Logo des pädagogischen Austauschdienst

Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:

[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße zurücksetzen

schließen

Mercator Schulpartnerschaftsfonds Deutschland – China

Shanghai – Bremen: Eine Schulpartnerschaft öffnet Horizonte

Zwei berufsbildende Schulen in Shanghai und Bremen ermöglichen ihren Schülerinnen und Schülern gemeinsame Projektarbeit in China und Deutschland zur E-Mobilität.

„Wenn wir ein E-Fahrzeug entwickeln würden, wie würde das aussehen?“ Diese Frage stellten sich Schülerinnen und Schüler der Europaschule SZ SII Utbremen zu Beginn ihres Projekts zur Elektromobilität mit der Partnerschule Shanghai I&C Foreign Languages School. In ihrer berufspraktischen Ausbildung als Wirtschaftsassistentinnen und -assistenten engagieren sie sich in Übungsfirmen, die weltweit agieren. Für die Zusammenarbeit mit China bereiteten sie sich mit ihren chinesischen Partnern in Videokonferenzen vor. In einer Chinesisch-AG führte die Chinesischlehrerin der Europaschule die Schülerinnen und Schüler in Sprache und Kultur Chinas ein. Schließlich lebten die elf Jugendlichen aus Bremen im Dezember 2019 für zwei Wochen in Shanghai in Gastfamilien und arbeiteten in binationalen Teams, um gemeinsam Konzepte für neuartige Elektrofahrzeuge zu entwickeln und deren Markttauglichkeit zu prüfen. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Besuch der chinesischen Partner in Bremen aufgeschoben, wird aber sehnlichst erwartet. Der PAD stellt die beispielhafte Schulpartnerschaft als "Projekt des Monats" im August 2020 vor.

"Lost in Shanghai?"

„Eine Reise nach China ist keine Busfahrt ins Weserbergland“, Nils Peschke, Bremer Koordinator der deutsch-chinesischen Schulpartnerschaft

„Man fliegt 12 Stunden und wenn man ankommt, ist alles komplett anders als man es kennt. Es riecht ganz anders, man versteht nichts und kann nichts lesen, das Klima ist subtropisch. Die Kontrollen am Flughafen schüchtern ein, blinkende Automaten nehmen Fingerabdrücke ab“, beschreibt Nils Peschke, Koordinator der Schulpartnerschaft, den ersten kulturellen Schock seiner Schülerinnen und Schüler aus Bremen.

Zum ersten Mal in China, erlebten die Jugendlichen den Straßenverkehr und die Orientierung mit öffentlichen Verkehrsmitteln als große Herausforderung. Hinzu kamen Erlebnisse wie die „Fotoshootings“ auf offener Straße: „Sehr seltsam war für uns, dass wildfremde Menschen ständig Fotos von uns machten. Für manche waren wir Ausländer die Stars“, berichten zwei Schülerinnen in einem Beitrag für den "Weser Kurier". Obwohl sie sich manchmal verloren fühlten in der so großen und fremden Stadt, waren die Begegnungen trotzdem "eine wundervolle und unvergessliche Erfahrung". 

Nils Peschke, der selbst längere Zeit im Ausland gelebt hat und mehrfach in China als Experte und Trainer für Übungsfirmen im Einsatz war, wünscht sich, dass die Begegnungen den Jugendlichen die Augen öffnen. Schließlich sei das Bild von China vorwiegend von Negativschlagzeilen geprägt, von mangelnder Freiheit und politischer Repression. „Man kann das nicht schönreden, aber man muss darüber miteinander sprechen und das erfordert Kontakte." In Shanghai konnte die Gruppe an einer von Schülerinnen und Schülern simulierten UN-Konferenz teilnehmen und erleben, dass sie mit ihren Partnern auch Gespräche über Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz oder die chinesische Dominanz in wirtschaftlichen Bereichen führen konnten. Ein wichtiges Ziel ist für Nils Peschke erreicht, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Partner als Menschen kennenlernen, die bei aller kulturellen Unterschiedlichkeit auch nicht anders sind als sie selbst.

Wirtschaftsbildung und internationale Kommunikation in Übungsfirmen

"Die jungen Leute sind unkompliziert, gehen sofort aufeinander zu und sind happy“, stellte Peschke bei den Begegnungen in Shanghai fest.

Die Europaschule Utbremen arbeitet bei der fachpraktischen kaufmännischen Ausbildung mit Übungsfirmen zusammen, die weltweit in einem regen Austausch stehen, um mit virtuellen Produkten real zu handeln. Die Schulpartnerschaft knüpfte hier an, indem deutsch-chinesische Projektteams gegründet wurden, die den Markt für Elektromobilität in Bremen und Shanghai erkundeten. Erste Recherchen zum öffentlichen Nahverkehr und der Bedeutung von Elektrofahrzeugen verglichen die Jugendlichen über die chinesische App „WeChat“.

Diese Art der virtuellen Zusammenarbeit erlebte Nils Peschke als sehr hilfreich. Es gehe darum, die internationale Kommunikation zu stärken, sagt er. Die Schülerinnen und Schüler würden durch die Videokonferenzen den Rückhalt der Gruppe erleben und könnten so Ängste bei der fremdsprachlichen Kommunikation leichter überwinden.

Als die Schülergruppe im Dezember 2019 nach Shanghai reiste, kannten sie ihre Partner bereits aus den Videokonferenzen. So war das Eis schnell gebrochen. Der Schüleraustausch begann mit einem Besuch an der I&C Foreign Languages School, wo sie von ihren Partnern begrüßt und durch die Schule geführt wurden. In den Räumen der dortigen Übungsfirma tauschten sich die Jugendlichen in deutsch-chinesischen Arbeitsgruppen über erneuerbare Energien und E-Mobilität aus. In den nächsten Tagen wechselten sie zwischen Projektarbeit, Betriebsbesichtigungen und Workshops zum Kennenlernen der chinesischen Kultur. Bogenschießen, Kalligraphie und Drachensteigen gehörten ebenso zum Programm wie das abendliche Erkunden von Shoppingcentern mit ihren „Buddys“. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand von ihnen, dass die Corona-Pandemie nur wenige Wochen später das Alltagsleben einfrieren würde und so auch der Gegenbesuch der Partner vorerst warten muss.

Deutsch-chinesische Projektarbeit zu Elektromobilität

Die deutsch-chinesischen Schülerteams hatten zwei Wochen Zeit, um ein Fahrzeug zu entwerfen, das in China und Deutschland alltagstauglich wäre. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten Ideen für die technische Umsetzung, das Design und wie ihr Vehikel markttauglich werden kann. Angeleitet wurden sie von Lehrkräften der Partnerschulen und einer Dozentin für "International Business Coaching". Die Besichtigung von Firmen in Shanghai, die Elektro- und Hybridautos vermarkten, inspirierte die Jugendlichen bei ihrer Projektarbeit.

Auch wenn die Kommunikation, die weitgehend auf Englisch stattfand, nicht immer reibungslos klappte, wurde viel diskutiert und gelacht. Nach vielen Stunden intensiver Arbeit stellten die Teams bei der Abschlussfeier ihre Ergebnisse vor: Geschäftsmodelle für eine solarbetriebene Yacht, ein geräuschbetriebenes Motorrad und ein ausgeklügeltes Solar-Bussystem – der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt.

Projektdaten

"Elektromobilität: Aspekte des Handels, der Technik, der Gesellschaft und der Umwelt“

Partnerschulen:

  • Europaschule Schulzentrum SII Utbremen, Ausbildungsgang Wirtschaftsassistent/-in mit Fachrichtung Fremdsprachen.
  • Shanghai I&C Foreign Languages School, Shanghai (VR China)

Weiterführende Websites

Ansprechpartner

  • Nils Peschke, Lehrer für kaufmännische Fachpraxis im Fachbereich Übungsfirma an der Europaschule Utbremen.

Projektsprache

  • Englisch
  • Am Austausch 2019/20 war die Deutschabteilung der Shanghai I&C Foreign Languages School beteiligt und in Bremen wird ab dem kommenden Schuljahr Chinesisch als Unterrichtsfach eingeführt.

Projektlaufzeit

Schuljahr 2019/2020

Förderprogramm

Mercator Schulpartnerschaftsfonds Deutschland – China

Der Mercator Schulpartnerschaftsfonds Deutschland - China förderte 50 Prozent der Kosten für die Reise der Schüler/-innen (2019 kostete ein Flugticket 800 Euro und das Visum 350 Euro). Die Schüler/-innen hatten einen Eigenanteil oder konnten über Bremens "Blaue Karte" Unterstützung erhalten. Weitere Partner unterstützen die Schulpartnerschaft auf vielfältige Weise.

Partner

 

 

nach oben Seite drucken