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"Teachers in Search of Excellence"

Ein europäisches Fortbildungsprojekt der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim

Erasmus+ Leitaktion 1 "Mobilitätsprojekte für Schulpersonal"

Wie können Berufsschulen vom internationalen Austausch profitieren? In einem europäischen Fortbildungsprojekt entsandte die Kaufmännische Schule Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) zehn Lehrkräfte zu Partnerschulen in Polen, Italien und Spanien. Ihr Auftrag bestand darin, durch Unterrichtsbesuche zu erfahren, was Mathematiklehrkräfte in Polen anders und besser machen und wie in Italien und Spanien neue Medien in den Schulalltag integriert werden. Aus diesem Projekt entstand ein Austausch auf Gegenseitigkeit mit großem Potential für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, aber auch für den Austausch der Ausbildungsbetriebe und Stadtverwaltungen. Der PAD zeichnet das zweijährige Projekt "Teachers in Search of Excellence" als Projekt des Monats August aus.

Projektbeschreibung

"Unsere Ausbildungsunternehmen sind exportorientiert und begrüßen es, wenn wir unsere internationalen Kontakte nutzen, um besser zu werden", Eberhard Vollmer, Lehrer.

Auf der Suche nach Spitzenleistungen schickte die Kaufmännische Schule Bad Mergentheim zehn Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Mathematik, Informatik und Fremdsprachen an Partnerschulen, um herauszufinden, wie Polen im PISA-Test in Mathematik in eine Spitzenposition aufgestiegen ist, was italienische und spanische Schulen beim Einsatz neuer Technologien im Unterricht besser machen und wie Fremdsprachenlehrkräfte im berufsorientierenden Bereich weitergebildet werden können. Die Fachschaften der Schule formulierten den Auftrag für die reisenden Kollegen: Was machen die Partner anders, welche Erfolge erzielen sie, welche Kosten verursacht eine verbesserte EDV-Ausstattung und was ist übertragbar? Sie verglichen das Unterrichtsgeschehen mit ihrer Praxis und analysierten Lehrbücher, Lernmaterialien und das Niveau von Klassenarbeiten und Prüfungen, um Verbesserungsmöglichkeiten für sich zu erkennen.

In Italien ließen sie sich zeigen, wie eBooks und andere neue Technologien ihren Platz in der Schule finden können und wie die Anwendung das Unterrichtsgeschehen beeinflusst. Der spanische Partner führte sie in die Arbeit mit Lernplattformen ein und half dabei, berufsbezogenes Spanisch praxisnaher zu unterrichten. Dies war nur der Anfang einer dauerhaften Zusammenarbeit, die auf weitere Fächer ausgedehnt werden soll.

Für die Hospitationen und Begegnungen ausgewählter Lehrerinnen und Lehrer an den Partnerschulen in drei europäischen Ländern erhielt die Kaufmännische Schule Bad Mergentheim zwei Jahre lang Fördermittel aus dem EU-Programm Erasmus+, das Fortbildungsprojekte im Schulbereich in der Leitaktion 1 unterstützt.

Mathematiklehrkräfte zu Besuch bei polnischen PISA-Experten

"Die Kollegen haben in Polen festgestellt, dass die Art des Mathematikunterrichts sich nicht auf unsere Schule übertragen lässt. Das Engagement der Lehrkräfte hat jedoch nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Wir werden den Austausch zu Themen der beruflichen Bildung fortsetzen und denken auch daran, einen deutsch-polnischen Mathematikwettbewerb zwischen unseren Schulen zu starten", resümiert Jörgen Mann, stellvertretender Schulleiter und Vorsitzender der Fachschaft Mathematik.

Am Anfang des Erasmus+-Projekts stand eine Exkursion des deutschen Kollegiums zur polnischen Partnerschule. In Ziębice wurden sie nicht nur herzlich aufgenommen, sondern entwickelten auch Ideen für eine Lehrerfortbildung auf Gegenseitigkeit. Die polnischen Lehrkräfte interessieren sich für das duale System und den berufsbildenden Unterricht. Das Kollegium in Bad Mergentheim wollte in Erfahrung bringen, wie Polen im PISA-Test in Mathematik in eine Spitzenposition aufgestiegen ist und wie es gelingen kann, dass die Schülerinnen und Schüler mehr Freude an Mathematik finden.

Mit einem detaillierten Wochenprogramm machten sich die Kolleginnen und Kollegen auf den Weg an die Partnerschulen, hospitierten im Unterricht und befragten Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen. Die deutschen Mathematiklehrkräfte erfuhren, dass in Polen größerer Wert auf Rechenfertigkeiten gelegt wird, während in der baden-württembergischen beruflichen Schule die fall- und problembezogene Mathematik im Vordergrund steht. Jetzt planen die beiden Schulen einen internationalen Mathewettbewerb, der die Sieger mit einem Lernaufenthalt im Partnerland auszeichnet und dazu führen soll, dass die Schülerinnen und Schüler das Fach emotional positiver wahrnehmen.

Teneriffa und Italien: Digitalisierung und Individualisierung

"Bei unserem Austausch im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien mit unseren erfahrenen Partnern in Südeuropa haben wir gute und pragmatische Lösungen kennengelernt, die wir jetzt auf ihre Übertragbarkeit prüfen. Gleichzeitig haben wir engagierte Kolleginnen und Kollegen angetroffen, die diese Technik für Binnendifferenzierung nutzen und sich sehr für individualisiertes Lernen einsetzen", Wilhelm Ehrenfried, Schulleiter

Während der Hospitation am Colegio Salesianos San Juan Bosco in La Cuesta auf Teneriffa fiel dem Team der Kaufmännischen Schule als Erstes auf, dass dort großer Wert auf Gemeinsamkeit und gegenseitige Verantwortung gelegt wird. In Dreiergruppen unterstützen sich die Schülerinnen und Schüler und achten darauf, dass niemand zurückbleibt. Mit regelmäßiger Selbstevaluation und Bewertung durch Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrkräfte erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Gefühl für ihre Stärken und lernen auch, wie sie Defizite ausgleichen können. So stärkt die Schule das Selbstvertrauen der Jugendlichen. Die ausgeprägte Binnendifferenzierung im Unterricht wird vom Konzept "Bring Your Own Device" (BYOD) unterstützt, bei dem Schülerinnen und Schüler ihre eigenen mobilen Geräte für das digitale Lernen in der Schule und zuhause nutzen. Die spanische Partnerschule unterstützt die Anschaffung mit einer Teilfinanzierung und sorgt so für gleichwertigen Zugang zu Lernmaterialien und Kommunikation.

In Italien erlebten die Bildungsreisenden die digitalisierten Klassenzimmer an der beruflichen Schule in Borgomanero. Sie lernten das Projekt "Wikiplina" kennen, mit dem verschiedene digitale Ressourcen wie Video, Podcast, Bilder und eBooks für den Unterricht zugänglich gemacht werden und individuelles Lernen erleichtert wird.

Baden-Württemberg: Ein Fortbildungsprojekt auf Gegenseitigkeit

"Unsere Erwartungen, was wir mit dieser Form der internationalen Zusammenarbeit erreichen könnten, wurden weit übertroffen. Wir konnten den Austausch über die Fremdsprachenfächer hinaus erweitern und wollen weitere Fächer einbeziehen. Die Partnerschaften sind langfristig angelegt und wir haben bereits jetzt viel voneinander gelernt", Eberhard Vollmer.

An der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim unterstützen Schulleiter und die Fachschaften das ambitionierte Fortbildungsprojekt, das nicht nur internationales Flair in Schule und Stadt bringt, sondern auch viele Möglichkeiten zum interkulturellen Lernen bietet. Zielgruppe sind nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, auch die Jugendlichen und die Ausbildungsunternehmen im dualen System profitieren von der Weiterentwicklung der Schule.

Das Leitziel der "Internationalität" bedeutet für die Kaufmännische Schule, dass Schülerinnen und Schüler regelmäßig an Austauschprogrammen teilnehmen, Praktika im Ausland absolvieren und Gäste aus den Partnerschulen empfangen. Durch die internationalen Kontakte wachse nicht nur bei den Jugendlichen die Selbstsicherheit, der Austausch fördere auch die Anwendung und Vertiefung von Fremdsprachenkenntnissen, so der Projektleiter Eberhard Vollmer. Das Kollegium werde international kompetenter und zeige mehr Offenheit und Verständnis für internationale Projekte. Bei allen wachse durch die beruflichen Auslandsaufenthalte die interkulturelle Kompetenz, und das europäische Bewusstsein werde geschärft. Die stärkere Bereitschaft, an internationalen Projekten mitzuarbeiten, Hospitierende zu betreuen oder sich um die Integration von Flüchtlingen in den Schulalltag zu bemühen, sei ebenfalls ein Ergebnis des intensiven Austauschprogramms.

Für die im kommenden Schuljahr beginnenden Vabo-Klassen für neu Zugewanderte (Vabo steht für: Vorbereitung Arbeit/Beruf ohne ausreichende Deutschkenntnisse), holten sie sich Anregungen bei den Partnern. Es gelang, eine Arabisch sprechende Deutschlehrerin aus Teneriffa für eine Hospitation in Bad Mergentheim zu interessieren. Mit ihrer Hilfe konnte die Integration neu ankommender Flüchtlinge vorbereitet werden. Einführungsvorträge in die arabische Kultur und Sprachschnupperkurse in Arabisch richteten sich nicht nur an das Kollegium, sondern bereiteten auch die Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung und Flüchtlingsunterkünften vor. Die Gastlehrerin Belén Mariana Montero half, das Eis zu brechen. Im Gegenzug werden Lehrkräfte aus Deutschland die Partnerschule in Teneriffa besuchen und dort die Einführung von Deutsch als zweiter Fremdsprache unterstützen.

Eberhard Vollmer ist überzeugt, dass eine solche Partnerschaft gelingt, wenn persönliche Beziehungen entstehen, die die Zusammenarbeit tragen. Gleichzeitig müsse ein Bedarf auf beiden Seiten bestehen, den die Partner mit ihrem Angebot decken können. Als entscheidenden  Faktor sieht er jedoch die Unterstützung durch die Schulleitung: „Internationalisierung muss Chefsache sein, wenn sie gelingen soll“.  In einem nächsten Projekt will die Kaufmännische Schule sich der Herausforderung Inklusion stellen. Da die schwedischen Schulen bei der Integration junger Flüchtlinge und Jugendlicher mit Handicaps erfahren sind, soll ein Fortbildungsprojekt Kolleginnen und Kollegen nach Schweden führen, um dort zu lernen, wie Inklusion an der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim auf eine langfristig tragfähige Basis zu stellen ist.

Projektdaten

Projekttitel "Teachers in Search of Excellence"

Ansprechpartner

Eberhard Vollmer, Lehrer für  Französisch und Geschichte mit Gemeinschaftskunde, Mail: eberhard.vollmer@ks-mergentheim.de

Die Kaufmännische Schule Bad Mergentheim ist eine Einrichtung des Main-Tauber-Kreises in Baden-Württemberg. Ein Team von ca. 60 Lehrkräften unterrichtet über 1.100 Schülerinnen und Schüler. Die Schulentwicklung ist in das baden-württembergische Konzept der "Operativ Eigenständigen Schule" eingebettet. Der Ausbau digitaler Medien im Unterricht und die Internationalisierung gehören zu den Schwerpunkten der Schule.

Kaufmännische Schule Bad Mergentheim

Projektpartner

Projektsprachen

  • Englisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch

Projektlaufzeit

  • Juni 2014 bis Juni 2016

Förderprogramm

  • Erasmus+ Leitaktion 1
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