement leicht gemacht" wurde zu meiner Bettlektüre, denn ich wollte, dass mein Projekt ein voller Erfolg wird.

Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Kochen?

Die Idee dazu kam eigentlich wie von selbst, als ich mich nach meiner Ankunft einige Tage durch die Leckereien der russischen Küche gefuttert hatte. Ich wollte mit meinen Schülern kochen, aber nicht unbedingt nur russisch. Da ja auch "kulturweit"-Freiwillige in Mexiko, China und Chile sind, habe ich mich gefragt, was die dort so essen. Was sagt schließlich mehr über eine Kultur aus, als ihre Küche?

Was haben Sie genau gemacht?

Ich habe alle "kulturweit"-Freiwilligen angesprochen, ob sie kochwütige Kinder, Jugendliche oder Erwachsene aus ihrem Gastland kennen und Lust haben,  gemeinsam mit dieser Gruppe von Feinschmeckern ein landestypisches Gericht zu kochen. Es haben sich schließlich 29 Freiwillige aus 22 Ländern beteiligt. Das Rezept wurde zusammen mit Fotos und einem erklärenden Text, in dem die Kochenden, das Land und seine Kultur sowie das Essen vorgestellt werden, an mich geschickt. Ich habe dann alles gesammelt und gemeinsam mit Olga, einer Schülerin aus der 11. Klasse, die superfit im Layouten ist, entstand das große "weltweit lecker"-Rezeptbuch.

Dann haben wir eine "Kochpartner-Auslosungsshow" veranstaltet, die man auf YouTube bewundern kann. Unsere Koch-Feen haben für jede Gruppe einen Partner ausgewählt. Alle mussten dann das Partnergericht kochen und sich auch mit diesem Land beschäftigen. Die Kochpartner nahmen per E-Mail Kontakt zueinander auf und schrieben sich, wie das fremde Gericht geschmeckt hat und wie es war, es zuzubereiten.

Internationale Projekte in englischer Sprache sind die Regel, Ihr Projekt dagegen haben Sie komplett in deutscher Sprache durchgeführt.

Viele an meiner Schule in Novosibirsk können viel besser Deutsch als Englisch. Deutsch als Kommunikationssprache für internationale Projekte ist dort nicht ungewöhnlich. Das ganze Projekt fand im Rahmen des Deutsch- oder DSD-Unterrichts statt. Ziel war es, Deutsch in einem anderem Umfeld und bei einer spaßigen Tätigkeit zu lernen, außerdem natürlich, andere Länder kennen zu lernen und zu überdenken, welche Bilder und Stereotypen man von anderen Kulturen hat. Dadurch, dass die Deutschlernenden ihre eigene Kultur für so viele Menschen aus anderen Ländern auf Deutsch präsentierten, merkten sie, dass sie die Sprache im wirklichen Leben zur Kommunikation einsetzen können. So viele Leute aus so vielen Ländern - eine Sprache und zwar Deutsch.

Was haben Sie außerdem an Ihrer Schule gemacht?

Das Projekt hat schon viel Zeit in Anspruch genommen - auch zuhause am Computer. Ansonsten habe ich viel am schulischen Leben teilgenommen, Spiele mit den Schülerinnen und Schülern gespielt, im Unterricht Fragen beantwortet, mit einer Schülerin für einen Lesewettbewerb trainiert. Ich habe außerdem an meinem "kulturweit"-Blog geschrieben. Ich schreibe gern, Journalismus ist mein Ding.

Welche Schwierigkeiten gab es?

Es beteiligten sich viele Länder aus Osteuropa und wir haben festgestellt, dass fast alle diese Länder Teigtaschen mit Fleischfüllung kennen, die sich nicht sehr von denen in Russland unterscheiden. Jeder hat sich gefreut, wenn die Partner und ihre Gerichte etwas exotischer waren. Auch wenn es dann manchmal Probleme gab, die Zutaten zu beschaffen.

Was hat Ihnen am besten gefallen?

Mit "weltweit lecker" habe ich den Projektwettbewerb von "kulturweit" gewonnen. So können wir mit dem Preisgeld von 500 Euro das Kochbuch für die an meinem Gymnasium beteiligten Schülerinnen und Schüler drucken lassen. Und jetzt noch "Projekt des Monats" beim PAD, darüber freue ich mich.

Für die Schulen war das Projekt eine gute Werbung und brachte eine schöne Abwechslung. Die Schülerinnen und Schüler haben durch das internationale Projekt das Gefühl, dass ihre Reichweite sehr viel größer ist. Schließlich fährt man hier acht Stunden und ist doch immer noch in Sibirien.

Was nehmen Sie aus Russland mit?

Ich habe erfahren, dass man mit Kindern sehr viel Spaß haben kann. Ich bin sehr dankbar, dass mich meine Mentorin Ludmilla Heym, die Deutschlehrerin am Gymnasium Nummer 6 ist, so unterstützt hat und mir in allem geholfen hat. Ohne sie hätte ich das Projekt nicht durchführen können. Meine Sprachkenntnisse habe ich verbessern können und ich nehme die Gewissheit mit, dass ich im Sommer wiederkommen kann. Ich habe viele Freunde gefunden und fühle mich Russland wieder näher.

Projektdaten

  • Schule

    Gymnasium Nummer 6 "Gornostay" in Novosibirsk (Russland)
  • Projektsprache

    Deutsch
  • Förderprogramm

    "kulturweit" ist der internationale Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission. Er wird in Zusammenarbeit mit dem PAD als einem von sechs Partnern durchgeführt. "kulturweit" ermöglicht jungen Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren sich für sechs oder zwölf Monate im Bereich der Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren. Der PAD vermittelt die Freiwilligen an Schulen vorwiegend in Staaten Mittel- und Osteuropas. Weitere Einsatzstellen befinden sich in Lateinamerika, Asien und Afrika.
  • Der Projektwettbewerb für "kulturweit"-Freiwillige wurde im September 2011 erstmals vom PAD und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen ausgeschrieben. Mit Geldpreisen von 200 bis 500 Euro wurden die drei besten Projekte prämiert, die Freiwillige an ihren Gastschulen durchgeführt haben.
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