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Success Stories

Erfolgsgeschichten zu Erasmus+ Schulbildung 2019

Success Stories zur Leitaktion 1 – Mobilitätsprojekte für Schulpersonal

Mit digitalen Medien barrierefrei kommunizieren

Adolf-Rebl-Schule Förderzentrum, Pfaffenhofen a. d. Ilm (Bayern)

Projekttitel: Ich – Du – Wir: Sprechen immer und überall

Beschreibung

Wenn Ben in der Pause mit Mia Ballspielen möchte, hilft ihm sein Tablet. Er tippt die eingespeicherten Symbole und das Foto seiner Klassenkameradin an. Ein Klick, und Bens elektronischer Helfer spricht seinen Wunsch klar und deutlich aus. An der Adolf-Rebl-Schule im bayerischen Pfaffenhofen lernen Kinder mit unterschiedlichen Einschränkungen. Viele von ihnen sind in ihrer Fähigkeit zu sprechen beeinträchtigt. Manche Schülerinnen und Schüler antworten auf einfache Fragen mit Gesten wie Nicken und Kopfschütteln, andere verständigen sich mit Gebärden. Einige benutzen einen »Talker«. Das Gerät wandelt Symbole in Sprache um, bietet aber längst nicht so viele Möglichkeiten wie moderne digitale Kommunikationsmittel. Tablets dagegen lassen sich mit der elektronischen Tafel im Klassenzimmer koppeln. Dadurch sind alle im Bilde, wenn Ben etwas mitzuteilen hat.

Um das Medienkonzept auf den neuesten Stand zu bringen, bewarb sich die Rektorin der Förderschule, Andrea Eichler, erfolgreich um Fördermittel aus dem Erasmus+ Programm. Im österreichischen Graz drückten die bayerischen Lehrkräfte die Schulbank, um den Einsatz von Tablets im Klassenraum kennenzulernen und Lern-Apps auszuprobieren. Auch in Lettland, Spanien und Irland erprobten sie digitale Medien, durch die Kinder selbstbestimmter am Unterricht teilnehmen können. Und wenn den Lehrkräften einmal eine Gebärde nicht einfällt, können sie sie in ihrem elektronischen Wörterbuch nachschlagen. »Für uns war das Erasmus+ Programm ein Riesensprungbrett«, fasst Andrea Eichler ihre ermutigenden Erfahrungen zusammen. Nun sollen auch ihre Schützlinge Europa bereisen, im Rahmen einer Schulpartnerschaft. Die Kontakte hat die engagierte Rektorin schon geknüpft.

Begründung für die Auszeichnung
Der Adolf-Rebl-Schule ist es gelungen, den Unterricht mittels des durchgeführten Projekts besser auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zuzuschneiden. Die in den Fortbildungen gewonnen Kenntnisse wurden genutzt, um den Umgang mit Informationstechnologien zu fördern. Dadurch gelang es, die Motivation der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrkräfte zu steigern. Die Einbindung der Schulleiterin in das Projekt wird positiv bewertet. Denn durch ihre Fortbildungen hat die europäische Orientierung der Schule einen neuen Impuls erfahren.

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Erfolgreiche Überzeugungsarbeit für Erasmus+

Charlotte-Salomon-Grundschule, Berlin

»Medienbildung im inklusiven Unterricht der Grundschule«

Beschreibung

Neue Länder kennenlernen und Kontakte knüpfen ‒ ohne einen Cent aus eigener Tasche zu bezahlen. Was wie der Hauptgewinn bei einem Reisequiz klingt, bieten Erasmus+ Programme. Finanziert werden sie von der EU-Kommission. Dennoch war das Interesse verhalten, stellte Katrin Schneider verwundert fest. Die Lehrerin an der Charlotte-Salomon-Grundschule in Berlin-Kreuzberg engagiert sich seit Jahren für den europäischen Bildungsaustausch. »Anfangs habe ich diese spannenden Programme wie Sauerbier angeboten«, erzählt sie. Ihre Kolleginnen und Kolleginnen beklagten, dass sie sich nicht genügend gerüstet für den Austausch der Partnerschulen fühlten. Sie fürchteten, dass ihre Fremdsprachenkenntnisse nicht ausreichten und hatten Sorge, sich in der fremden Umgebung nicht zurechtzufinden. Das wollte die resolute Erasmus+ Verfechterin nicht hinnehmen. Die Gelegenheit bot ein neues Konzept für Medienarbeit, das die Schwerpunktschule für Inklusion etablieren wollte.

Katrin Schneider übernahm die Leitung für ein Erasmus+ Projekt, für das sie Hospitationsschulen in Großbritannien und Griechenland, Norwegen und Island fand. Im Verlauf der knapp zweijährigen Zusammenarbeit schickte sie elf Kolleginnen und Kollegen auf Reisen, um die Konzepte der anderen Schulen kennenzulernen. Dabei merkten die Berliner Lehrkräfte, dass auch die mit angestaubtem Schulenglisch sehr gut mithalten konnten und den Austausch als Bereicherung erleben. Viele Ideen wurden bereits umgesetzt: Auf neu angeschafften Tablets lernen die Kinder mit erprobten pädagogischen Apps. Und die früheren Erasmus+ Skeptiker? »Die schwärmen noch heute von dem Austausch«, freut sich Katrin Schneider. Das nächste Projekt ist bereits in vollem Gange.

Begründung für die Auszeichnung
Das Projekt veranschaulicht sehr gut, wie Erasmus+ von Grundschulen genutzt werden kann. Ausgehend von den neuen Rahmenlehrplänen hat die Charlotte-Salomon-Grundschule den Bereich Medienbildung durch gezielte Fortbildungskurse und Hospitationen an Partnerschulen vorangebracht. Damit hat sie einen nachhaltigen positiven Effekt erreicht, der sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften zugutekommt. Erasmus+ wird hier als Chance wahrgenommen, sich selbst, den Unterricht und die Schulgemeinschaft voranzubringen. Aufgrund der sehr guten Organisation des Projekts und des großen Zuspruchs innerhalb des Kollegiums war es möglich, eine für eine Grundschule verhältnismäßig große Anzahl an Mobilitäten erfolgreich durchzuführen.

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Anschubhilfe für Erasmus+ Interessenten

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Berlin

»Schule im 21. Jahrhundert: Heterogenität als Herausforderung«

Beschreibung

»Nicht mosern, sondern machen«, ist das Motto von Angelika Prase-Mansmann. Die Berliner Schulrätin a. D. hat diesen Leitspruch bis zu ihrer Pensionierung 2020 beherzigt. Bevor sie elf Jahre zuvor zur Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie kam, war sie Lehrerin und Rektorin an verschiedenen Schulen der Stadt. Schwierigkeiten begriff sie als Herausforderung, und statt zu klagen, wurde sie kreativ. Als die Fehlquote in ihrem Sportunterricht stetig stieg, verlegte Angelika Prase-Mansmann die Bewegungszeiten kurzerhand in die Pausen und bot Bauchtanz-AGs und Pingpong auf Klassentischen an.

Unkonventionelle Ideen suchten auch die Berliner Grundschulen im Bezirk Reinickendorf, um den neuen Rahmenplan für alle Berliner Lehranstalten umzusetzen. Im Fokus stand das Thema Heterogenität und dabei vor allem die Frage, wie mit Vielfalt im Unterricht umgegangen werden kann. Bei Angelika Prase-Mansmann waren sie an der richtigen Adresse. Sie begeisterte sechs Schulen für ein Erasmus+ Projekt und unterstützte sie bei ihrer Antragstellung. Von den Hospitationen in neun europäischen Ländern nahmen die Lehrkräfte nützliche Denkanstöße mit nach Hause. Darunter waren Anregungen für neue Raumkonzepte, Methoden für digitalen Unterricht und Ideen für ganztägiges Lernen. »Erasmus+ bietet viel mehr Möglichkeiten als nur Fortbildungen im Inland. Denn man kann sich von vielen Schulsystemen das Beste heraussuchen«, meint Angelika Prase-Mansmann. So sahen es wohl auch die Projektteilnehmer aus vergangenen Jahren. Sie widmeten der Schulrätin zur Pensionierung einen Film, als Dank für die tatkräftige Unterstützung. Denn ohne ihre Anschubhilfe hätte manche Schule womöglich nicht teilgenommen.

Begründung der Auszeichnung
Das Projekt zeichnet sich durch eine sehr gute Kooperation zwischen den sechs beteiligten Grundschulen und der zuständigen Schulaufsicht aus. Da die Schulaufsicht die Antragstellung und anschließende Projektverwaltung übernommen hat, wurden Synergieeffekte genutzt. Die Grundschulen konnten sich somit auf die Fortbildungen konzentrieren. Sie erzielten Lernergebnisse, die sie erfolgreich in den Schulalltag einbinden konnten. Durch die gemeinsame Projektarbeit konnte aber auch die Schulaufsicht wichtige Erkenntnisse erlangen. Das Projekt war somit gewinnbringend für alle beteiligten Einrichtungen.

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Smartes Lernen leicht gemacht

Internationales Ganztagsgymnasium am Leonardo-da-Vinci-Campus, Nauen (Brandenburg)

»Auf dem Weg zur digitalen Schule«

Beschreibung

Schwere Taschen mit dicken Wälzern zu schleppen, das war einmal. Zumindest für die Schülerinnen und Schüler des Leonardo-da-Vinci-Campus im brandenburgischen Nauen. Dank einer Vielzahl digitaler Lehrbücher können sie sich ihr Wissen nun auch per Klick und Wisch am Computer oder Tablet erarbeiten. In den Klassenräumen sind die Kreidetafeln längst durch Smartboards ersetzt und ein starkes WLAN garantiert ruckelfreie Verbindungen ins Netz. Auch wie man sich in sozialen Netzwerken verhält, wird hier vermittelt.

Dass auf dem Campus, auf dem drei Schulen, eine Kita, ein Internat und ein Hort vereint sind, digitale Aufbruchstimmung herrscht, ist auch Tina Raehse zu verdanken. Sie hat den Leitspruch ihrer Schule »Wir wollen uns kontinuierlich verbessern« verinnerlicht und sich als Erasmus+ Neuling für das smarte Projekt begeistern lassen. Ebenso wie 18 ihrer Kolleginnen und Kollegen, die in Finnland, Estland, Irland, Portugal und Italien multimediale Lehrmethoden und Technologien kennenlernten.

»Das Projekt kam wie gerufen, denn ohne Erasmus+ hätten wir die digitalen Neuerungen sicher nicht so schnell umgesetzt«, schwärmt Tina Raehse. Mittlerweile kommen in Nauen eine Vielzahl von Lern-Apps und pädagogische Software zum Einsatz. Deshalb war der Leonardo-da-Vinci-Campus auch bestens für die Corona-Krise gerüstet. Mit Online-Konferenzen, einer Lernplattform und sogar Turnieren der Schach-AG im Netz konnten die Schülerinnen und Schüler auch zu Hause erreicht werden. »Mit diesem Angebot waren wir vielen Schulen voraus«, freut sich Tina Raehse. Die Erfahrungen wollen sie und ihre Mitstreiter nutzen und weitergeben. Vielleicht sogar mit einem neuen Erasmus+ Projekt.

Begründung der Auszeichnung

Das Konsortialprojekt wurde von drei Schulen durchgeführt, die unterschiedliche Schularten repräsentieren. Daher waren trotz des gemeinsamen Fortbildungsthemas »Digitales Lernen« verschiedene Ausgangssituationen und konkrete Bedürfnisse vorhanden. Das erfolgreich durchgeführte Projekt konnte diese Unterschiede sehr gut auffangen, so dass jede der beteiligten Schulen maximal von den Fortbildungen profitierte. Hierbei ging es, wie im Fall der Kreativitätsgrundschule, nicht nur um das Erlernen von konkretem Handwerkszeug für den Unterricht, sondern auch um eine Änderung der Haltung der Lehrkräfte gegenüber der Verwendung digitaler Medien. Hier wurde ein nachhaltiger, wegweisender Effekt erzielt.

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Englisch lernen leicht gemacht

Landesförderzentrum für den Förderschwerpunkt Hören, Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern)

»Verbesserung der interkulturellen Kompetenzen für fächerübergreifenden Englischunterricht und Internationalisierung«

Beschreibung

Als Silvia Collin vor einigen Jahren einen Aushang mit spannenden Erasmus+ Fortbildungen entdeckte, fragte sie sich, ob die etwas für ihre Schule sein könnten. Sie unterrichtet Englisch am Landesförderzentrum für den Förderschwerpunkt »Hören» im mecklenburgischen Güstrow. »Weil ich das Programm aber noch nicht kannte, wollte ich es lieber erst selbst ausprobieren, bevor ich es meinen Kollegen empfehle«, erzählt sie. Der damalige Fremdsprachenkurs hat sie dazu motiviert, das Englischlernen an ihrer Schule noch attraktiver zu machen – für ihre Schülerinnen und Schüler und für die Lehrkräfte. Manche ihrer Kolleginnen und Kollegen sprachen nur leidlich Englisch und trauten sich daher wenig zu. Wenn sie nun Lust an der Weltsprache bekämen, so Silvia Collins Idee, würden sie auch die Kinder dafür begeistern. Bei den Fortbildungskursen im europäischen Ausland war für jedes Leistungsniveau etwas dabei. »Trotzdem musste ich anfangs kräftig trommeln, um Interessenten zu finden«, erinnert sich die Lehrerin. Als dann selbst die größten Skeptiker voller Elan zurückkehrten, wurden auch andere Lehrkräfte neugierig auf Erasmus+.

Bei der mittlerweile dritten Fortbildung musste Silvia Collin keine Überzeugungsarbeit mehr leisten. Neun Lehrkräfte lernten Englisch in England, Schottland und auf Malta und erhielten während verschiedener Jobshadowings Einblicke in das britische und finnische Schulsystem. Ist Silvia Collins Kalkül aufgegangen? »Nicht nur meine Kolleginnen und Kollegen trauen sich nun mehr zu, der Funke ist auch auf unsere Schülerinnen und Schüler übergesprungen«, freut sie sich. Und die sind schon ganz gespannt auf das nächste Erasmus+ Projekt mit Finnland. Dort wollen sie dann ausprobieren, was ihnen ihre engagierten Lehrkräfte beigebracht haben.

Begründung der Auszeichnung

Schon seit Jahren pflegt das Landesförderzentrum für den Förderschwerpunkt »Hören« Mecklenburg-Vorpommern Erasmus+ Partnerschaften und nutzt sie gewinnbringend für die Schulentwicklung. Das aktuelle Projekt ist ein Baustein von vielen, mit dem der Schwerpunkt Fremdsprachen gestärkt werden soll.  Die Schule hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Schülerinnen und Schülern die englische Sprache zugänglicher zu machen. Sie sollten erleben, wie nützlich eine Fremdsprache sein kann. Die Lehrkräfte gehen nun selbst entspannter und motivierter mit der englischen Sprache um und haben die internationale Zusammenarbeit zu schätzen gelernt. Dadurch haben sie für ihre Schülerinnen und Schüler eine Vorbildfunktion.

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Integration als Herausforderung

Integrierte Gesamtschule Delmenhorst (Niedersachsen)

»Verbesserung des Übergangs von zugewanderten Schülern und Schülerinnen in Regelklassen«

Beschreibung

»Wer hat sich nicht schon einmal fremd gefühlt oder Vorurteile am eigenen Leib gespürt«, fragt Werner Kramper. Der Lehrer, der an der Integrierten Gesamtschule Delmenhorst (IGS) unterrichtet, kann gut nachvollziehen, wie es Jugendlichen aus aller Welt ergeht, denen er den Start für ein Leben in Deutschland erleichtern will. Seit 2015 nimmt seine Schule geflüchtete Schülerinnen und Schüler auf. Nach ihrem pädagogischen Leitbild »Wir sind eine Schule für alle Kinder« richtete die IGS eine Sprachlernklasse für die Neuankömmlinge ein. Erprobte Konzepte für diese europaweite Herausforderung gab es damals kaum. Eine Chance für Erasmus+!

Als Werner Kramper im Herbst 2017 die Leitung seines heutigen Erfolgsprojekts übernahm, wünschte er sich Anregungen, wie der Übergang der zugewanderten Schülerinnen und Schülern in die Regelklassen noch besser gelingen könnte. Ideen fanden er und 13 Kolleginnen und Kollegen bei Erasmus+ Fortbildungen in Tschechien, Italien, Großbritannien, Portugal und Spanien. Werner Kramper betont, dass seine Schule aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen in den Partnerländern keine vollendeten Konzepte übernehmen konnte. »Einen Masterplan für Integration gibt es nicht«, sagt er. »Aber viele gute Anregungen.« Er selbst ermutigt dazu, mit Neugier und Empathie auf die Geflüchteten zuzugehen ‒ auch, um kulturelle Missverständnisse aufzuklären. Mit Erfolg: Die Schülerinnen und Schüler entwickelten zusammen mit ihren Lehrkräften ein Konzept, wie sie die Geflüchteten bestmöglich in die Klassen einbinden können. Die gemeinsame Verantwortung motiviert alle. Durch viele kleine, aber effektive Schritte, klappt der Übergang von den Sprachlern- in die Regelklassen an der IGS immer besser.

Begründung der Auszeichnung

Die Integrierte Gesamtschule Delmenhorst hat mit dem durchgeführten Projekt entscheidende Kenntnisse und Impulse bezüglich der besseren Integration von zugewanderten Schülerinnen und Schülern erzielt, die dadurch den Sprung von den Sprachlern- in die Regelklassen schafften. Im Projektverlauf wurde deutlich, dass mit den geplanten Fortbildungen nicht alle gesetzten Ziele im gegebenen Zeitraum realistisch waren. Diese Erkenntnis führte jedoch nicht zu einer negativen Wahrnehmung des Gesamtprojekts, sondern wurde als »lessons learnt« für das Folgeprojekt verbucht. Hier zeigt sich, dass das durchgeführte Projekt nicht isoliert gesehen wird, sondern als Beginn eines durch Erasmus+ geförderten Entwicklungsprozesses, der engagiert fortgeführt wird.

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Lehrer lernen Inklusion

Grundschule »Am Stadion«, Oelsnitz (Sachsen)

»Wir leben Inklusion ... – Kennenlernen fremder Schul- und Bildungssysteme«

Beschreibung

Lina sammelt Pokale. Wenn sie eine Aufgabe gut gelöst hat, darf sie sich belohnen: Mit einem Fleißkärtchen mit Siegertrophäe. Davon besitzt die ehrgeizige Schülerin eine ganze Menge. Lina hat das Down-Syndrom und wurde an der Grundschule »Am Stadion« in der sächsischen Kleinstadt Oelsnitz besonders gefördert. Heute steht sie kurz vor dem Eintritt in die Berufsvorbereitung. So wie sie lernen an der Schule Kinder, die Unterstützung brauchen, gemeinsam mit Klassenkameraden ohne Beeinträchtigungen – im eigenen Tempo und unterstützt von Förderpädagoginnen und Förderpädagogen. »Jedes Kind soll seinen Platz finden und sich nach seinen Möglichkeiten entwickeln«, erklärt die Rektorin Brigitte Steinbach das Inklusionskonzept. Ihre Schule nahm von 2012 bis 2018 am Projekt ERINA des Freistaats Sachsen teil, das gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf erprobte.

Auf der Suche nach Anregungen bewarb Brigitte Steinbach sich und ihr Kollegium für ein zweijähriges Erasmus+ Projekt. »Wir wollten von den bewährten Konzepten der europäischen Partner lernen«, erklärt sie. Italien und Spanien sowie Finnland und Schweden standen auf dem Reiseplan. Aus den nordischen Ländern, die als Pioniere bei der Inklusion gelten, nahmen die Besucherinnen und Besucher aus Sachsen unter anderem ein Digitalkonzept mit nach Hause. Eine weitere innovative Methode, der Tandemunterricht, hat sich an der Grundschule »Am Stadion« besonders bewährt. Hierbei arbeiten Lehrkräfte der Regelschule eng mit Förderpädagoginnen und Förderpädagogen zusammen. Ein Prinzip, das wie bei einem richtigen Rad funktioniert: Wenn zwei in die Pedale treten und sich über den Weg einig sind, kommen sie als starkes Team ans Ziel. Und gewinnen mit ihrer »Success Story« sogar einen Siegerpokal.

Begründung der Auszeichnung

Das Projekt der Grundschule »Am Stadion« zeigt auf überzeugende Weise, wie mittels der durchgeführten Fortbildungen ein umfassender Wissenszuwachs zum Thema Inklusion realisiert werden konnte. Positiv hervorzuheben ist die heterogene Zusammensetzung der Teilnehmenden. Dadurch können die Lernergebnisse in die verschiedenen Bereiche der Schule getragen werden. Mit den gewonnenen Erkenntnissen fühlt sich die Schule nun besser vorbereitet auf die Herausforderungen, die Inklusion mit sich bringt. Auf dem Weg zu diesem Ziel konnte sie durch das Projekt ihre Ausgangslage und die notwendigen Schritte identifizieren und somit eine belastbare Grundlage für die weitere Schulentwicklung in diesem Bereich schaffen.

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Success Stories zur Leitaktion 2 – Erasmus+ Schulpartnerschaften

Grenzenloses Miteinander

Geschwister-Scholl-Gymnasium, Stuttgart-Sillenbuch (Baden-Württemberg)

»LIMES – Borders and Bridges: Challenging European Division«

Beschreibung

Längst werden die Kinder nicht mehr im Klassenzimmer, sondern zu Hause unterrichtet. Von einem Lehrerroboter. Denn draußen herrschen Wüstentemperaturen, jeder Schritt ins Freie ist lebensgefährlich. So beschreibt die Stuttgarter Gymnasiastin Rebecca ihre Zukunftsvision in einer Kurzgeschichte. In ihrem fiktiven Tagebucheintrag aus dem Jahre 2050 schildert sie, wie der Klimawandel die Welt an ihre Grenzen bringt – passend zum Projekttitel »LIMES«, die lateinische Bezeichnung für Grenzwall.

Was verbindet die Europäer miteinander? Was trennt sie? Welche Mauern gibt es in den Köpfen? Wie überwinden wir Vorurteile? Fragen, auf die die Projektpartner aus Deutschland, Dänemark, Italien, Rumänien und Ungarn kreative Antworten fanden. In ihrem Fotoprojekt rückten die 15- bis 18-Jährigen diejenigen in den Fokus, die oft am Rande der Gesellschaft stehen: Obdachlose und behinderte Menschen. Über ihre Bilder diskutierten sie mit ihren Eltern und Großeltern. Dieser Dialog passte bestens zum Thema, betont die Projektleiterin am Geschwister-Scholl-Gymnasium, Elena Jenssen: »Brücken zwischen den Generationen zu schlagen, war eine wichtige Erfahrung.«

Wie man trotz unterschiedlicher Meinungen respektvoll miteinander umgeht, erlebten die Jugendlichen beim Debattieren in der Projektsprache Englisch. Schlüssel zur »Success Story« seien vor allem die persönlichen Begegnungen der jungen Europäerinnen und Europäer gewesen, meint Elena Jenssen und schildert ein berührendes Ereignis. Bei der Projektreise nach Rom traf ein rumänischer Schüler nach einem Jahr seine Mutter wieder, die dort arbeitete, um ihre Familie zu ernähren. Kein Lehrbuch hätte die Licht- und Schattenseiten grenzenloser europäischer Freiheit wohl besser veranschaulichen können.

Begründung der Auszeichnung

Das Ziel des Projekts »LIMES – Borders and Bridges: Challenging European Division« war es, Schülerinnen und Schüler in ihrer europäischen Identität zu stärken und sie zu aktiven und demokratiebewussten EU-Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Dies ist den fünf Partnerschulen aus Deutschland, Dänemark, Italien, Rumänien und Ungarn bestens gelungen. Vielfältige und durchdachte schülerzentrierte Aufgabenstellungen wie zum Beispiel das Erstellen einer speziellen kommentierten Fotogalerie zum Thema, das Erproben politischer Rollen in Simulationsspielen oder kreatives Schreiben ermöglichten einen nicht nur kognitiven, sondern auch emotionalen und kreativen Zugang zu europäischen Themen. Die eindrucksvollen Ergebnisse sind auf der Projektwebsite frei zugänglich. Bemerkenswert ist auch das große Engagement der beteiligten Lehrkräfte und der Koordinatorin.

Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

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Begeisterung für Biotechnologie

Johanna-Wittum-Schule, Pforzheim (Baden-Württemberg)

European Challenges in Sustainability by Biotechnology

Beschreibung

Das Erasmus+ Projekt der Johanna-Wittum-Schule in Pforzheim hat wahre Schmuckstücke hervorgebracht. Aus ihrer Mundschleimhaut isolierten die Schülerinnen und Schüler DNA, ließen sie in Medaillons ein und können ihre Erbinformation nun an einem Kettchen um den Hals tragen. Die »Goldstadt« Pforzheim lebt von der Schmuckindustrie, doch dank Dr. Jürgen Braun ist sie auch bei Biotechnologie-Fans weit über ihre Grenzen bekannt. Der Lehrer für Naturwissenschaften, der am größten Berufsschulzentrum des Schwarzwalds unterrichtet, begeistert junge Leute aus ganz Europa für das interdisziplinäre Forschungsfach. 

Am mittlerweile siebten Erasmus+ Projekt der Johanna-Wittum-Schule nahmen Sekundarschüler aus acht Ländern teil. Ihre Mission: die Entwicklung biologisch abbaubarer Materialien im Kampf gegen die Plastikflut. Grenzüberschreitende Kooperation wie diese wünscht sich Jürgen Braun auch für große Forschungsvorhaben. »Nur wenn jedes europäische Land sein Knowhow einbringt, sind wir für die Zukunft gerüstet«, meint er.

Seine Schülerinnen und Schüler machen es vor: Über die eTwinning-Plattform, E-Mails, Videokonferenzen und bei persönlichen Treffen entwickeln sie gemeinsam Lehrmaterialien. Dass ihr Lehrer nach dem Prinzip »Fördern und Fordern« viel von ihnen verlangt, hat sich nach Ansicht von Jürgen Braun bewährt. Die jungen Forscherinnen und Forscher geben ihr Wissen als »Botschafter« an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler und sogar ans Kollegium weiter. Ihre Biotechnologie-Workshops sind so beliebt, dass sie in Windeseile ausgebucht sind. Interessenten haben jetzt wieder eine Chance: Ein neues Erasmus+ Projekt, über die Genschere CRISPR/Cas9, ist in Arbeit.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung

Das Projekt »European Challenges in Sustainability by Biotechnology« von insgesamt zehn Partnerschulen geht mit seiner anspruchsvollen Thematik, hochprofessionellen Umsetzung und durchdachten Verbreitungsstrategie weit über das Maß gewöhnlicher Projektpartnerschaften hinaus. Es wurden neue, handlungsorientierte Unterrichtseinheiten mit einem hohen Praxisanteil zum Thema Biotechnologie entwickelt, in alle Partnersprachen übersetzt und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Besonders positiv hervorzuheben ist das bereits in Vorgängerprojekten erprobte Mentorensystem, bei dem besonders geschulte Schülerinnen und Schüler auf internationaler Ebene verantwortungsvolle Aufgaben bei der Vorbereitung und Durchführung der Unterrichtseinheiten und der Experimente übernommen haben. Das Projekt hat nicht zuletzt auch durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und Universitäten dazu beigetragen, dass das Interesse der beteiligten Schülerinnen und Schüler für Berufe im Bereich der Naturwissenschaften spürbar gesteigert werden konnte.

Mit MINT zum Erfolg

Deichselbach-Schule (GS), Buttenheim (Bayern)

M-INTernational Skills Improvement

Beschreibung

Wieso bleiben Duschvorhänge so gerne am tropfnassen Körper haften? Die Antwort kennen die Kinder der Deichselbach-Schule Buttenheim, die an einem Erasmus+ Projekt teilgenommen haben, das sie für MINT-Fächer begeistern wollte. Dass dahinter der physikalische Bernoulli-Effekt steckt, lernten sie anhand des lebensnahen Beispiels. Die anschauliche Aufgabe war nur eine von vielen, mit denen Projektkoordinatorin Barbara Saïd und ihr Schulleitungskollege Peter Dotterweich schon Grundschüler für die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik begeistern wollten. Dabei war es ihnen besonders wichtig, auch die Mädchen zu motivieren, denn sie trauen sich in MINT-Fächern meist weniger zu als Jungen und sind in technischen Berufen unterrepräsentiert.

Die Projektpartner aus Deutschland, Italien und der Türkei entwickelten gemeinsam Unterrichtmodule, die spielerisch Spaß an Naturwissenschaften und Technik wecken wollten. Bei ihren persönlichen Treffen und Hospitationen erprobten sie die Übungen praktisch. Dass die Kinder mit Feuereifer dabei waren, wenn sie Teebeutel wie Heißluftballons in die Luft steigen ließen, und stolz, wenn sie Minirobotern das Laufen beibrachten, bestärkte die Lehrkräfte darin, dass ihr Experiment gelungen ist. »Es gab Übungen für jedes Niveau, dadurch hatten unsere Schülerinnen und Schüler rasch Erfolgserlebnisse«, betont Barbara Saïd. Und auch bei Reisen in die Türkei und nach Italien erlebten sie und ihr Schulleitungskollege Peter Dotterweich, dass selbst zurückhaltende Kinder sich viel zutrauten. »Alle haben solch große Entwicklungsschritte gemacht, wie wir es selbst kaum für möglich gehalten haben«, meint Barbara Saïd. Für die mittlerweile pensionierte Konrektorin war das MINT-Projekt deshalb auch eine ganz persönliche »Success Story«.

Begründung für die Auszeichnung
Mit dem Projekt »STEM« ist es den drei Grundschulen aus Deutschland, Italien und der Türkei – bemerkenswerterweise alle von ihnen Newcomer in dem Programm – auf Anhieb gelungen, ein gut geplantes Konzept erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Ziel war es, den Stellenwert der MINT-Fächer im Unterricht zu steigern, die Qualität des zugehörigen Unterrichts zu verbessern und vor allem bei Mädchen die Motivation für naturwissenschaftliche Fächer zu fördern. Aus dem Bericht wird deutlich, wie sehr die Schulen von dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch und der gemeinsamen Projektarbeit profitierten. Das Projekt wurde auch auf Ebene der jeweiligen Kollegien gut eingebunden und fand ein sehr positives Echo bei der Elternschaft der drei Schulen. Die entwickelten Lehrmaterialien für den Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht an Grundschulen stehen auf der Projektwebsite in den drei Partnersprachen und auf Englisch für andere interessierte Einrichtungen zur Verfügung.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Digitale Brücken bauen

Mittelschule Lindau, Bodensee (Baden-Württemberg)

Digital Empathy

Beschreibung

Um seine Stimmung auszudrücken, reicht es schon, ein Smiley ins Handy zu tippen. Wie praktisch, wenn Schülerinnen und Schüler aus sieben europäischen Ländern miteinander kommunizieren. Neben den Emoji-Bedeutungen machten die Erasmus+ Partner aus Deutschland, Polen, den Niederlanden, Italien, Spanien, Portugal und der Türkei auch Erfahrungen mit noch weit ausgeklügelteren digitalen Verständigungsmöglichkeiten. Sie testeten Apps, die blitzschnell in die verschiedenen Landessprachen übersetzten und Programme, mit denen sie die Heimat ihrer europäischen Freunde per Mausklick erkundeten. »Wie können wir die Möglichkeiten des Internets nutzen, um digitale Brücken zu bauen?«, fragte sich Elke von Hoyer von der Mittelschule Lindau, als sie die zweijährige Projektleitung für »Digital Empathy« übernahm.

Die Jugendlichen lernten, die neuen Medien geschickt zu nutzen, um vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen. »Bei den Digitalkompetenzen haben viele Schülerinnen und Schüler Nachholbedarf. Das macht sie anfällig für populistische Meinungsmache«, erklärt Elke von Hoyer. Deshalb achteten sie darauf, Informationen aus sozialen Netzwerken zu hinterfragen und Desinformationen auf die Spur zu kommen. Doch mindestens ebenso wichtig wie der digitale Nachhilfeunterricht waren die analogen Begegnungen: Von jungen Migrantinnen und Migranten der Mittelschule Lindau, die ihren Mitschülerinnen und Mitschülern von ihren Fluchtgeschichten berichteten, bis zu drei länderübergreifenden Treffen der jungen Europäerinnen und Europäer. Wenn sie mit der gemeinsamen Projektsprache Englisch einmal nicht weiterkamen, gab es ja noch die mobile Geheimwaffe, die auch ohne viel Worte funktioniert. Ein  und [ICON Daumen hoch] für eine erfolgreiche Erasmus+ Kooperation.

Begründung für die Auszeichnung
Das Projekt »Digital Empathy« verband zwei wichtige Anliegen: Digitale Kompetenz und kritischen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln und Empathie für Menschen anderer Kulturen zu wecken. Die vielfältigen Aktivitäten waren durchgehend gut durchdacht und motivierend auf die Zielgruppe abgestimmt – Schülerinnen und Schüler der unteren Sekundarstufe. Das Projekt band nicht nur die Teilnehmer, sondern phasenweise auch die Schulöffentlichkeit der sieben Partnereinrichtungen ein. Die Dokumentation vermittelt einen guten Einblick in die lebendige Projektgestaltung.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Öko? Logisch!

Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg, Berlin

Es ist Zeit für mehr Nachhaltigkeit

Beschreibung
Sherlock Holmes verstünde die Welt nicht mehr. Statt Bösewichte zu jagen, nehmen seine Nachfahren lieber Klimasünden unter die Lupe. Junge Umweltdetektive vom Berliner Campus Efeuweg fahndeten an ihrer Schule nach ökologischen Verbesserungsmöglichkeiten. Wie können wir Müll vermeiden? Wo lässt sich Energie einsparen? Welche Rohstoffe lassen sich recyceln? Wie ernähren wir uns klimafreundlicher? Den Antworten waren die Siebt- bis Zehntklässler gemeinsam mit ihren Erasmus+ Partnern in Frankreich und Belgien auf der Spur.

Wenn sich die Projektleiterin Janina Bähre an die dreijährige Zusammenarbeit erinnert, ist sie begeistert. »Es war einfach super, wie wir durchgestartet sind. Das hat vor allem so gut funktioniert, weil wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt haben«, erzählt sie. Das gilt nicht nur für die Kooperationsschulen, sondern auch für externe Partner, die die Lehrerin für das Öko-Projekt gewinnen konnte. Junior-Energieberater eines Gymnasiums zeigten den Klimadetektiven, wie man mit Wärmebildkameras energetische Schwachstellen aufspürt. Aktivisten von NGOs und Politiker erklärten ihre Sicht der Umweltpolitik. Und ein veganes Restaurant ließ sich in die Töpfe schauen. Aber vor allem die Schülerinnen und Schüler trugen mit Fantasie und Engagement zum Projekterfolg bei. Ihre Sandalen aus Altpapier, Geldbörsen aus Getränkekartons und Pflanztöpfe aus Plastikflaschen sind nicht nur praktisch, sondern lassen auch den Müllberg an ihrer Schule schrumpfen. Und wenn doch etwas nur für die Tonne taugt, landet es mittlerweile nicht mehr auf dem Schulhof, sondern in Papierkörben mit selbstgestalteten Graffiti-Mustern. Denn dank der Erasmus+ Umweltdetektive ist Öko nicht nur ok, sondern echt cool..

Begründung für die Auszeichnung
Das Projekt hatte zum Ziel, einen Beitrag zur langfristigen umweltverträglichen und zukunftsfähigen Entwicklung der jeweiligen Schulgemeinschaft zu leisten. Dabei sollten die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Rahmen inklusiver Bildung gesteigert werden. Gewünscht war, die fremdsprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen zu steigern, die Eigeninitiative und Kreativität zu fördern und die Kinder zu engagiertem und verantwortungsvollem Handeln zu motivieren. Ein weiteres Ziel war, sie für den Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Orientierung zu sensibilisieren. All dies ist in beeindruckender Weise gelungen, unter anderem durch die intensive Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern vor Ort. Ein besonderes Verdienst besteht darin, dass alle Beteiligten trotz teilweise schwieriger Rahmenbedingungen mit unermüdlichem Engagement aktiv waren. Besonders profitiert haben benachteiligte Schülerinnen und Schüler. Sie brachten sich mit Begeisterung ein und erhielten durch die Projektarbeit und die Auslandsaufenthalte die Chance zu einer förderlichen persönlichen und schulischen Entwicklung.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Einmaleins für junge Entrepreneure

Otto-Wels-Grundschule, Berlin

Kids Conquering Castles

Beschreibung
Bisher hatte Djamal nur sein eigenes Taschengeld verwaltet. Dann trug der 10-Jährige als Schatzmeister die Verantwortung für das Budget eines kleinen Unternehmens. Die Juniorenfirma, deren Ein- und Ausgaben Djamal gewissenhaft prüfte, war eine Idee der Berliner Otto-Wels-Grundschule, die jungen Entrepreneuren wertvolles Gründer-Knowhow vermitteln wollte. Im Verbund mit Erasmus+ Partnern in Österreich, Italien, Spanien, Griechenland und Großbritannien erarbeitete die Berliner Schule ein Konzept, bei dem Viert- bis Sechstklässler lernten, wie Wirtschaft funktioniert: Von der Geschäftsidee über cleveres Marketing bis zum Vertrieb. Ihre Produkte: selbstgemachte Souvenirs von Schlössern und Burgen. Dafür machten sich die Berliner Kinder erst einmal über eines der bekanntesten Baudenkmäler ihrer Heimatstadt schlau, Schloss Charlottenburg. Sie recherchierten dessen Geschichte, dachten sich Quizfragen aus und stellten sogar eine höfische Zeremonie in historischen Kostümen nach.

Was »Corporate Identity« bedeutet, erlebten die jungen Europäerinnen und Europäer bei ihren Treffen, die reihum in jedem Partnerland stattfanden. Bei Schloss- und Burgbesichtigungen trugen die Kids stolz ihre coolen Caps mit eigenem Logo. Dass ihre Schülerfirma mehr als Spielerei war, wurde ihnen klar, als sie sie in der katalanischen Stadt Navas registrieren ließen. Dass die Entrepreneure den Geschmack ihrer Kunden getroffen hatten, zeigte sich auf dem Mittelaltermarkt im italienischen Gemona. Die selbstgemachten Burg-Kerzen, Schlüsselanhänger und Lesezeichen fanden reißenden Absatz. Die Einnahmen spendeten die Kinder an eine Umweltschutzorganisation. Sie selbst profitierten vom Projekt durch die gewonnene Erfahrung. Eine echte Win-Win-Situation.

Begründung für die Auszeichnung
Mit dem Projekt »Kids Conquering Castles« ist es den beteiligten Schulen bestens gelungen, Lernenden erste Erfahrungen in den Bereichen Entrepreneurship und unternehmerische Kompetenz zu vermitteln. Eine große Stärke des Projekts ist der Ansatz, Schülerinnen und Schüler schon im Grundschulalter an die Entwicklung einer Schülerfirma heranzuführen. Die Gründung einer Kooperative zum Thema Burgen und Schlösser erwies sich als geniale Idee, einen unternehmerischen Prozess nachzuvollziehen. Das Projekt knüpfte an die Lebensrealität der Kinder an und ließ sie den Wert unternehmerischer Kompetenzen erleben. Durch die gezielte Kooperation mit Fachleuten konnten Synergien zwischen den Schulen und Kommunen geschaffen werden. Ein kreatives Projekt, das mit viel Begeisterung und Engagement durchgeführt wurde.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission
 

Engagierte Europäer

Gymnasium Rahlstedt, Hamburg

Projekttitel: Your Europe at Home! Shaping YouropeMake the chemistry sexy

Beschreibung

Organisation ist alles, wenn über hundert Jugendliche aus vier Ländern zwanzig Monate lang ein umfangreiches Europa-Projekt auf die Beine stellen. Auf ihrer To-Do-Liste im TwinSpace von eTwinning planten die Erasmus+ Partner aus Hamburg, Lettland, Spanien und Portugal ihre Kooperation akribisch durch: Von der Registrierung im Herbst 2017 über die Feiern zum Europatag im Mai 2018 bis zum Abschluss im Frühjahr 2019. Und hinter jeder der fast 60 Aufgaben prangt ein Häckchen. Dass alle Partner so engagiert waren, ist vor allem der Projektleiterin Kristin Ommler vom Gymnasium Rahlstedt zu verdanken. Sie begeisterte sie mit der Idee, Jugendliche selbst aktiv werden zu lassen, um Europa kennenzulernen. »Für viele Schülerinnen und Schüler ist die EU wenig greifbar. Wir können dieses abstrakte Gebilde mit Leben füllen, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, sich mit anderen europäischen Jugendlichen auszutauschen«, beschreibt die Lehrerin ihre Motivation.

Um über Europa diskutieren zu können, befassten sich die Partnerschüler zunächst mit den Ursprüngen der Union, ihren Werten und drängenden Fragen wie der Flüchtlingspolitik. Nicht jeder Brainstorming-Vorschlag schaffte es ins Projekt, aber bei der Abstimmung darüber erfuhren die Jugendlichen, wie Demokratie funktioniert. Die Arbeit der »echten« Politiker lernten sie bei den Besuchen in den Partnerländern kennen, wo sie Parlamente besichtigten und mit Abgeordneten diskutierten. Als kundige Experten gaben die Hamburger Gymnasiasten ihr Wissen beim »Lernen durch Lehren« weiter. Für den Tag der Offenen Tür dachten sie sich Spiele und Rätsel rund um die EU aus, bei dem es neben kleinen Aufmerksamkeiten vor allem eines zu gewinnen gab: wertvolles Europa-Wissen.

Begründung für die Auszeichnung
Im Rahmen des Projekts »Your Europe at Home! Shaping Yourope« konnten die beteiligten Schülerinnen und Schüler ihre Rolle und ihre Möglichkeiten als aktive Bürgerinnen und Bürger der europäischen Zivilgesellschaft kennenlernen und gestalten. Den Partnern gelingt eine intensive und kontinuierliche Arbeit rund um das Projektthema. In den fünf Arbeitsphasen finden sie kreative Antworten auf die Fragestellungen: Was bedeutet Europa für mich? Was ist die Europäische Union? Wie wirkt die EU auf mich und andere? Was können wir in Europa bewirken? Wie kann ich mein Wissen verbreiten? Das wichtigste Ergebnis dieser erfolgreichen Zusammenarbeit ist eine detaillierte Unterrichtseinheit in fünf Sprachen, die bereits Bestandteil der Schulcurricula der beteiligten Schulen ist. Sie steht interessierten Schulen über die Ergebnisplattform der EU zur Verfügung. Die gesamte Projektarbeit erfolgte mit außerordentlichem Einsatz und Engagement.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Spielend Sprachen lernen

Tilemannschule Limburg (Hessen)

La classe en action!

Beschreibung

Ganze Schülergenerationen erinnern sich ans Vokabelpauken als eintönige Angelegenheit. Dass es auch beschwingt gehen kann, zeigt das Erasmus+ Projekt »La classe en action«, bei dem Partner aus Deutschland, Belgien, Finnland, Italien und Portugal zusammenfanden. Beim Treffen in Finnland motivierte eine Choreografin zum rhythmischen Vokabellernen. Denn wer neue Begriffe mit Bewegungen unterstützt, scheint sie sich besser einzuprägen.

Nach solch innovativen Sprachlehrmethoden suchte Stefanie Reitz, die am Limburger Gymnasium Französisch und Englisch unterrichtet und auf die deutsche und französische Hochschulreife vorbereitet. Weil sie bei bilateralen Austauschprogrammen die Inspiration mehrerer europäischer Partner vermisste, registrierte sie sich bei eTwinning und fand ihr Dreamteam. »Wir fünf haben uns perfekt ergänzt«, sagt sie. Jede Schule organisierte einen Themenschwerpunkt und eine Lehrerfortbildung. In Portugal waren es Sprachlernspiele, in Belgien die Möglichkeiten von Whiteboards, in Finnland der künstlerische Ansatz. In Italien probierten die Partner den »umgedrehten Unterricht« aus, bei dem die Schülerinnen und Schüler die Lerninhalte erst für sich erarbeiten und dann in der Schule anwenden.

Beim Abschlusstreffen in Limburg lernten die Jugendlichen, professionelle Videos herzustellen, mit französischen Untertiteln. »Sprachenlernen, spielend und mit Spaß, das ist uns geglückt«, freut sich Stefanie Reitz. Auch persönlich sei sie an den Anforderungen gewachsen. »Vor Erasmus+ hätte ich mir nicht zugetraut, vor großen Gruppen außerhalb meiner Klassen zu reden«, sagt Stefanie Reitz. Bei ihrem Anschlussprojekt mit Partnern aus Italien, Spanien und Portugal hat sie es sogar in den Landessprachen getan.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
Dem in französischer Sprache durchgeführten Projekt »La classe en action« ist es in herausragender Weise gelungen, innovative Ansätze im Fremdsprachenunterricht auszutauschen, zu erproben und im Unterricht zu verankern. Dabei kamen insbesondere Informations- und Kommunikationstechnologien sinnvoll zum Einsatz. Die vorbildliche Dokumentation im TwinSpace gibt nicht nur einen detaillierten Einblick in den Projektablauf, sondern stellt die Ergebnisse und erarbeiteten Materialien auch frei zu Verfügung – darunter zehn Unterrichtseinheiten für den Französischunterricht in verschiedenen Jahrgangsstufen, Videos auf YouTube oder die Aufzeichnung eines Webinars der Projektkoordinatorinnen. Der reflektierte und informative Schlussbericht zeugt von einem aufwändig organisierten und äußerst gelungenen Projekt, das die Akteure sehr engagiert durchgeführt haben und das in seiner Herangehensweise beispielhaft und wegweisend auch für andere Projektorganisatoren sein kann.

Tourismus im Unterricht

Ursulinenschule Fritzlar (Hessen)

Young Tourism: listen and discover

Beschreibung
»Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.« Das berühmte Goethe-Zitat könnte der Leitspruch der Ursulinenschule Fritzlar gewesen sein, als sie ihr Erasmus+ Projekt über nachhaltiges Reisen initiierte. Die Koordinatorin, Birgit Anders, und ihre Partner aus Finnland, Polen, Spanien und Italien begeisterten ihre Schülerinnen und Schüler dafür, die Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstädte zu erkunden. In Zeiten von Flugscham wollte das Projekt so einen Anreiz für Reisen abseits der touristischen Hauptrouten bieten.

Warum also nicht einmal Fritzlar statt Fuerteventura, Laitila statt La Palma, Wroclaw statt Washington, Montijo statt Montevideo und San Miniato statt San Francisco? Was es in diesen Erasmus+ Partnerstädten Spannendes zu entdecken gibt, darüber haben die Schülerinnen und Schüler 30 professionelle Audioguides in sechs Sprachen erstellt. Statt trockene Fakten zu liefern, erzählten sie in Mini-Hörspielen originelle Geschichten. Schauriges ist über den »Grauen Turm« in Fritzlar zu erfahren, in dem Gefangene im Mittelalter für geringste Vergehen gefoltert wurden. Und spannende Legenden über Kirchen und Kathedralen in den Partnerländern erwecken die alten Bauwerke zum Leben.

Mit ihrer Projektidee wollten die Erasmus+ Lehrkräfte nicht nur die Kreativität, Digital- und Fremdsprachkenntnisse der 13- bis 19-Jährigen schulen, sondern auch deren unternehmerische Fähigkeiten. »Verantwortungsvoller Tourismus als Arbeitsfeld«, so Birgit Anders, »ist ein Markt, der an Bedeutung gewinnen wird.« Während der Besuche bei ihren Projektpartnern haben die Jugendlichen deshalb diesen zukunftsträchtigen Markt gemeinsam erkundet.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
»Young Tourism: listen and discover« ist ein außerordentlich gelungenes Projekt. Dass Tourismusbüros Links auf die Projektwebsite mit den elektronischen Führern gesetzt haben, spricht für die hohe Qualität der Produkte, die ein weites Publikum ansprechen können. Das Projekt überzeugt insbesondere durch seine detailliert erarbeitete und konsequent umgesetzte Konzeption. Vorbildlich waren der große Einsatz der Schülerinnen und Schüler während der gesamten Projektlaufzeit, die hervorragende Kooperation der Partnerschulen und die Einbeziehung außerschulischer Partner, die wichtiges Knowhow für die Erstellung von Audioguides einbrachten. Auch die Kontakte zu lokalen Medien sowie die durchdachten Verbreitungsmaßnahmen und die sehr gute Gestaltung der Projektwebsite sind positiv hervorzuheben.

Mit Shakespeare zum Erfolg

Integrierte Gesamtschule Hannover-Linden (Niedersachsen)

Young creative European artists

Beschreibung
Dass das Bühnendrama »Romeo und Julia« alles andere als ein alter Zopf ist, erlebten zwei Teenager, die einem gleichnamigen Projekt teilnahmen. Eine spanische Schülerin verliebte sich in ihren deutschen Erasmus-+ Partner aus Hannover. Doch anders als in Shakespeares Tragödie fand die Geschichte ein gutes Ende.

Um das berühmteste Liebespaar der Welt drehte sich das zweijährige Projekt, das die Gesamtschullehrerin Gertrud Rust gemeinsam mit ihren Partnern aus Polen und Spanien initiierte. Die Schülerinnen und Schüler interpretierten den über 400 Jahre alten Klassiker zeitgemäß. »Was hat die Geschichte mit mir zu tun?«, »Was bedeuten Freundschaft und Liebe für mich?«, »Wie erlebe ich Fremdsein und Feindschaft?«. Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich die 14- bis 16-Jährigen in sieben aufeinander aufbauenden Modulen. Die anspruchsvolle Zusammenarbeit auf Englisch war besonders für die Förderschülerinnen und -schüler der inklusiven Schule eine Herausforderung. Doch dank des Peer Learning, bei dem die Stärkeren die Schwächeren unterstützen, wuchsen sie über sich hinaus. »Jetzt wollen wir mehr davon«, beschworen sie ihre Lehrerin. Denn zwischen den Projektpartnern sind dank Shakespeare über die Grenzen hinweg enge Freundschaften entstanden.

Auch Gertrud Rust freut sich auf ihr nächstes Erasmus+ Projekt. »Es ist zwar immer wieder eine Menge Arbeit«, meint sie. »Aber wenn man die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler erlebt, ist es die Mühe wert.« Der Höhepunkt des Projekts war das Abschlusstreffen in Hannover, bei dem 40 Partnerschülerinnen und -schüler Romeo und Julia gemeinsam zur Aufführung brachten. Selbst Jugendliche, die sich anfangs nicht auf die Bühne getraut hatten, genossen den Theaterdonner. Und so gab es trotz des dramatischen Ausgangs des Stücks ein Happy End.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
»Young creative European artists: Re-defining and shaping their own world exploring Romeo and Juliet« ist ein gelungenes Projekt, in dem viel Engagement und Einsatz stecken. Es verband die Lern- und Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler mit der literarischen Welt von William Shakespeare. Das Projekt wurde mit einer sehr heterogenen Schülerschaft durchgeführt, da alle beteiligten Schulen inklusiv arbeiten. Wichtige Themenbereiche waren innovative und interaktive Lehrmethoden zu Fremdsprachenlernen, kommunikative Kompetenz sowie künstlerische und literarische Darstellungsformen. Die Partner arbeiteten intensiv an konkreten Vorschlägen, wie die Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler in den Bereichen gefördert werden können.

Zusammen stark

Heinrich-Kielhorn-Schule, Hameln (Niedersachsen)

Einer für alle – alle für einen

Beschreibung
Gemeinsam bergauf ging es beim Erasmus+-Projekt von Förderschulen aus Deutschland, Litauen, Slowenien und Großbritannien – in jeder Hinsicht. Im starken Team meisterten sie nicht nur ein wagemutiges Kletterabenteuer, sondern auch die Herausforderung, ein Lernkonzept für Outdoorpädagogik zu entwickeln. Die Heinrich-Kielhorn-Schule in Hameln für Schülerinnen und Schüler mit geistiger Behinderung wollte ihre langjährigen Erfahrungen mit dem Klettern teilen. Gezielt suchte sie nach Partnern und fand sie unter anderem bei einem Erasmus+ Treffen im slowakischen Bratislava. Der ehrgeizige Plan: Die vier Schulen wollten in allen vier Jahreszeiten je eine Outdoorwoche auf die Beine stellen.

Die Premiere fand im Weserbergland statt. Hier erklommen die jungen europäischen Gipfelstürmer, gut gesichert, steile Felswände. »Diese Erfahrung hat ihr Selbstbewusstsein enorm gestärkt«, betont die Hamelner Projektkoordinatorin Marion Finke. Sie selbst konnte sich auf die perfekt eingespielte Seilschaft der Partnerlehrkräfte verlassen. Nach dem Klettern, Zelten und Höhlenwandern in Deutschland ging es zum Floßabenteuer nach Großbritannien, zum Skifahren in die Slowakei und zum Bernsteinsammeln an die litauische Küste. Mit jeder Naturerlebniswoche trauten sich die Jugendlichen mehr zu. Und Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Schützlinge anfangs sehr behüteten, konnten nun mehr und mehr loslassen. »Denn wir wussten, dass alle aufeinander achten und jeder für jeden da ist«, erinnert sich Marion Finke. Mit diesem Teamgeist stellten sich die Partner Herausforderungen, die selbst Dschungelcamp-Teilnehmer an ihre Grenzen bringen würden: In Großbritannien probierten sie – no problem ‒ getrocknete Mehlwürmer und geröstete Grillen.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
»Einer für alle, alle für einen ‒ Outdoorlearning mit geistig und körperlich behinderten Schülern« zwischen Partnereinrichtungen in Deutschland, Litauen, der Slowakei und dem Vereinigten Königreich ist ein herausragendes Beispiel für engagierte und in höchstem Maße gelungene Projektarbeit. Es basierte auf aktuellen länderspezifischen Ansätzen im Bereich der Förderpädagogik, die erfolgreich in den europäischen Kontext gestellt wurden, und orientierte sich konsequent an den Möglichkeiten und Ressourcen der beteiligten Schülerinnen und Schüler. Die Verknüpfung klassischer förderpädagogischer Methoden mit Handlungsorientierung und Outdoorlearning führte zu signifikanten Fortschritten in der persönlichen, kognitiven, motorischen und sprachlichen Entwicklung der Teilnehmenden. Das hochwertig erstellte Manual und weitere Dokumente sind frei verfügbar, zudem sorgt eine vorbildliche Verbreitungsstrategie dafür, dass auch andere Einrichtungen von den Erfahrungen und Erkenntnissen dieses höchst bemerkenswerten Projekts profitieren können.

Jugendliche üben Demokratie

Oberschule Bederkesa ‒ Schule an der Mühle, Geestland (Niedersachsen)

Confederation of Europia

Beschreibung
Wie das Wetter in Beeropia, Vouzropia, Teldropia und Bodropia wird, erfahren die Bürger der Konföderation Europia aus ihrer Zeitung. Die »Europia Times« meldet Neuigkeiten aus allen vier Bundestaaten. Was sonst Spannendes passiert, zeigt der TV-Sender: Politikerdebatten, Interviews mit Firmengründern und Unterhaltsames. Gründer des fiktiven Landes »Europia« sind vier Erasmus+ Partner aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien. Hierfür erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler eine Verfassung, förderten den wirtschaftlichen Wettbewerb und gründeten Medien. Sogar ihre eigene Hymne komponierten sie.

Die jungen Leute, so der Wunsch des Projektleiters Andreas Schulz von der Oberschule Bederkesa, sollten erleben, wie Demokratie funktioniert. Als Bürgerinnen und Bürger von Europia durften sie über ihr Staatsoberhaupt abstimmen. Welche Kandidaten haben das beste Programm? Wer die überzeugendsten Argumente? Wie im richtigen Wahlkampf lieferten sich die Amtsanwärter spannende Rededuelle. Die diplomatischen Beziehungen zu den Erasmus+ Partnern festigten die Jugendlichen durch »Staatsbesuche«. Bei den Treffen pflegten sie ihre wirtschaftlichen Beziehungen und organisierten eine Messe für junge Entrepreneure. Von der Geschäftsidee bis zu Vermarktungsstrategien erwarben die Schülerinnen und Schüler hierbei wertvolle Fähigkeiten. Ihr Verhandlungsgeschick stellten sie bei Bewerbungsgesprächen auf Englisch unter Beweis. Die cleversten Jungunternehmer Europias wurden mit Pokalen ausgezeichnet. And the winner is … Ein umweltbewusster Smoothie-Produzent, der Strampeln statt Stromverbrauch fördert. Seine Kunden treten in die Radpedalen und mixen ihr Getränk mit eigener Muskelkraft. Dass die »Europia Times« darüber berichtete, versteht sich von selbst.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
Mit »Confederation of Europia« ist eine äußerst originelle Projektidee ‒ die Gründung eines fiktiven Staates ‒ auf sehr erfolgreiche und anspruchsvolle Weise durch die vier Schulen aus Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich verwirklicht worden. Als besonders überzeugend ist der didaktisch-methodische Ansatz zu werten: Die Schülerinnen und Schüler haben auf lebensnahe Art Wissen und Fähigkeiten zu den Themenbereichen Demokratie und Wahlen, Firmengründung, Bewerbungstraining und Mediation erarbeitet. Die attraktive Website und ein eigener EU-Tube-Channel geben auch Außenstehenden einen lebendigen Eindruck von dem mit großer Begeisterung durchgeführten Projekt. Zudem steht das E-Book mit allen Unterrichtseinheiten für interessierte Lehrkräfte zum Download zur Verfügung. Die Qualität des gesamten Projekts geht deutlich über den normalen Rahmen hinaus.

Naturwissenschaften leicht gemacht

Marienschule Münster (Nordrhein-Westfalen)

Equal Access to Scientific Yield (E.A.S.Y.) – Discover the Elements Around You!

Beschreibung
»E.A.S.Y. ist sicher nicht für jeden – aber vielleicht für Dich? Entdecke die Möglichkeiten wissenschaftlicher Forschung.« Wer könnte dieser Verheißung widerstehen? Die Website des Erasmus+ Projekts macht neugierig auf ein außergewöhnliches Unterrichtskonzept. Die Schülerinnen und Schüler begaben sich auf eine spannende Forschungsreise. »Easy«, so einfach wie der Projekttitel, sollte die Entdeckungstour sein und selbst diejenigen motivieren, die mit Naturwissenschaften auf dem Kriegsfuß stehen. Projektleiter Christian Berkemeier von der Marienschule Münster hatte die Erfahrung gemacht, dass die Schülerinnen seines Mädchengymnasiums besonders begeistert bei der Sache sind, wenn er ihnen praxisnahe Aufgaben gibt. »Wenn sie der Frage ›Was hat das mit mir zu tun?‹ nachgehen, werden sie zu forschenden Lernenden«, erläutert er.

In Finnland, Slowenien und Spanien fand der Erasmus+ Fan drei Partnerschulen, mit denen er Experimente und Exkursionen plante. Die Gefahren für Meerestiere durch Mikroplastik in Kosmetik erforschten die Schülerinnen und Schüler an der slowenischen Küste. In Finnlands Wäldern lernten sie die Kunst des Papierschöpfens und bauten Möbel aus Pappe. In Spanien, einem der größten europäischen Obstproduzenten, errechneten sie die Ökobilanz von Treibhauserdbeeren und besichtigten Solaranlagen. Und im Münsterland schließlich gingen sie der westfälischen Textilindustrie auf die Spur, analysierten Naturfarben im Chemielabor und setzten sich mit den Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern auseinander. »Was hat es mit mir zu tun, wenn ich Kleidung für wenige Euro kaufe?«, lautete die Frage zu einer Aufgabe, die die Erasmus+ Partner ganz easy lösen konnten.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
»E.A.S.Y.« als Abkürzung des Projekttitels klingt einladend und leicht ‒ und ist sicher mit Bedacht gewählt worden. Denn den Schülerinnen und Schülern der Partnerschulen aus Deutschland, Finnland, Slowenien und Spanien sollte mit der gemeinsamen Projektarbeit ein gleichwertiger und motivierender Zugang zu Grundlagen der Naturwissenschaften vermittelt werden. Das Experiment ist in jeder Hinsicht gelungen: Unter den Schwerpunkten »Skin and Sun« und »Tissues and Textiles« haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Jahre lang auf praktische Weise mit den Themenbereichen Plastikwelten, Agrarindustrie, Textilfärbung und Holz- und Papierrecycling auseinandergesetzt. Dies hat zu überzeugenden Resultaten geführt. Die umfangreiche Projektwebsite gibt einen lebendigen Eindruck von den verschiedenen Aktivitäten. Es erstaunt nicht, dass am Ende dieses Projekts das Interesse für die naturwissenschaftlichen Fächer in den beteiligten Schulen nachweisbar gestiegen ist. Das Hauptprodukt, ein reich illustriertes Manual »Exploring European Diversity through science«, erläutert detailliert die verschiedenen Aufgaben und kann auch anderen Schulen wertvolle Anregungen geben.

Gemeinsam gegen Diskriminierung

Realschule für Jungen und Mädchen Steinhagen (Nordrhein-Westfalen)

Europe – United diversity: How cosmopolitan entrepreneurship can increase social awareness

Beschreibung
Ein Schüler wird in der Pause aufgrund seiner Hautfarbe mit »Geh doch zurück nach Afrika« beschimpft. Jugendliche beleidigen einen Obdachlosen. Ein Mädchen wird als lesbisch geoutet und angegriffen. Wie reagiere ich? Traue ich mich einzugreifen? Mit welchen Argumenten entwaffne ich jemanden, der andere aufgrund ihrer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder einer Behinderung herabsetzt? Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, den Niederlanden und Spanien arbeiteten zwei Jahre lang intensiv daran, eigene Vorurteile zu erkennen und Diskriminierung mit Courage zu begegnen. Nach Ansicht von Projektleiter Marc Beckamp von der Realschule Steinhagen bietet Erasmus+ dafür eine besondere Chance: »Durch das persönliche Kennenlernen unterschiedlicher Nationalitäten wächst der Respekt voreinander.«

Schon bei ihrem ersten Treffen entkräfteten die 14- bis 16-Jährigen hartnäckige Stereotype von stierkampfversessenen Spaniern, Niederländern mit Gouda-Faible und deutschen Bier- und Bratwurst-Fans. Sie gestalteten Collagen über die gängigsten Vorurteile. Wie inspirierend internationale Teamwork sein kann, erlebten sie bei ihrem anspruchsvollen Wirtschaftsprojekt. Sie gründeten fiktive NGOs, mit denen sie ihren Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten wollten. Ein Projekt sollte Obdachlosen die Chance auf ein würdevolles Leben bieten, ein anderes wollte Handy-Junkies von ihrem Mobiltelefon entwöhnen. Anregungen, wie Projekte clever geplant und erfolgreich umgesetzt werden, erhielten die Schülerinnen und Schüler bei Besuchen realer NGOs, darunter einer Drogenhilfe in Spanien. Sie erwarben dadurch nicht nur wertvolles Fachwissen, sondern erreichten vor allem ihr selbstgestecktes Ziel: anderen offen und vorurteilsfrei zu begegnen.  

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
Ein rundum gelungenes Projekt, das mit viel Engagement und Motivation konzipiert und durchgeführt wurde. Die Projektpartner aus Deutschland, Spanien und den Niederlanden kooperierten konstruktiv und sehr schülerbezogen zu den Themenbereichen Diversität und Diskriminierung. Sie arbeiteten intensiv an konkreten Vorschlägen, wie Verständnis, Toleranz und Zivilcourage gefördert werden können. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler gründeten eigene fiktive NGOs und erstellten in Eigenregie einen englischsprachigen Film über das Projekt. Durch die zukünftigen »Action Days« und geplanten halbjährlichen Multiplikationsveranstaltungen wirkt das Erreichte auch über das offizielle Projektende hinaus.

Auf dem Weg nach Europa

Städtische Realschule Waltrop (Nordrhein-Westfalen)

On the Move in Europe – Towards a Democratic, Multicultural Europe

Beschreibung
Wie begegnet man einer Herausforderung, die in keinem Lehrplan steht? Das fragten sich die Lehrkräfte der Realschule Waltrop, als 2015 die ersten Geflüchteten aufgenommen wurden. Statt auf Hilfe von außen zu warten, wurde die Lehrerin Bärbel Semjatova selbst aktiv. Unterstützt von der Erasmus+ erfahrenen Rektorin, Christa Müther, suchte sie nach Mitstreitern, die an Integrationskonzepten interessiert waren. Ihr gelang es, Partner aus den Niederlanden, Spanien, Italien, Rumänien und Ungarn ins Boot zu holen. Als Projektleiterin war Bärbel Semjatova die ideale Besetzung, denn ihre vielfach ausgezeichnete »Schule ohne Rassismus« hatte bereits Erfahrungen mit Konzepten für Weltoffenheit und Toleranz. »Wir nehmen uns hier alle so, wie wir sind«, sagt sie über den respektvollen Umgang miteinander.

In diesem Geist verlief auch die Erasmus+ Kooperation. Die Schülerinnen und Schüler kommunizierten über die eTwinning-Plattform und stellten sich, ihre Schule und ihre Stadt in selbstproduzierten Videos vor. Jedes Land berichtete über seine Geschichte der Migration, und die Kinder und Jugendlichen, deren Familien zugewandert waren, standen als Expertinnen und Experten in eigener Sache im Mittelpunkt. Die jungen Europäer diskutierten über Ursachen für Diskriminierung, setzten sich mit rechtspopulistischen Tendenzen auseinander und brachten ein Musical über Flucht und Vertreibung auf die Bühne. Wie bereichernd kulturelle Unterschiede sind, erlebten sie bei den Reisen zu ihren Projektpartnern, bei denen nicht nur das Lernen im Mittelpunkt stand, sondern auch der gemeinsame Spaß. Bärbel Semjatova empfindet den internationalen Austausch deshalb als großen Gewinn. »Wir sind eine große europäische Schulgemeinschaft«, schwärmt sie. Ein neues Erasmus+ Projekt ist bereits in Arbeit.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
In dem Projekt »On the Move – Towards a Multicultural Democratic Europe« haben sich Schulen aus Deutschland, Italien, Spanien, Rumänien, Ungarn und den Niederlanden konstruktiv und kreativ mit den Herausforderungen und Veränderungen auseinandergesetzt, die durch die hohen Zahlen von neu ankommenden Flüchtlingen seit 2015 entstanden sind. Grundlage dafür war eine wohlüberlegte Planung, die mit der bewussten Wahl der Partnerländer begann, den beteiligten Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten zu personalisiertem, selbstverantwortlichem Lernen gab und vor allem die Flüchtlingskinder als Akteure mit in den Fokus nahm. Ein äußerst gelungenes, engagiert durchgeführtes Projekt.
 

Toleranz lernen

Europagymnasium Kerpen (Nordrhein-Westfalen)

Wir in Europa – Zukunft gestalten

Beschreibung
»Die Herkunft ist doch uns egal. Ob Frankreich oder Senegal. Hautfarbe sagt nichts über uns aus. Schmeiß die Vorurteile raus!« Die Textzeile entstammt der selbstkomponierten Projekthymne und bringt die Haltung der Erasmus+ Partner aus Deutschland, Ungarn und Spanien auf den Punkt. »Wir wollten in Zeiten, in denen der Rassismus zunimmt, Offenheit und Toleranz für unterschiedliche Kulturen, Minderheiten und Flüchtlinge fördern«, erklärt Projektleiterin Estrella Löwe-López vom Europagymnasium Kerpen. Für dieses Ziel wurden ihre Schülerinnen und Schüler nicht nur im Unterricht aktiv: Sie engagierten sich in Flüchtlingsheimen, brachten ihre Ideen bei einem Integrationsfest der Stadt Kerpen ein und stellten in selbstproduzierten Videos Politikerinnen, Experten und Mitstreitern kluge Fragen zu ihrem facettenreichen Projektmotto »Wir in Europa – Zukunft gestalten!».

Die Erasmus+ Schulen waren ideale Kooperationspartner. Denn auf Gran Canaria hat rund die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund, die ungarische Schule unterrichtet 70 Prozent Roma und an der Integrationsklasse einer Kerpener Hauptschule, mit der das Europagymnasium kooperierte, lernen Flüchtlingskinder aus aller Welt. Das Projekt vereinte 60 Jungen und Mädchen aus über 20 Nationen, die gemeinsam hunderte Ideen sammelten. Sie recherchierten die Ursachen für Flucht und Vertreibung, entwickelten Unterrichtsmaterial, erkundeten die Kultur der ungarischen Roma und setzten mit einem Flashmob ein Zeichen für Toleranz. Dass ihr Erasmus+ Projekt mehr als eine spannende Schulkooperation war, erlebten die Partner im Kerpener Haus für Kunst und Geschichte, wo ihre Fotoausstellung »Auch wir sind Europa« eine festliche Premiere feierte.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
Auf herausragende Weise hat das Projekt »Wir in Europa ‒ Zukunft gestalten« sein übergeordnetes Ziel erreicht, Radikalisierungstendenzen entgegenzuwirken und die Integration von Minderheiten in die Gesellschaft zu fördern. Die Schulen in Deutschland, Spanien und Ungarn haben die Thematik des Projekts mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Methoden und Verfahren bearbeitet und konnten so ein heterogenes Publikum erreichen und Aufmerksamkeit und Empathie erzeugen. Zum Erfolg des Projekts trug ohne Zweifel auch die Vielfalt an externen Projektpartnern bei. Der Ideenpool zur Integration, eine frei verfügbare digitale Sammlung von 15 Ideen für Integrationsprojekte, zeugen von der Kreativität und dem Engagement aller Beteiligten. Das Projekt kann anderen Schulen wertvolle Anregungen für eigene Initiativen geben.
 

Im Spiegel Europas

Grundschule »Astrid Lindgren«, Schkopau (Sachsen-Anhalt)

Mirror Mirror on the Wall

Beschreibung
Rote Zöpfe, Sommersprossen, Ringelsocken – wer kennt es nicht, das rebellische Mädchen, das macht, was ihm gefällt. Pippi Langstrumpf fällt aus dem Rahmen und ist deshalb das perfekte Maskottchen für ein originelles Inklusionsprojekt. Die Schkopauer Grundschule »Astrid Lindgren«, benannt nach Pippis Schöpferin, wollte Kinder mit und ohne Förderbedarf einander näherbringen. Das Projektmotto »Spieglein, Spieglein an der Wand« sollte die Kinder dazu ermuntern, über sich selbst und andere zu reflektieren.

Wie bereichernd Vielfalt sein kann, erlebten die Schülerinnen und Schüler beim Austausch mit ihren Projektpartnern aus Finnland, Griechenland und Zypern. Sie berichteten von ihren Schulen, Hobbies und Familien, verglichen ihre Kulturen miteinander und produzierten ein Hörbuch. Die Heldin der Geschichte reist wie die Schülerinnen und Schüler durch Europa und meistert dabei eine Reihe von Herausforderungen. Für ihre Zusammenarbeit nutzen die Erasmus+ Schülerinnen und Schüler die ganze Bandbreite der Kommunikation: Briefe, Mails, Videobotschaften und Skype-Telefonate. Der Höhepunkt aber waren die Fahrten zu den Projektpartnern. Immer mit im Gepäck: die Pippi Langstrumpf-Puppe, über deren Abenteuer die Mitreisenden den Daheimgebliebenen anschließend berichteten.

Welche Rechte sie als Europäer haben, das erlebten die Kinder bei praktischen Übungen in Demokratie. In Petitionen ans EU-Parlament äußerten die Lehrkräfte in ihrem Namen den Wunsch nach mehr Ressourcen für Bildung. Und weil die Schkopauer Grundschülerinnen und -schüler Spaß an der Mitbestimmung bekommen hatten, regten sie beim Bürgermeister an, die beiden angrenzenden Spielplätze, der Schule und der Stadt, zusammenzulegen. Das hätte der kecken Pippi Langstrumpf bestimmt gefallen.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
Grundsteine für die Entwicklung zur aktiven Staatsbürgerschaft lassen sich bereits bei Kindern legen. In dem Projekt »Mirror, Mirror on the Wall« von vier Grundschulen aus Deutschland, Finnland, Griechenland und Zypern ist es in besonderem Maße gelungen, die Entwicklung sozialer und demokratischer Kompetenzen mit der Thematik Inklusion zu verbinden. Alle Projektpartner setzten sich intensiv mit der Machbarkeit von Inklusion im Schulalltag auseinander. Dabei standen die Schülerinnen und Schüler mit ihren unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen immer im Mittelpunkt. Auf der Grundlage eines erlebnispädagogischen Ansatzes vermittelten Tanz, Theater, Musik und Spiel die Lerninhalte auf kindgerechte Weise. Die zahlreichen eindrucksvollen Ergebnisse wie zum Beispiel das Storybook und auch die Petition der Schülerinnen an das Europäische Parlament geben Zeugnis von der vielseitigen und erfolgreichen Zusammenarbeit. Erwähnenswert ist zudem die hervorragende Öffentlichkeitsarbeit der Schulen.

Erasmus+ Leitaktion 2 – Konsortialpartnerschaften

Integration durch selbstbestimmtes Lernen

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg)

Self-learning for Arab refugee children ‒ Building a concept for mother tongue trainers and teachers

Beschreibung
Am Wochenende, wenn für andere die Schulwoche endet, beginnt für junge Geflüchtete in Berlin das Lernen. Der Verein »Back on Track« stellt ihnen Räume und Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Das Besondere daran: jeder arbeitet für sich und in eigenem Tempo. Dieses Konzept zum selbstregulierten Lernen wurde an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd entwickelt, mit Unterstützung dreier Erasmus+ Partner in Schweden, Italien und der Türkei. Das deutsche Professorenteam Miriam Stock und Gernot Aich hatte die Erfahrung gemacht, dass junge Geflüchtete ganz unterschiedliche Lernbiografien haben. Viele von ihnen können kaum lesen und schreiben, weil sie jahrelang keine Schule besucht haben, sind durch Krieg und Gewalt traumatisiert oder vermögen mit dem Tempo an ihrer neuen Schule nicht mitzuhalten, weil sie schlecht Deutsch sprechen. Beim selbstorganisierten Lernen können die Kinder und Jugendlichen aus einem reichhaltigen Online-Angebot die Aufgaben wählen, die sie interessieren. Und sich selbst sogar mit Sternchen für gute Arbeit belohnen.

Der zweisprachige Titel des Projekts ENABLE ‒ TAMKIN ist Programm. Es sind die englischen und arabischen Begriffe für »befähigen«. Juniorprofessorin Miriam Stock erklärt: »Durch ihre Flucht mussten die Kinder früh selbständig werden und können sich gut organisieren. Jetzt wissen sie, wie das auch beim Lernen funktioniert und entwickeln Selbstvertrauen.« Weil das innovative Konzept in den Herkunftsländern der Geflüchteten kaum bekannt ist, bildeten die Erasmus+ Partner in Workshops 70 arabischsprachige Tutoren aus. Durch ihre erfolgreiche pädagogische Arbeit sind sie nicht nur gefragte Fachleute, sondern auch Vorbilder für die jungen Migrantinnen und Migranten, deren Integration sie fördern.

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Das Projekt in der Projektergebnisplattform (PEP) der EU-Kommission

Begründung für die Auszeichnung
Um den Einsatz muttersprachlicher Lehrkräfte zu fördern, hat die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd gemeinsam mit Partnereinrichtungen in Deutschland, Italien, Schweden und der Türkei in dem Projekt »ENABLE ‒ Self-learning for Arab refugee children« ein Trainingskonzept für Arabisch sprechende Muttersprachlerinnen und Muttersprachler entwickelt, die als Trainerinnen und Trainer mit geflüchteten Kindern arbeiten. Es ist der besondere Wert des Projekts, dass die spezielle Erfahrung und das vorhandene Wissen der geflüchteten Menschen direkt als Ressource für die Entwicklung eines Trainingskonzepts genutzt wurden. Was das Projekt in besonderem Maße auszeichnet, ist die Ausrichtung an praktischen Notwendigkeiten. Die sieben Module wurden in vier Trainingseinheiten mit großem Gewinn für die Teilnehmenden erprobt. Sie stehen auf der Website des Projekts zur Verfügung.

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