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Philosophieren mit MINERVA

Jugendliche aus Zrenjanin und Herzogenrath diskutieren über existenzielle Fragen und schreiben eine philosophische Jugendzeitschrift

Minerva ist der Name für eine philosophisch-interkulturelle Projektpartnerschaft zwischen dem Städtischen Gymnasium Herzogenrath (Nordrhein-Westfalen) und dem Zrenjaninska gimnazija in Zrenjanin (Serbien). Seit zwei Jahren kommen Schülerinnen und Schüler in den Genuss gegenseitiger Gastfreundschaft und philosophischer Einsichten, die sie durch intensive Textlektüre und interkulturellen Austausch gewinnen. Der PAD fördert die Partnerschaft im Rahmen der Initiative des Auswärtigen Amtes "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) und zeichnete sie als "Projekt des Monats" im Oktober 2014 aus.

Projektbericht

"Wir tauschen uns nicht nur über philosophische Positionen, sondern auch über die individuellen Erfahrungen mit unserer Geschichte aus. Sich zuzuhören und zu verständigen ist unser Anliegen. Das findet nicht auf einer Tralala-Ebene statt, sondern mit dem Bemühen, etwas zu kapieren." Frank Becker, Deutsch- und Philosophielehrer am Städtischen Gymnasium Herzogenrath

Die deutsch-serbische Projektpartnerschaft zwischen den beiden Gymnasien entstand 2013 auf dem internationalen Kultur- und Wissenschaftsfestival EURIADE im niederländischen Kerkrade. Seitdem koordinieren die beiden Philosophielehrer Frank Becker in Herzogenrath und Aleksandra Maksic in Zrenjanin die Partnerschaft. In jedem Schuljahr verabreden die Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler ein Thema für den philosophischen Austausch und bringen am Jahresende gemeinsam eine Ausgabe der Zeitschrift "Minerva" heraus. Im Laufe eines Jahres setzen sich die Schülerinnen und Schüler beider Schulen kursübergreifend mit dem verabredeten Thema auseinander, veröffentlichen ihre Ergebnisse auf der Homepage www.owl-of-minerva.org und diskutieren ihre philosophischen Thesen und Essays im gemeinsamen Chat. An den Begegnungen im Herbst in Serbien können bis zu 15 interessierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 12 teilnehmen, während beim Besuch der Partner in Deutschland mehr Interessierte in der Schule und auch in der Stadt mit einem abwechslungsreichen philosophischen und kulturellen Programm angesprochen werden.

Praktisches Philosophieren im interkulturellen Austausch

"I learned that people, no matter where they live, are looking for the same things. Philosophy gives us questions to think through. Through fun and thinking we accomplish it – and I loved it." Schüler des Gymnasiums in Zrenjanin (Serbien)

Anlässlich des 200. Geburtstags von Søren Kierkegaard, einem Wegbereiter der Existenzphilosopie, diskutierten die Partner in ihrem ersten Projektjahr die unterschiedlichen Positionen des Existenzialismus. Die Schülerinnen und Schüler stellten sich der Frage, inwiefern sich aus der menschlichen Fähigkeit zur kritischen Reflexion die Notwendigkeit ergibt, für das eigene Leben und den Sinn, den jeder sucht, Verantwortung zu übernehmen.

Im zweiten Projektjahr setzten sich die Schülerinnen und Schüler auf eigenen Wunsch mit Vertretern der politischen Philosophie wie Zoran Đinđić und Jürgen Habermas auseinander. Sie diskutierten, welche Bedeutung die philosophischen Positionen für ihre individuellen Lebensentwürfe und die Teilhabe an einer (politischen) Gemeinschaft haben. Während ihrer binationalen Begegnungen diskutieren sie darüber in Workshops, die auch an ungewöhnlichen und inspirierenden Orten wie einer Kunstgalerie, einem Stadtpark oder dem Revolutionsdenkmal in Fruska Gora stattfanden.

Armut und Gerechtigkeit als philosophisches Thema

In Herzogenrath befassten sie sich mit Fragen von Gerechtigkeit und Solidarität, setzten sich mit Armut und internationalen Hilfsprojekten auseinander. Außerdem nahmen alle an einem Programm teil, um die kulturellen und historischen Besonderheiten des Partnerlandes kennenzulernen. Zum Abschluss präsentieren sie ihre Ergebnisse und Überlegungen in der eigens für die Partnerschaft gegründeten Jugendzeitschrift MINERVA, die auch Material für den Philophieunterricht bietet.

Aus der Sicht des Herzogenrather Englisch- und Geschichtslehrers Christian Reiferth ist der Serbien-Austausch ein großer Erfolg. "Der Schullalltag ist vielfach geprägt von Idealvorstellungen. Das Projekt zeigte schnell das soziale, kreative und inhaltliche Potential, Dinge ernst zu nehmen und konkret anzusprechen. Das haben wir gespürt, als sich serbische und deutsche Schüler zum Beispiel auf dem Gebiet der Burg Vogelsang in englischer Sprache über komplizierte Fragen und Inhalte der deutschen Vergangenheit austauschten."

Anspruchsvoller Austausch mit Wirkung

"Dieser Austausch ist so motivierend, weil er kontinuierlich stattfindet und sich nicht auf zwei Begegnungen im Jahr beschränkt. Wir integrieren ihn in unseren Philosophieunterricht und auch die Schüler bleiben über das Internet in Kontakt." Frank Becker, Deutsch- und Philosophielehrer am Städtischen Gymnasium Herzogenrath

Neben den bemerkenswerten Fortschritten mit Blick auf die Auseinandersetzung mit Texten und Grundgedanken der Existenzphilophie stellt der Herzogenrather Philosophielehrer Frank Becker auch Wirkungen auf die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler fest. "Nach erfolgreicher Bewältigung der fachlichen und sprachlichen Herausforderungen konnten viele unter ihnen mit sichtlich gestärktem Selbstvertrauen sowie auch mit spürbarer Freude über neu geschlossene Freundschaften nach Hause fahren." Mit seinen Kolleginnen freut er sich darüber, mittels eines philosophischen Fachaustausches den Jugendlichen diese persönlich bedeutsame Erfahrung ermöglichen zu können. Die Wirkung des Austauschprojekte zeige sich im Unterricht der beteiltigten Jahrgangsstufen auch durch ein wachsendes Interesse an philosophischen Themen.

Die Verständigung funktioniert in englischer Sprache. Die Jugendlichen, bei ihren Diskussionen um sprachliche Genauigkeit bemüht, helfen sich auch mit Übersetzungsprogrammen, die sie über ihre Mobiltelefone aufrufen. Im zweiten Jahr beteiligen sich auch Deutsch lernende Schülerinnen und Schüler aus Serbien am Austausch und ein Jugendlicher aus Deutschland mit serbischen Wurzeln hat sich dem Projekt angeschlossen. 

Projektdaten

Philosophisch-interkulturelle Projektpartnerschaft zwischen dem Städtischen Gymnasium Herzogenrath (Nordrhein-Westfalen) und dem Zrenjaninska gimnazija in Zrenjanin (Serbien)

Beteiligte Lehrkräfte

  • Aleksandra Maksic, Philosophielehrerin, Zrenjanin, sowie weitere Lehrerinnen und Lehrer in Zrenjanin
  • Frank Becker, Städtisches Gymnasium Herzogenrath
  • Katrin Steinmüller-Fois, Philosophielehrerin, Herzogenrath
  • Sarah Schubert, Philosophielehrerin, Herzogenrath
  • Christian Reiferth, Lehrer für Geschichte und Englisch, Herzogenrath

Weiterführende Websites

Projektsprachen

  • Englisch, Deutsch

Projektlaufzeit

  • Seit 2013

Förderprogramm

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