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My hometown soldier is a European soldier

Beispiel für ein europäisches eTwinning-Projekt

Schülerinnen und Schüler aus fünf europäischen Ländern erinnern an den Ersten Weltkrieg, indem sie in ihrer Stadt nach Spuren des Krieges und persönlichen Zeugnissen damaliger Soldaten suchen. Auf der Internetplattform eTwinning tauschen sie sich mit ihren Projektpartnern aus, was sie über "ihren Soldaten" in Erfahrung bringen konnten, welche Erinnerungen an den Krieg in Form von Denkmälern oder Kriegsgräbern überliefert sind und wie der Soldatenalltag in Literatur und bildender Kunst vermittelt wurde. Die Ergebnisse sind in eBooks festgehalten, sodass eine virtuelle Ausstellung entstand. Der PAD stellte das beispielhafte eTwinning-Projekt als "Projekt des Monats" im April 2015 vor.

Das Projekt

"Wir wurden gefragt, wer sind eure Helden? Wir verwenden diesen Begriff gar nicht gern. Wir haben als Gruppe vermittelt, dass wir allen Opfern gedenken, aus allen Ländern, auch an die, die gegen uns gekämpft haben." Walter Joos, Projektleiter Aalen

Das eTwinning-Projekt geht auf die Initiative zweier Schulen in Frankreich und Italien zurück. Schülerinnen und Schülern mehrerer Partnerschulen in Europa sollten die unterschiedlichen nationalen Blickwinkel auf geschichtliche Ereignisse kennenlernen. In Erinnerung an den Ersten Weltkrieg ließ das Projekt die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass alle Europäer das gleiche Schicksal teilten, unabhängig von der Seite, auf der sie kämpften. Gleichzeitig erkannten sie, wie unterschiedlich in den einzelnen Nationen mit dieser Erinnerung umgegangen wird.

Im Schuljahr 2013/14 schloss sich die Kaufmännische Schule Aalen dem Projekt an, obwohl das vorgeschlagene Thema Erster Weltkrieg in der 11. Klasse der berufsbildenden Schule nicht im Lehrplan behandelt wird. Der Projektleiter Walter Joos ist Lehrer für Evangelische Religion und Betriebswirtschaftslehre und erfahren in europäischer Projektarbeit. Er konnte Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse motivieren, sich in einer freiwilligen eTwinning-Arbeitsgemeinschaft dem Thema Erster Weltkrieg zu widmen.

Die unterschiedliche Sicht auf ein und dasselbe Ereignis

Zu Beginn des Projekts lernten sich die Schülerinnen und Schüler kennen, indem sie ihre Schule, ihre Stadt und ihr Land vorstellten. Dafür nutzten sie die Möglichkeiten des virtuellen Klassenzimmers bei eTwinning. Als Einstieg in die Thematik dienten allen Klassen zeitgenössische Gedichte und Lieder, die den Ersten Weltkrieg thematisieren und die sie für ihre Partner übersetzten.

Welche Spuren die Ereignisse vor hundert Jahren in den einzelnen Städten hinterlassen hatten, interessierte die Jugendlichen als Nächstes. Sie suchten städtische Archive, Museen und Gedenkorte auf. Sie erhielten nicht nur einen Eindruck, wie Menschen den Ersten Weltkrieg vor Ort erlebten, sondern auch, auf welch unterschiedliche Weise an die Opfer erinnert wird. Sie lasen alte Zeitungen, übersetzten Texte, die in Sütterlin geschrieben wurden oder lernten Quellen zu interpretieren. Für viele überraschend waren die zahlreichen Überlieferungen, die sie in ihren eigenen Familien zu Tage fördern konnten. Da gab es Briefe und Fotos, alte Orden und auch noch persönliche Erinnerungen. Was in der großen Politik passierte, hatte Spuren im Alltag hinterlassen. Jede Klasse fand schließlich einen "Home Town Soldier", dessen Geschichte sie erforschten und für die anderen im Projekt dokumentieren. Die Schülerinnen und Schüler aus Aalen spürten alte Chroniken auf, die vom Alltag und den Entbehrungen in den Dörfern während des Ersten Weltkriegs zeugten. Mit den Briefen "ihres" Soldaten Eugen Lenz lernten sie einen Mann kennen, der wie sie selbst Berufsschüler an ihrer Schule war und bis 1921 in französischer Gefangenschaft bleiben musste.

Freundschaft über den Gräbern

Für die Jugendlichen aus Aalen und St. Niklaas ist ein gemeinsames Treffen in Belgien der Höhepunkt. Gemeinsam besuchten sie Gedenkstätten in und um Ypern und nahmen dort an der Zeremonie "The Last Post" im Menem-Tor teil. Das Engagement und die Ausdauer seiner Schüler erstaunt den deutschen Lehrer – ihr Interesse am Thema und an der Zusammenarbeit mit den belgischen Partnern ist so groß, dass sie mit ihnen mehrere Soldatenfriedhöfe an einem Nachmittag besuchen, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Im Museum Sint Niklaas präsentieren sie ihre Projektergebnisse auf Englisch und hören den belgischen Partnern zu, die ihren "Hometown-Soldier" vorstellen. Unterstützung erhalten sie von der Firma Zeiss, die das Engagement ihrer Auszubildenden in Aalen zur Versöhnungsarbeit und Kriegsgräberfürsorge auch finanziell fördert und die Reise nach Sint Niklaas ermöglicht hat.

Europäischer Austausch mit eTwinning und COMENIUS

"Ein Austausch über eTwinning ist unbürokratisch und unproblematisch. Meine Einführung erhielt ich durch französische Kollegen“. Walter Joos, erfahrener eTwinner an der Kaufmännischen Schule Aalen.

Das Wirtschaftsgymnasium Aalen hat bereits zwei COMENIUS-Projekte durchgeführt, die auch mit einem eTwinning-Austausch begannen. Ein neues Erasmus+-Projekt ist in Vorbereitung. Projektleiter Walter Joos, der selbst keine Fremdsprachen unterrichtet, verbessert seine Englischkenntnisse durch die europäische Projektarbeit "ganz nebenbei". Er nutzt zusätzlich die Fortbildungmöglichkeiten von eTwinning, indem er an einem auf der Internetplattform angebotenen Englischkurs teilnimmt. Sein Engagment für den europäischen Austausch trägt Früchte: Im Frühjahr 2015 erhielt die Kaufmännische Schule Aalen beim Wettbewerb um das Deutsche eTwinning-Qualitätssiegel den "Spezialpreis für Erinnerungskultur".

Projektdaten

"My home town soldier is a European soldier or how to celebrate the centenary of the First World War "

Ansprechpartner

Walter Joos, Lehrer für Evangelische Religion und Betriebswirtschaftslehre
Kaufmännische Schule Aalen
Steinbeisstr. 4
73430 Aalen

Projektpartner

  • Lycée Henri Leroy, Port Saint Louis du Rhône (Frankreich)
  • I.S. "Monselice e Conselve", Monselice (Italien)
  • Berkenboom Humaniora, St. Niklaas (Belgien)
  • Hayes School, Hayes (England)

Weiterführende Websites

Projektsprache

  • Englisch

Projektlaufzeit

  • Schuljahr 2013/14

Förderprogramm

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