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Fair Trade in Stuttgart und Kandy

Eine Schulpartnerschaft zwischen Sri Lanka und Baden-Württemberg

Alles ist anders und doch vertraut – dieses Resümee ziehen die Beteiligten an der Schulpartnerschaft zwischen dem Mädchengymnasium St. Agnes in Stuttgart und dem Hillwood College in Kandy. Die 16- bis 17-jährigen Schülerinnen aus Sri Lanka und Deutschland freundeten sich an, während sie Land und Menschen kennenlernten, die Wege der Fair Trade Produktion in Sri Lanka nachverfolgten und sich in Stuttgart kritisch mit Konsum befassten. Der PAD stellt die Schulpartnerschaft als Projekt des Monats September vor. Gefördert wurde der Austausch über Mittel der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH).

Ein freundschaftlicher Austausch

Seit mehreren Jahren pflegt das St. Agnes Gymnasium Stuttgart, eine katholische Privatschule für Mädchen, eine Partnerschaft mit dem Hillwood College in Kandy, Sri Lanka. Da das Interesse an diesem Austausch sehr groß ist, müssen sich die Schülerinnen bewerben und ihre Motivation erläutern. „Wir achten darauf, dass die Verlässlichen und Interessierten mitfahren, die mit dem offenen Blick“, stellt Daria Segoloni fest. Sie ist Englisch-, Italienisch- und Geschichtslehrerin am St. Agnes und hat die Koordination des Austauschs vor zwei Jahren übernommen. Es gehe schließlich um einen wirklichen interkulturellen Austausch, begründet sie das Auswahlverfahren. Wie gut der Austausch funktioniert, hat sie und ihre Kollegin „total umgehauen“. Die Schülerin Mia zum Beispiel fand in Chanali eine Partnerschülerin, die wie sie selbst neugierig auf Geschichte und Kultur beider Länder ist. Mia findet das heute immer noch bemerkenswert: „Wie kann es sein, dass mich am anderen Ende der Welt ein Mädchen erwartet, das meine Interessen teilt und die in ihrer Persönlichkeit so ähnlich ist?“  

Zu Besuch in Kandy

Im Februar 2019 flogen 13 Schülerinnen mit ihren Lehrerinnen Daria Segoloni und Annika Schlücker nach Colombo, um sich von dort auf den Weg zu ihrer Partnerschule zu machen. Da die wenigsten dieser 16- und 17-Jährigen bis dahin eine so weite Reise unternommen hatten, ohne ihre Familien und ohne ihre Freunde, waren sie entsprechend aufgeregt.  Erschöpft nach der 24-stündigen Anreise, fühlten sie sich bei der Ankunft wie erschlagen von Hitze und Luftfeuchtigkeit. Der Straßenverkehr, die Farben und die Geräusche, alles war anders – und gleichzeitig fühlten sie sich nach dem warmherzigen Empfang vertraut mit den Partnerinnen. Die Schülerin Helen hatte vorher Angst, ob die Kommunikation klappt. „Aber das Menschliche ist richtig gut gelaufen. Man lernt Leute kennen, die so weit weg in einem anderen Kulturkreis leben, und man versteht sich trotzdem, hat Spaß miteinander, tanzt und es verbindet einen so viel.“  

Zwei Wochen lebte die Gruppe in Gästehäusern auf dem Campus des Colleges. Beim gemeinsamen Essen setzten sie ihre Partnerinnen in Erstaunen, weil ihnen die Schärfe der Speisen den Atem nahm. „Das Essen war bombastisch, aber so scharf“, sagt Helen. An zwei Tagen nahmen sie am Unterricht teil. „Wir erlebten die große Vielfalt der Schule, gingen zu den Deutschstunden aber auch zum landwirtschaftlichen Unterricht. Es war nicht so theoretisch wie bei uns, sondern interaktiver“, fand ihre Mitschülerin Mia, die das Pflanzen von Gemüse im Schulgarten, das Musizieren und Tanzen beeindruckte. Am Wochenende nahmen die Schülerinnen ihre Gäste mit in ihre Familien. „Wir waren sehr, sehr willkommen. Es war so ein offener Umgang miteinander und wir haben tausend Fragen beantwortet, aber auch selbst gestellt“, erzählt Mia. Beeindruckt waren alle, wie harmonisch in der Schule und in den Familien verschiedene Religionen unter einen Hut gebracht wurden. "Jeden Morgen standen die über 1.000 Schülerinnen des College vor ihren Klassenzimmern, sangen die Nationalhymne und sprachen das Morgengebet, jede in ihrer Religion. Diese religiöse Toleranz hat mich berührt", erinnert sich Daria Segoloni an ihren Besuch in Kandy. 

Projektarbeit zum Thema Fair Trade

Die Idee zum gemeinsamen Projektthema „Fair Trade und Armutsbekämpfung“ entstand in Stuttgart, da es an der Schule einen Fair-Trade Laden gibt, der auch mit Produkten aus Sri Lanka handelt. Die Reise bot den Jugendlichen Einblicke in alle Bereiche des Lebens. Sie erlebten nicht nur die faszinierende Natur, begegneten Elefanten und besuchten Teeplantagen. “Wir wissen jetzt, wo und unter welchen Bedingungen der Ceylon-Tee gepflückt wird, den wir im Supermarkt kaufen“, berichtet Mia. Sie besichtigten auch eine Fabrik, die fair gehandelte Textilien für den Export herstellt. „Wir haben die einzelnen Stationen der Produktion abgefahren und konnten sehen, wie in der Färberei darauf geachtet wurde, das Wasser zu filtern, sodass es nachher zum Gießen benutzt werden konnte“, erinnert sich Helen. Nach dem Besuch kauften alle die dort hergestellte Stofftasche mit dem Elefantenmuster. „Ich habe sie als Schultasche genutzt und manchmal, wenn ich heute in einem Fair-Trade-Laden bin und das Muster sehe, mache ich ein Foto und teile es in unserer Gruppe,“ sagt Helen.

Wiedersehen in Stuttgart

„Wir haben in Stuttgart beim Gegenbesuch im Herbst unseren Schülerinnen die Regie überlassen. Die Freude, sich wiederzusehen, war bei ihnen so groß, dass wir als Lehrerinnen abgeschrieben waren“, erinnert sich Daria Segoloni an das Programm im November 2019. „Es war, als hätten wir sie nicht verlassen, alle waren ganz vertraut“, berichtet Helen. Auch in Stuttgart arbeiteten sie weiter am Thema, nahmen an einem Workshop „Globales Klassenzimmer“ teil und erlebten gemeinsam eine „Friday-for-Future“-Demonstration.  

Während die Begleitlehrkräfte auf dem Gelände der Schule wohnten, lebten die Schülerinnen in den Familien ihrer Partnerinnen. Sie genossen das abwechslungsreiche Programm, besuchten das Volksfest Cannstatter Wasen und gingen wie die deutschen Schülerinnen in Sri Lanka auf die Suche nach typisch deutschen Souvenirs. Waren es bei den einen die fremden Gewürze und der Tee, freuten sich die Mädchen aus Sri Lanka über Schokoladenweihnachtsmänner. Am Ende tauschten sie ihre Saris und Dirndl und der ICE am Hauptbahnhof musste warten. „Bei der Abreise sind Tränen geflossen. Wir wussten ja alle wie lang die Strecke ist – und dass man sich vielleicht nie wiedersieht.“ 

Projektdaten: Hier klicken

Projekttitel »Fairer Handel und Armutsbekämpfung«

Ansprechpartnerin

Daria Segoloni, Lehrerin für Englisch, Italienisch und Geschichte

Projektpartner

  • St. Agnes Gymnasium, Stuttgart (Baden-Württemberg)
  • Hillwood College, Kandy (Sri Lanka)

Förderprogramm

  • Der PAD förderte die Schulpartnerschaft aus Mitteln der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft (PASCH)" mit 5.000 Euro für Reisekosten und Projektarbeit.

Projektsprache

  • Englisch

Jahrgangsstufe

  • 11. und 12. Klasse

Projektlaufzeit

  • 2019
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