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vidumath – kreative Videoarbeit für den Mathematikunterricht

Erasmus+ Leitaktion 2: Strategische Partnerschaft im Schulbereich

Der Wunsch nach neuen Unterrichtskonzepten im Mathematikunterricht folgt der Kritik europaweiter Untersuchungen, die einen Mangel an motivierenden didaktischen Methoden feststellten. Der Verein "Kulturring in Berlin e.V." entwickelt mit Partnern in Norwegen, Bulgarien und Deutschland neue Ansätze, um mit einfachen Videotechniken Mathematik in der Altersstufe 9 bis 12 Jahre begreifbar, interessanter und verständlicher zu machen. Zwei Jahre lang kooperieren Mathematikprofessoren, Medienpädagogen und Lehrkräfte, um mit Video dem Mathematikunterricht neue Impulse zu geben. Der PAD stellt die beispielhafte strategische Partnerschaft im Schulbereich (Erasmus+, Leitaktion 2) als "Projekt des Monats" im März 2017 vor.

Ziele des Projekts

"Ziel ist es nicht, Erklärvideos für andere zu produzieren. Vielmehr sind die Videos ein Hilfsmittel für das mathematische Lernen", Armin Hottmann, Medienpädagoge Kulturring in Berlin e.V.

Mathematik gilt als schwieriges Schulfach, was auch internationale Studien wie TIMSS und PISA festgestellt haben. Das Videomatheprojekt will Schülerinnen und Schüler motivieren, sich mit mathematischen Inhalten auseinanderzusetzen.

Das Projekt "vidumath" kombiniert medienpädagogische Methoden mit Mathematikdidaktik und will so innovative Lehrmethoden in den Mathematikunterricht einbringen. Die Kernidee von "vidumath" ist, dass Kinder selbst Videos produzieren und dabei durch kreatives und systematisches Denken den mathematischen Inhalt neu visualisieren. So können sie spielerisch mathematische Zusammenhänge entdecken und diese mit Video dokumentieren. Wie funktioniert ein Bruch? Wie stelle ich Grundrechnungsarten dar? Wie gestalte ich den Prozess der Subtraktion mit Bildern?

Das Erasmus+-Team aus Mathematikprofessoren und Medienpädagogen ging bei der Projektentwicklung davon aus, dass Videos bei Kindern der Altersgruppe 9 bis 12 Jahre beliebt sind und daher besser als herkömmliche Lehrbücher zu einem handlungsorientierten und motivierenden Unterricht beitragen. Bewegte Bilder könnten helfen, komplexe Strukturen zu illustrieren. Wenn Kinder Brüche und geometrische Formen mithilfe von Video nachvollziehen, indem sie zum Beispiel filmen, wie sie Knetgummi zerteilen, können sie einfacher einen Realitätsbezug herstellen. Indem sie die Videos anderen zeigen und ihnen mathematische Prozesse erklären, lernen sie durch eigenes Lehren. Das fördert auch die Selbstreflexion.

Wie "vidumath" funktioniert

"Ein Tablet oder Smartphone gibt es in jeder Klasse und das reicht für ein Videoprojekt. Man braucht nicht viel Zeit und kann das auch als Hausaufgabe stellen. Wichtig ist es, vorher genau zu besprechen, welcher mathematische Inhalt dargestellt werden soll und wie das am besten geschieht", Armin Hottmann, Medienpädagoge.

Die Erstellung von Videofilmen im Mathematikunterricht soll in erster Linie das Verstehen mathematischer Prozesse unterstützen. Hierzu erstellen die Schülerinnen und Schüler vor allem kurze "Stop-Motion"-Videos. Das sind einfache Legetrickanimationen, die entweder direkt mit einer App auf einem Tablet produziert oder in einem Videoprogramm aus einer Abfolge von Fotos zusammengebaut werden. Über einhundert solcher Videoanimationen wurden bereits bei den Partnerschulen in Bulgarien und Norwegen produziert. Bei den Themen geht es vor allem um Brüche, Gleichungen und Symmetrieaufgaben. Im Projekt "vidumath" werden Anleitungen für die Videoarbeit erstellt und über die Website zur Verfügung gestellt.

Die Mathematikprofessoren im Projekt richten ihr Augenmerk vor allem auf das didaktische Konzept der Videoarbeit im Mathematikunterricht und wie es gelingt, die mathematischen Inhalte richtig zu erfassen. Die Planungsphase, bei der im Unterricht der Inhalt des Mathevideos mit den Schülerinnen und Schülern besprochen wird, ist besonders wichtig. Sogenannte Storyboards (Planungsskizzen) helfen dabei, dass die Kinder die geplanten Videos vorab visualisieren. 

Für die Medienpädagogen ist wichtig, dass einfache technische Konzepte angeboten und bewährte Praktiken der pädagogischen Videoarbeit wie Teamarbeit und Auswertung integriert werden. Das Projekt "vidumath" will nicht nur die Mathe-, sondern auch die Medienkompetenzen der Kinder stärken.

Europäische Zusammenarbeit für einen besseren Mathematikunterricht

"Mathematik ist abstrakt. Video hilft Kindern dabei, mathematische Konzepte zu visualisieren. So ist es einfacher für sie, zu verstehen", Oliver Thiel, QMUC, Trondheim

Das Projekt "vidumath" zeigt beispielhaft, wie die europäische Zusammenarbeit von Hochschulen, Schulen und einem medienpädagogischen Bildungsträger die im EU-Programm Erasmus+ formulierten Prioritäten wie die Förderung von Schlüsselkompetenzen (hier: digitale Kompetenz und mathematisches Verständnis) zur Verbesserung des Schulunterrichts beitragen kann. 

Das "vidumath"-Team besteht aus den Matheexperten Jörn Loviscach (FH Bielefeld), Oliver Thiel (QMUC Trondheim / Norwegen) und Piedade Vaz Rebelo (Universität Coimbra / Portugal) mit Unterstützung der Schulleiterin Nelly Kostova aus Sofia (Bulgarien) und dem Promoter Joel Josephson aus London (Großbritannien). Das Projekt wird von Armin Hottmann vom Kulturring koordiniert. Nach einer ersten Phase der wissenschaftlichen Bestandsaufnahme über Medienpädagogik und Mathematikunterricht im europäischen Vergleich veranstalteten die Projektträger "Pilot Workshops" in Norwegen und Bulgarien, um Unterrichts- und Fortbildungsmaterialen zu entwickeln und zu erproben. Das Pilotprojekt an Schulen in Trondheim und Sofia zeigte, dass nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Schülerinnen und Schüler die Videoarbeit im Mathematikunterricht interessant und wertvoll finden.

Im letzten Projektjahr sollen die Ergebnisse noch mehr verbreitet und ein Handbuch in allen Projektsprachen erstellt werden. Alle Projektergebnisse sind lizenzierte, offene Ressourcen. Über Veranstaltungen soll die Idee von "vidumath" in die Praxis und Lehreraus- und -fortbildung einfließen.

Projektdaten

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