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Dem Licht auf der Spur

Naturwissenschaftliche Experimente und islamische Wissenschaftsgeschichte im deutsch-türkischen Schulaustausch

Schülerinnen und Schüler des naturwissenschaftlichen Oberstufenprofils "Modell und Wirklichkeit" der Klosterschule Hamburg erleben einen interkulturellen und naturwissenschaftlichen Austausch mit ihren Partnern aus der "Prof. Dr. Fuat Sezgin Schule" in der Nähe von Istanbul. Der PAD zeichnet die Partnerschaft als Projekt des Monats September 2016 aus.

Inhalte und Ziele des deutsch-türkischen Austauschprojekts

"Wir alle konnten unseren Horizont erweitern und unser Türkeibild verändern." Stefan Blanck, Lehrer für Mathematik und Physik an der Klosterschule Hamburg

Das Austauschprojekt mit der Prof. Dr. Fuat Sezgin Schule Silivri ist an der Klosterschule Hamburg an das Physikprofil "Modell und Wirklichkeit" der Oberstufe gebunden. Beteiligte Fächer sind Physik, Informatik und Philosophie. In dieser Fächerkombination liegt das Interesse begründet, mehr über die Geschichte der Naturwissenschaften zu erfahren. Sucht man nach den Ursprüngen zur Erforschung von Licht und Optik, findet man frühe Quellen in der arabischen Welt. Dieses Interesse führte das Hamburger Gymnasium nach Istanbul zum Museum für Geschichte der Wissenschaft und Technik im Islam, das seine wissenschaftlichen Sammlungen aus der Zeit vom 9. bis ins 17. Jahrhundert modern und anschaulich präsentiert.

Aus ersten Schülerprojekten am Museum in Istanbul entstand der Wunsch nach einer festen Partnerschule, um einen Schüleraustausch zwischen Hamburg und Istanbul zu beginnen. So entstand 2013 der Kontakt zur naturwissenschaftlich orientierten Prof. Dr. Fuat Sezgin Schule in Silivri, einer Stadt in der Nähe von Istanbul. Für die Klosterschule ist die türkische Schule auch deshalb ein interessanter Austauschpartner, weil sie so ihren Schülerinnen und Schülern mit türkischem Migrationshintergrund die Möglichkeit gibt, die aktuelle Türkei kennenzulernen. Ziel der Begegnungen sollte nicht nur der interkulturelle Austausch mit Menschen aus einem islamisch geprägten Land sein. Gleichzeitig interessieren sich die Hamburger für die arabischen Wurzeln moderner Naturwissenschaft.

Die Schülerinnen und Schüler als Gastgeber und Organisatoren

"Wir haben gesät und werden erleben, wie die Partnerschaft über die Jahre Früchte tragen wird".

Im Mai 2015 kamen 23 türkische Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren mit zwei Lehrkräften für eine Woche nach Hamburg. Die deutsche Schülergruppe meisterte die Herausforderung als Gastgeber mit großem Verantwortungsbewusstsein. Sie organisierten alle Aktivitäten des Besuchsprogramms. Sie brachten ihre Gäste in Familien unter und betreuten ihre Partner während des Austauschs. Die türkischen Jugendlichen, die teilweise noch nie ohne ihre Eltern verreist oder im Ausland waren, fühlten sich willkommen. "Mein Gastbruder sagte zu mir: My home is your home", schreibt ein Schüler aus Istanbul in seiner Auswertung. Stefan Blanck würdigt den großen Einsatz der Hamburger Schülerinnen und Schüler und stellt fest, dass die Gruppe an ihrer Aufgabe gewachsen sei. Die positiven Erlebnisse halfen, bestehende Vorurteile abzubauen – auch bei den Eltern. "Die türkischen Schüler waren sehr höfliche Gäste, die pünktlich und diszipliniert am Programm teilnahmen."

Sind die Hamburger Schülerinnen und Schüler in der 11. Klasse, sind sie Gastgeber für die türkischen Partner. In der 12. Klasse sollten sie dann die Türkei besuchen. Durch die aktuelle politische Situation in dem Land musste der Gegenbesuch in Istanbul abgesagt werden. Die Zukunft des Austauschs liegt im Ungewissen. Stefan Blanck ist jedoch überzeugt, dass die durch die Austauschaktivitäten entstandenen Strukturen weiterbestehen werden. "Die positive Erfahrung mit den Gastschülern vererbt sich. Wir haben gesät und werden die Früchte des Austauschs irgendwann ernten."

Der wissenschaftliche Austausch als interkulturelle Erfahrung

"Unsere Schülerinnen und Schüler mit türkischem Migrationshintergrund sprechen zuhause zwar Türkisch, viele haben jedoch keine Verbindung mehr zur Türkei. Mit diesem Austausch gelang uns nicht nur eine fachwissenschaftliche, sondern auch eine kulturelle Anknüpfung, mit der wir ihre Seele berührt haben." Stefan Blanck, Lehrer für Mathematik und Physik an der Klosterschule Hamburg

Im Mittelpunkt der Austauschbegegnung in Hamburg standen Experimente und Vorträge zur Erforschung des Lichts. Die Jugendlichen bauten Lochkameras und entwickelten ihre Fotos in der Dunkelkammer. Sie experimentierten mit einer Nebelkammer zum Nachweis ionisierender Strahlung. Über die moderne Seite der Lichtphysik, über Teilchen und Wellenkonzept, informierten sich die Schülerinnen und Schüler an der Forschungseinrichtung DESY, dem Deutschen Elektronen-Synchrotron. Als philosophisches Angebot sprach die Hamburger Journalistin und Tochter des Schulgründers der Partnerschule, Hilal Sezgin, über ethische Fragen der Ernährung und interkulturelle Erfahrungen.

Während der Begegnung haben die Jugendlichen in deutsch-türkischen Kleingruppen gearbeitet, sich fachliche Themen erarbeitet, vorbereitete Inhalte vermittelt und gemeinsam präsentiert. Die Hamburger Schülerinnen und Schüler hatten sich vor dem Treffen mit der Aufnahme und Entwicklung von Lochkamera-Fotos beschäftigt und die türkischen Schülerinnen und Schüler hatten sich auf historische Aspekte der Wissenschaftsgeschichte vorbereitet.

Weitere interkulturelle Erfahrungen konnten die Partner durch Vorträge, Unterrichtsbesuche, das Wohnen in den Familien und ein umfangreiches Kultur- und Freizeitprogramm sammeln, das eine Brücke zwischen beiden Welten geschlagen hat.

Das Wissen um die wissenschaftlichen Leistungen im islamischen Kulturkreis und die Austauscherfahrungen haben bei allen beteiligten Schülerinnen und Schülern dazu beigetragen, bestehende Vorurteile gegen die Türkei abzubauen. Für die Hamburger Schülerinnen und Schüler mit türkischen Wurzeln bedeutet der Austausch auch eine Anerkennung ihrer Herkunftskultur durch die Schule. Es bedeutet ihnen viel, wenn diese den Beitrag von Wissenschaftlern im arabischen Raum zur Erforschung physikalischer Phänomene würdigt.

Ein Austausch mit Wirkung für alle

Die Lehrkräfte hatten ihre türkischen Kollegen zuhause aufgenommen. Sie erlebten den Austausch als Bereicherung und veränderten ihr Türkeibild im positiven Sinne. Für die türkischen Kollegen war es interessant zu erfahren, welche Forschungsmöglichkeiten Hamburg bietet und wie die Schule das städtische Umfeld in den Lernalltag einbezieht. "Sie haben unsere völlig andere Schulkultur erlebt und gesehen, wie selbstverständlich bei uns ein hoher  Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist", stellt Stefan Blanck fest. Internationaler Austausch und eine offene Schulkultur mit vielen Freiräumen ist an der Hamburger Schule selbstverständlich. So sei die Bereitschaft der Schulgemeinde, das Austauschprojekt zu unterstützen, sehr groß. Drei Physiklehrer betreuen wechselnd den Austausch mit der Türkei und die Schulleitung ermöglicht großzügig, dass die beteiligten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in der Austauschwoche freigestellt werden.

Die Schulöffentlichkeit hat den Austausch sehr positiv aufgenommen und sich auch für die fachlichen Inhalte begeistert. Insbesondere die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund haben sich noch mehr wertgeschätzt gefühlt. "Unsere Schüler fühlen sich mit ihren 'zwei Seelen' besser angenommen. Bei den beteiligten Lehrern wurde die Begegnung inhaltlich als sehr fruchtbar und persönlich als bereichernd wahrgenommen. Der Austausch hat die Unterstützerbasis unter den Schülern, Lehrern und Eltern verbreitert", stellt Stefan Blanck rückblickend fest. So haben es zukünftige Projekte leichter.

Projektdaten

"Das Licht in der Wissenschaftsgeschichte" – Deutsch-Türkische Projektpartnerschaft zwischen der Klosterschule Hamburg und dem Prof. Dr. Fuat Sezgin Fen Lisesi, Silivri, Istanbul (Türkei)

Ansprechpartner

  • Stefan Blanck, Lehrer für Mathematik und Physik an der Klosterschule Hamburg
  • Die Klosterschule Hamburg wurde 1872 als Höhere Mädchenschule gegründet. 1992 wurde sie zu Hamburgs erstem staatlichen Ganztagsgymnasium. Heute besuchen ca. 1000 Schülerinnen und Schüler die Klosterschule. Sie werden von etwa 75 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Die Klosterschule zeichnet ihr in Hamburg einzigartiger kultureller Schwerpunkt aus. 2015 wurde das "GanztagsGymnasium Klosterschule" mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.

Partner

  • Prof. Dr. Fuat Sezgin Fen Lisesi, Silivri, Istanbul (Türkei)
  • Das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in der Helmholtz-Gemeinschaft ist ein Forschungszentrum für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit Sitz in Hamburg und Zeuthen. Mit Schülerlaboren, Besichtigungsprogrammen oder dem Science Café bietet das DESY in Hamburg spannende Einblicke in moderne Naturwissenschaften. Am DESY erhielten die SuS einen Vortrag und eine wissenschaftliche Fürhung, die auch auf türkisch angeboten wurde.
  • Der Musikbereich der Schule hatte ein hochwertiges Musikprogramm zusammengestellt.
  • Hilal Sezgin, deutsch-türkische Journalistin und Autorin, kam zu einer interkulturellen Diskussion an die Schule, unter anderem zu Tierethik und veganer Ernährung.
  • Ilan Wolff, internationaler Fotokünstler, bereitete das Loch-Kameraprojekt mit einem Workshop vor.

Projektsprachen

  • Englisch, Deutsch

Projektlaufzeit

  • Die Partnerschaft besteht seit 2013. Das Projekt "Das Licht in der Wissenschaftsgeschichte" fand von April bis Mai 2016 statt.

Förderprogramm

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