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Internationale Planspiele bereiten auf das Arbeitsleben vor

In einem Planspiel ein Büro im Ausland einrichten, eine interessante und günstige Klassenfahrt planen oder ein Online-Quizz entwickeln: Gemeinsam mit ihren Partnern aus elf Schulen in acht Nationen simulieren die Schülerinnen und Schüler der "HLA – Die Flensburger Wirtschaftsschule" und des Regionalen Berufsbildungszentrums Wirtschaft Kiel internationale Handelsbeziehungen und lernen, sich in der interkulturellen Wirklichkeit Europas zu verständigen. Die multilaterale COMENIUS-Schulpartnerschaft zeichnet der PAD im November 2012 als "Projekt des Monats" aus.

Das Projekt

Neben mehreren kaufmännischen Berufsschulen mit unterschiedlichen Bildungsgängen und Schülergruppen beteiligen sich auch ein altsprachliches Gymnasium aus Italien, ein schwedisches Gymnasium und eine technische Berufsschule aus Slowenien an der zweijährigen COMENIUS-Schulpartnerschaft. Die Vielfalt methodischer und inhaltlicher Möglichkeiten von Simulationsspielen bietet die Chance, dass es auch unterschiedlichen Partnern gelingt, gemeinsame Projekte durchzuführen. Auf internationalen Treffen entwickeln die beteiligten Lehrkräfte das Großprojekt. Auf einer Moodle-Plattform informieren sie sich gegenseitig über die Planungen und Ergebnisse. Die COMENIUS-Moderatorin und Englischlehrerin Irene Eckart von der Flensburger Wirtschaftsschule hat langjährige COMENIUS-Erfahrung und koordiniert das Projekt

Wie im richtigen Arbeitsleben

Sie spielen, sind aber mit Ernsthaftigkeit bei der Sache. Seit dem Sommer 2011 haben Schülerinnen und Schüler an den elf Partnerschulen im regulären Unterricht oder während ihrer Projekttage Firmen gegründet, Angebote entwickelt und sich in Schale geworfen, um mit den Partnern in englischer Sprache Geschäftsverhandlungen zu führen. Dabei lernen die Berufsschülerinnen und Berufsschüler aus Norddeutschland beispielsweise von den bereits berufserfahrenen Niederländern, was dort der Dresscode im Geschäftsleben vorschreibt, während sie dänische Gymnasiasten unterstützen, Geschäftsbriefe zu entwerfen.

Bei den Begegnungen, die reihum in den verschiedenen Ländern stattfinden, erfahren alle Beteiligten, dass wirtschaftliches Handeln auch interkulturelles Verstehen voraussetzt. Und sie spüren, wie viel Spaß es macht, gemeinsam ein Projekt zu planen und umzusetzen. Alle lernen voneinander, wenn sie nach Lösungen für die kniffligen Aufgaben suchen. Auch die Lehrkräfte sind in die Spiele involviert. Die internationale Zusammenarbeit erleben sie so als Fortbildung und persönliche Bereicherung.

Das Interesse an beruflicher Mobilität wächst

Allen Beteiligten ist es wichtig, ein europäisches Netzwerk von Schulen aufzubauen, möglichst vielen Schülerinnen und Schülern die Erfahrung grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Begegnung zu bieten und das Interesse an beruflicher Mobilität in Europa zu fördern. Inzwischen hat sich ein Teamgeist entwickelt, der alle motiviert und zum tragenden Element geworden ist. Zum Abschluss im Sommer 2013 findet eine Planspielmesse in Dänemark statt, auf der alle Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren.

Projektdaten

Multilaterale COMENIUS-Schulpartnerschaft "Preparing Students for the World of Work through International Business Games".

Projekt in "European Shared Treasure"

Koordinatorin

  • Irene Eckart, Projektkoordinatorin
    HLA – Die Flensburger Wirtschaftsschule

Projektsprache

  • Englisch

Projektlaufzeit

  • 2011 bis 2013

Förderprogramm

Schulen

  • Regionales Berufsbildungszentrum "HLA - Die Flensburger Wirtschaftsschule" (Koordinierende Schule)
  • Regionales Berufsbildungszentrum Wirtschaft der Landeshauptstadt Kiel
  • Handelsgymnasiet Skive Handelsskole (Dänemark)
  • Business College Syd, Sønderborg (Dänemark)
  • Elektrotehnisko-Racunalniska Strokovna sola in Gimnazija, Ljubljana – Slowenien
  • Reid Kerr College (Großbritannien)
  • Southgate College, Enfield – London (Großbritannien)
  • Staffangymnasiet – Söderhamn (Schweden)
  • Ist. Istr. Sup. Publio Virgilio Marone, San Severino (Italien)
  • Rijn IJssel Sector Economie & Uiterlijke Verzorging, Arnhem (Niederlande)
  • Oulun seudun ammattiopisto, Kaukovainion yksikkö, liiketalous – Oulunsalo (Finnland)

Gruppen

  • Business Game (Skive/DK, Arnhem/NL, Kiel/D)
    Simulationsspiel "Einrichtung von Großraumbüros"
  • Class Trips (Paisley/Scotland, Sønderborg/DK, Söderhamn/Sw, Flensburg/D)
    Ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Klassen und Gruppen der beteiligten Schulen um den besten Vorschlag und die beste Vorbereitung für den Besuch einer Partnerklasse aus Europa.
  • Creating of games and quizzes (Southgate/England, Reid Kerr/Scotland, HLA/D)
    Die Partner adaptieren bestehende Online-Spiele und unterstützen sich gegenseitig bei der Entwicklung von Spielen. So entstand das Spiel "Around Schleswig-Holstein in 20 questions" für die internationalen Gäste während der Begegnung in Flensburg.
  • Applying as a Tour Guide and planning a Trip (Mercato/Italien, Oulu/Finnland, Ljubljana/Slowenien, Söderhamn/Schweden, Kiel/Deutschland)
    Ein Simulationsspiel, bei dem es darum geht, sich für einen Ferienjob im Tourismus eines der Partnerländer zu bewerben und eine Reise zu den Partnern zu organisieren.

"Für uns alle sind die internationalen Treffen eine Fortbildung"

Erfahrungen aus der multiliteralen COMENIUS Schulpartnerschaft mit elf Partnerschulen in sieben Ländern

Irene Eckart, Studiendirektorin am Regionalen Berufsbildungszentrum "HLA – Die Flensburger Wirtschaftsschule", koordiniert die COMENIUS-Schulpartnerschaft und hat mit ihren Schülerinnen und Schülern im Englischunterricht ein Schleswig-Holstein-Spiel für ausländische Gäste entwickelt. Matthias Kraski, Handelslehrer am Regionalen Berufsbildungszentrum Wirtschaft in Kiel, leitet das Unternehmensplanspiel zur Einrichtung von Großraumbüros in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Im Interview mit dem PAD berichten sie, wie das Projekt koordiniert und die Spiele durchgeführt werden, um allen Beteiligten einen Eindruck von internationalen Handelsbeziehungen und ein positives interkulturelles Erlebnis zu ermöglichen.

Wie entstand diese COMENIUS-Schulpartnerschaft?

Irene Eckart: Bereits 2010 haben wir mit unseren Partnern aus früheren COMENIUS-Projekten die Idee für diese Schulpartnerschaft entwickelt. Durch persönliche Kontakte kamen vier neue Partnerschulen hinzu. Beteiligt sind nicht nur kaufmännische Berufsschulen, sondern auch ein altsprachliches Gymnasium und ein Gymnasium mit einem berufsvorbereitenden Schwerpunkt sowie eine technische Berufsschule. So waren wir ein wirklich großer Kreis von Skandinavien bis Sizilien mit sehr unterschiedlichen Schulen, die sich auf das Ziel einigten, mit internationalen Spielen auf interkulturelle Kommunikation im Arbeitsleben vorzubereiten.

Matthias Kraski: Wir sind eine Kerngruppe von Schulen, die seit 2003 unter der Leitung von Frau Eckart zusammenarbeiten. Unsere COMENIUS-Projekte werden immer schülerzentrierter, aber auch komplexer. Simulationsspiele eignen sich als abwechslungsreiche Methode, die für die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Partner variiert werden kann. Unsere Schule hat Erfahrungen mit Unternehmensplanspielen aus einer Schulpartnerschaft mit Dänemark, die wir einbringen konnten.

Wie funktioniert so ein Unternehmensplanspiel, wenn es international durchgeführt wird?

Kraski: Bei unserem "Management Simulation Game" mit den Partnerschulen in Arnheim (Niederlande) und Skive (Dänemark) geben wir den Schülerinnen und Schülern beispielsweise die Aufgabe, Großraumbüros in den Partnerländern einzurichten. Als Erstes gründen sie Firmen, die Bürokommunikation, Büromöbel und Computer verkaufen. Als Dienstleister müssen sie dann mit einem günstigen und interessanten Angebot gegenüber ihren Konkurrenten bestehen. Beim Spiel entsteht ein Markt, auf dem sie international handeln und national konkurrieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Einrichtungsgegenstände in der Stadt kaufen, in der sie das Büro einrichten sollen, um den CO2-Ausstoß zu vermindern. Sie müssen mailen, telefonieren und skypen, um Angebote zu erfragen und Rabatte auszuhandeln. Am Ende steht eine Verhandlungsrunde mit Vertretern der Partnerschulen, bei der Verträge "face to face" in unserer Projektsprache Englisch abgeschlossen werden.

Wie lernen die Schülerinnen und Schüler bei diesen Planspielen?

Kraski: Die Schüler werden in eine komplexe Handlungssituation geworfen und lernen dabei, mit Verwirrung umzugehen, Aufgaben zu teilen und sie in eine beherrschbare Ordnung zu bringen. Wir müssen ihnen einen Rahmen geben, in dem sie das lernen können und leiten sie dabei an. Die technischen Probleme bei der Kommunikation sind relativ gering, weil die technischen Möglichkeiten immer besser werden. Die Schülergruppen bringen verschiedene Voraussetzungen mit und sind auch vom Alter her unterschiedlich. Sie lernen viel voneinander. So kann der kaufmännische Assistent aus Deutschland dem dänischen Gymnasiasten zeigen, wie ein Geschäftsbrief aussehen sollte. Wenn das Telefon klingelt, sind unsere jüngeren Schülerinnen und Schüler erst einmal aufgeregt und lachen. Die älteren Schülerinnen und Schüler aus Arnheim, die schon Erfahrung im Unternehmen haben, zeigen ihnen dann, wo es lang geht und schnell finden sie einen geschäftsmäßigen Ton. Wenn auf einem Projekttreffen die Niederländer im Geschäftsoutfit erscheinen, reagieren die Jugendlichen aus Deutschland und Dänemark schnell und finden dann auch irgendwo ein Jacket. Man sieht wie ernsthaft sie dabei sind und das ist sehr schön. Sie vergessen die Zeit und sie hören nicht auf, Englisch zu sprechen, wenn sie das Telefongespräch mit den Partnern beendet haben.

Eckart: Die Lernerfolge sind fantastisch. Die Schülerinnen und Schüler sind sehr motiviert und es fällt ihnen zusehends leichter, in englischer Sprache zu kommunizieren. Ihr Wortschatz hat sich erweitert und ihre Kenntnisse über die eigene und andere Kulturen sowie wirtschaftliche Zusammenhänge sind gewachsen. Wir erreichen mehr als wir am Anfang erhofft haben.

Welche weiteren Spielgruppen entstanden?

Eckart: Um das altsprachliche Gymnasium in Sizilien einzubeziehen, entstand die Idee, zusätzlich zu dem kaufmännischen Planspiel eine Simulation im Tourismussektor anzubieten. So entstand die Idee, "Class Trips" für Schulklassen zu entwickeln und für die Partnerschulen anzubieten. Außerdem gibt es ein deutsch-britisches Team, das Frage-Antwort-Spiele entwickelt, die den Gästen bei COMENIUS-Treffen eine spielerische Erkundung der Region ermöglicht. Die dritte Gruppe simuliert eine internationale Jobbörse, bei der sich Schülerinnen und Schüler für einen Ferienjob in einer touristischen Region der Partnerschule mit einem Konzept bewerben müssen. Für alle Schulen ist etwas dabei, das die Schülerinnen und Schüler motiviert, miteinander in Kontakt zu treten und Beziehungen wie im richtigen Arbeitsleben aufzunehmen.

Wie beziehen Sie das COMENIUS-Projekt in den Unterricht ein?

Kraski: Die Vorbereitung unseres Unternehmensspiels nimmt viel Zeit im Unterrichtsalltag in Anspruch. Wir benötigen zwei Wochen, um die Unternehmen zu gründen, das Sortiment zusammenzustellen und Preise zu kalkulieren. Wir nutzen die Fächer Betriebswirtschaftslehre, Datenverarbeitung und Englisch, sodass in der Regel drei Lehrkräfte involviert sind. Von der ersten Anfrage bis zur Vertragsverhandlung benötigen wir dann eine Projektwoche, bei der die Partnerklassen ausschließlich an dem Projekt arbeiten und für einander erreichbar sein müssen. Zum Treffen schicken wir eine Delegation aus Vertretern der Unternehmen, während die anderen Schülerinnen und Schüler an der Schule die Verhandlungen begleiten.

Eckart: In unseren Klassen des Beruflichen Gymnasiums kann dieses Projekt wegen der Gesamtdauer nicht in der für diese Klassen vorgesehenen Projektwoche durchgeführt werden, sondern überwiegend während des Englischunterrichts. Bei dem Projekttreffen im Dezember in Flensburg werden unsere Schüler der Spielgruppe 'Classtrips' allerdings für drei Tage mit schottischen und dänischen Schülergruppen gemeinsam fächerübergreifend arbeiten. Zu Beginn wird allerdings wieder das Schleswig-Holstein-Spiel erprobt, um Kenntnisse über die Region zu erhalten. Dann werden insgesamt drei Klassen der HLA, eine Klasse aus Sonderburg und eine Delegation aus Schottland beteiligt sein.

Wie beteiligen Sie die Schülerinnen und Schüler an den internationalen Begegnungen?

Kraski: Die Schülerinnen und Schüler fiebern dem Projektbeginn entgegen. Sie finden den Austausch mit den anderen Schülerinnen und Schülern sehr attraktiv. Sie wohnen dann in Gastfamilien oder auch in Wohngemeinschaften mit den Gleichaltrigen, das ist ein großer Glücksfall.

Eckart: Von Anfang an war es unser Ziel, möglichst vielen Schülerinnen und Schülern solche Begegnungen zu ermöglichen. Bei den großen Projekttreffen mit allen elf Partnerschulen, die im Ausland stattfinden, können nur ein oder zwei von ihnen teilnehmen. Es treffen sich aber auch die Untergruppen, die die Spiele durchführen – und da sind sehr viel mehr Schülerinnen und Schüler beteiligt. Insgesamt können wir mehr Mobilitäten durchführen, als wir im Projektantrag vorgesehen hatten.

Was sollte bei der Koordination eines solchen Projektes beachtet werden?

Eckart: Eine funktionierende Plattform im Internet, wie wir sie mit Moodle haben, ist wichtig für den Austausch und die Dokumentation der Ergebnisse. Außerdem schreiben wir Protokolle der Treffen und Newsletter zur allgemeinen Information. Als Koordinatorin habe ich die Aufgabe, alle an die gemeinsame Zeitplanung zu erinnern und muss die Übersicht behalten. Die Ziele müssen gemeinsam entwickelt und die Teilprojekte überblickt werden.

Hat sich bereits etwas verändert durch Ihr Projekt?

Eckart: Inzwischen haben wir eine große Sammlung an Spielen angelegt und ausprobiert. Wir wollen Spiele finden, die einfach einsetzbar sind und für unsere Zwecke angepasst werden können. Damit können wir Kolleginnen und Kollegen ermutigen, unternehmerisches Handeln über Simulationen zu vermitteln.

Kraski: Nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte ist das Projekt eine Bereicherung. Wir lernen vieles dabei, sprechen uns im Team besser ab und der Kreis, der in den internationalen Projekten mitarbeitet, wird immer größer. Inzwischen möchten alle Klassen des Bildungsgangs mitmachen. Für uns alle sind die internationalen Treffen eine riesige Fortbildung.

Was planen Sie in nächster Zukunft?

Eckart: Während des Abschlusstreffens im Mai 2013 in Dänemark wollen wir auf einem öffentlichen "Markt der Möglichkeiten" die verschiedenen Spiele vorstellen und andere Schulen motivieren, auf unsere Erfahrungen zurückzugreifen. Da die Nachfrage der Schülerinnen und Schüler nach Auslandsaufenthalten größer geworden ist, wollen wir die Kontakte zu unseren Partnerschulen nutzen, um in den Städten dort Praktika anzubieten.

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