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Von Crivitz nach Pemba

Eine Schulpartnerschaft zwischen Sansibar und Mecklenburg-Vorpommern

Müll sammeln, Müll vermeiden und Neues aus Abfall herstellen  – Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Tansania fanden beim Thema Plastikmüll einen gemeinsamen Nenner, um ihre Partnerschaft zu vertiefen. Der PAD stellt die Schulpartnerschaft des Gymnasiums am Sonnenberg in Crivitz (Mecklenburg-Vorpommern) mit der Msuka Secondary School Msuka auf der Insel Sansibar (Tansania) als Projekt des Monats April vor. Gefördert wurde der Austausch über Mittel der Initiative „Schule: Partner der Zukunft“ (PASCH).

Angefangen hatte alles vor fünf Jahren, als eine 7. Klasse im Gymnasium Am Sonnenberg ihre Liebe zu den Meerestieren entdeckte, für die der zunehmende Plastikmüll in allen Gewässern immer mehr zum Problem wird. Im projektorientierten Englischunterricht vertieften sie das Thema. Die Schülerinnen und Schüler begannen, sich für Abfallvermeidung zu interessieren, nähten Taschen für Basare und stiegen ins Upcycling ein. Als sie auf einem Projekttag ihrer Schule den Verein Sisi Pamoja (Swahili für „Wir gemeinsam“) aus dem Nachbarort kennenlernten, entstand die Idee zu einem Austausch mit Sansibar. Der Verein suchte für eine dortige Schule einen Partner in Deutschland. So wurden bald Briefe, E-Mails und Pakete hin und her geschickt, Taschen aus Palmstroh auf dem Weihnachtsmarkt Crivitz verkauft und der Erlös der afrikanischen Schule übermittelt. Es entstand die Idee, die Partnerschule zu besuchen. 

Zu Gast auf der Insel Pemba

Um den Besuch auf Pemba zu finanzieren, hatte die Gruppe einen Projektantrag beim Ensa-Programm von Engagement Global gestellt. Die Bewerbung war erfolgreich und 10 Schülerinnen und Schüler konnten sich im August 2018 mit zwei Lehrkräften auf den Weg machen. „Wir haben auf Pemba unsere Partner getroffen und es war wirklich alles toll organisiert. Bereits auf der zweistündigen Fahrt vom Fährhafen zur Schule begann ein reger Austausch und alle schnatterten durcheinander. Dort angekommen wurden wir wie Staatsgäste begrüßt.“  Drei Wochen sollten sie bleiben mit einem Programm, das zwischen Ausflügen und Projektarbeit wechselte. „Wir sind nicht gereist wie Touristen. Wir haben in Gastfamilien gelebt und die einfachen Verhältnisse, ohne Komfort und teilweise ohne Wasser im Haus, waren für die Jugendlichen eine Herausforderung.“

„Susanne, you are our Wakeup-Call!“

„Am Strand standen wir knöcheltief im Plastikmüll“, erinnert sich Susanne Bliemel, Englisch- und Deutschlehrerin im Gymnasium Am Sonnenberg, an ihren Besuch auf der Insel Pemba. Zunächst sahen die Partner darin kein Problem. Dann befragten die afrikanischen Schülerinnen und Schüler die Inselbewohner und erfuhren, welche direkten Folgen die fehlende Abfallentsorgung bereits gezeigt hat. Nutztiere fraßen Plastiktüten und starben daran, Drainagen verstopften und führten zu Überschwemmungen. „Susanne, you are our Wakeup-Call!“, stellte der Schulleiter der Partnerschule fest.

Und deshalb wurden die Schülerinnen und Schüler aus Crivitz und Pemba aktiv. Mit ihren Smartphones recherchierten sie, welcher Müll gefährlich ist und welcher verrottet. Da fehlten bei den meisten die Kenntnisse.  Gemeinsam hatten sie drei Wochen Zeit, um sich Lösungen zu überlegen. Es fehlte eine Abfallsammelstelle, also bauten sie eine. Sie hatten eine Fülle von leeren Plastikflaschen, also füllten sie sie mit Müll und bauten daraus Möbel. „An jeder Ecke der Insel gibt es optimalen Internetempfang. Die Schülerinnen und Schüler haben auch Bauanleitungen für Bausteine aus Müll und Plastikflaschen ("Ecobricks") heruntergeladen,“ so Susanne Bliemel.

Von Sansibar nach Deutschland

Als es für die versprochene Gegeneinladung überraschend keine Bewilligung von Ensa gab, setzte die Gruppe alle Hebel in Bewegung und suchte nach Sponsoren und Unterstützern. Der PAD förderte die Reisekosten, andere übernahmen die Visagebühren der Gäste und ermöglichten es den beiden Schulen, in Deutschland ein umfangreiches Programm auf die Beine zu stellen. Nach längeren Visa-Prozeduren, für die die Jugendlichen von Sansibar mit dem Schiff nach Daressalam zur deutschen Botschaft fahren mussten, eine Zweitagesreise, kamen schließlich zehn Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern zum Gegenbesuch nach Mecklenburg-Vorpommern.

Hier ging es 14 Tage um nachhaltiges Wirtschaften, Müllvermeidung und auch um die Kolonialgeschichte, die Deutschland und Tansania teilen. „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass wir diesen Austausch wirklich auf die Beine stellen“, sagt Susanne Bliemel heute. „Jetzt macht unsere Gruppe das Abitur und wir geben an Jüngere ab. Unsere Partner und wir wollen weitermachen, denn wir sind uns inzwischen vertraut und können noch vieles gemeinsam machen. Einige meiner Schülerinnen und Schüler möchten nach dem Abitur noch einmal dorthin fahren – und ich möchte das auch.“ 

Projektdaten: Hier klicken

Projekttitel »Lokaler Umgang mit Plastikmüll in Crivitz (D) und in Msuka (TZ)«

Ansprechpartnerin

Susanne Biemel, Lehrerin für Deutsch, Englisch, darstellendes Spiel

Projektpartner

  • Gymnasium am Sonnenberg, Crivitz (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Msuka Secondary School, Msuka (Tansania)

Förderprogramm

  • Der PAD förderte die Schulpartnerschaft des Gymnasiums am Sonnenberg mit 4.400 Euro aus Mitteln der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft (PASCH)". 

  • Weitere Förderer: Wemag Crowdfunding, Kirchlicher Entwicklungsdienst (KED), Engagement Global (AGP), Norddeutsche Stiftung Umwelt und Entwicklung.

Projektsprache

  • Englisch

Jahrgangsstufe

  • 11. und 12. Klasse

Projektlaufzeit

  • 2018/19
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