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Schule gestaltet Vielfalt: Das Schiller-Gymnasium Köln im Wandel

Seit Februar 2016 werden im Schiller-Gymnasium in Köln (Nordrhein-Westfalen) mittlerweile 100 geflüchtete Kinder in fünf Vorbereitungsklassen auf den Übergang in die Regelschule vorbereitet. Im Video des Pädagogischen Austauschdienstes kommen Schulleitung, Lehrkräfte, Eltern- und Schülervertretung ebenso zu Wort wie Schülerinnen und Schüler, die die neuen Mitschüler bei der Integration unterstützen.

Die Schulleitung: Wie organisiert die Schule den Unterricht der jungen Flüchtlinge?

Anni Schulze-Krause ist Schulleiterin des Schiller-Gymnasiums Köln.

  • Vor ungefähr einem Jahr sind wir von der Schulbehörde angesprochen worden, ob wir uns vorstellen könnten, dass wir die Aufgabe übernehmen, junge Flüchtlinge auf die Regelschule vorzubereiten. In die Stadt Köln sind viele Kinder, Jugendliche gekommen, die aus den Kriegsgebieten geflohen sind.
  • Wir sind von der Stadt gefragt worden, weil unsere Dependance in der Lotharstraße sich dafür anbietet. Dort ist ein großes Gebäude mit 17 Räumen, die für uns zur Verfügung stehen. Die Stadt war ursprünglich davon ausgegangen, dass bis zu zehn Vorbereitungsklassen in diesen Räumen unterrichtet werden können. Wir haben jedoch beschlossen, die Vorbereitungsklassen nicht en bloc dort drüben zu beschulen. Vielmehr haben wir sie hier in unserem regulären Schulgebäude auf dem Schulgelände untergebracht.
  • Wir haben einen Antrag gestellt im Rahmen dieser Opens internal link in current windowLeitaktion 1 zum Programm Erasmus+ . Wir wollen vor allem über den Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen, die Erfahrungen haben im Umgang mit heterogenen Gruppen, im Umgang mit Flüchtlingskindern hier an Fortbildungskursen teilnehmen. Wir werden beispielsweise auch nach Amsterdam fahren und dort die Schulen besuchen. Wir werden in Schulen hospitieren, die innovativ an diesen Stellen arbeiten, die mit Vorbereitungsklassen Erfahrungen haben. Die mit der Arbeit in diesen vielfältig gestalteten Lerngruppen vieles vielleicht schon mitgeben können und von daher unsere Unterrichts- und Schulentwicklung mit positiv gestalten.

Die Lehrerinnen: Welchen Herausforderungen müssen Sie sich stellen?

Janina Hoffmann (Lehrerin):

  • Die Kinder, die hierhin kamen, für die war das, glaube ich, ein riesiger Schock. Viele Kinder konnten fünf Jahre lang nicht zur Schule gehen. Die Kinder waren nicht gewohnt, auf Stühlen zu sitzen. Einige Kinder konnten keinen Stift halten. Es war kaum Kommunikation möglich. Wenn, nur auf emotionaler Ebene. Und das hat uns vor ein riesen Problem gestellt.

Marion Berkenhoff (Lehrerin):

  • Als wir angefangen haben, haben wir uns ja vorgenommen, die Klassen möglichst klein zu halten. Jetzt ist aber ein so starker Ansturm gekommen, dass wir zum Teil jetzt schon über zwanzig Schüler in den Klassen haben. Unser Hauptaugenmerk liegt ja darauf, dass sie sich möglichst schnell im Alltag zurecht finden, möglichst schnell Deutsch lernen, um dann auch an die Regelschulen übergehen zu können.
  • Ich muss aber dazu sagen, dass wir wahnsinnig unterstützt worden sind von den Schülern dieser Schule, von Eltern der Schule und auch von den Kollegen, so dass sich relativ schnell so ein Eingewöhnungsprozess entwickelt hat.

Janina Hoffmann (Lehrerin):

  • Anfangs haben die Schüler mich immer gefragt: „Wie macht man das so, Frau Hoffmann? Wie sollen wir denn die neuen Mitschüler fragen? Wie soll man sie denn ansprechen? Auf Englisch?“ Da habe ich gesagt: "Nein, Englisch verstehen sie nicht.“ „Auf Deutsch?“ Da habe ich gesagt: „Deutsch verstehen sie auch noch nicht.“ „Und wie machen wir das dann?“ Ja, ihr müsst sie irgendwie an die Hand nehmen, ihr müsst was zeigen, vormachen. Und das hat natürlich anfangs für Distanz gesorgt. Die hatten Angst. Und jetzt ist es so, dass sie einander kennen. Man kennt Spiele zusammen. Auch durch den Sportunterricht und weiß jetzt auch, wie man in der Pause miteinander spielt … mit nem Ball oder wie man aufeinander zugeht.
  • Die unterschiedlichen Voraussetzungen kann man eigentlich nur abfangen, indem man dafür sorgt, dass jedes Kind mit seinem Lernstand entsprechenden Material arbeiten kann, das heißt, wir arbeiten mit unheimlich vielen verschiedenen Lehrwerken.
  • Ich würde mir wünschen, dass es sowohl innerhalb Deutschlands einen besseren Austausch gibt, als auch international.

Die Schülerinnen und Schüler: Was hat sich verändert?

Samira (Schülerin):

  • Ich finde in der Schule ist eigentlich alles relativ gleich geblieben. Die Schüler, also die aus den Regelklassen, gehen ziemlich normal damit um und die Lehrer haben sich eigentlich auch nicht verändert.

Laith (Schüler):

  • Jetzt hat man halt noch mehr Kontakt mit denen und der Kontakt ist immer schön. Und deshalb: Eigentlich nur positive Veränderungen.

Lina (Schülerin):

  • Ich habe eigentlich einen ganz guten Eindruck. Also ich merke das halt vor allem im Moment. Wir organisieren von der SV so ein Patenschaftssystem und da wollen unglaublich viele Schüler mitmachen und wir haben noch gar nicht so viele Flüchtlingskinder, dass alle Schüler einen Paten kriegen können.

Taha (Schüler):

  • Mathematik, meine Lehrerin, Sport und meine Freunde – das gefällt mir in dieser Schule.

Die Schulsozialarbeiterin und die Schulpflegschaft: Wie klappt es jetzt?

Birgit Mozdzanowski (Stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende):

  • Wir machen das jetzt seit Februar und ich merke hier überhaupt keine Aufregung. Es ist völlig normal für die Schüler und in weiten Teilen für die Eltern.

Michaele Cicic (Schulsozialarbeiterin):

  • Es müsste mehr Klassen geben. Es müsste mehr Möglichkeit zur Heterogenität geben. Und einfach eine stärkere sozialpädagogische Begleitung über einen längeren Zeitraum.
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