Logo des pädagogischen Austauschdienst

Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:

[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße zurücksetzen

schließen

Materialien für eTwinning an berufsbildenden Schulen

Projektkits von deutschen Lehrkräften

Technik trifft Sprache

Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie heterogene Lerngruppen voneinander profitieren können: Es verbindet nicht nur unterschiedliche Schulformen (Ausbildungsvorbereitung und Gymnasium), sondern auch unterschiedliche Fächer wie Deutsch und Technik/Informatik.

Details

Unterrichtsfächer: Informatik/IKT, Deutsch, Fremdsprachen
Altersgruppe: 16 bis 20+ Jahre
Niveau: mittel
Dauer: circa 5 Monate (bei einer Doppelstunde pro Woche)
Zu verwendende Werkzeuge: TwinSpace, Präsentationssoftware, Animationtssoftware, Mikrocontroller

Startet einen DateidownloadProjektkit als PDF zum Download [245 KB]

How to become a chef in Europe

Diese Projektanregung für berufsbildende Schulen bringt Auszubildende unterschiedlicher Länder in Kontakt. Sie stellen sich gegenseitig ihre Ausbildungswege, ihre Ausbildungsbetriebe und ihren Arbeitsalltag vor. Das Kit entstand durch die Zusammenarbeit von Auszubildenden im Beruf zum Koch und zur Köchin, lässt sich aber auf viele andere Berufsrichtungen übertragen.

Details

Unterrichtsfächer: Fremdsprachen, Informatik/IKT, Wirtschaft
Altersgruppe: 16-20 Jahre
Niveau: fortgeschritten
Dauer: ca. 1 Schuljahr
Zu verwendende Werkzeuge: TwinSpace, Präsentations-Software, Video, Bilder und Zeichnungen, Forum, Videokonferenz
Autorin: Steffi Feldhaus

Opens external link in new windowZum Projektkit

Startet einen DateidownloadProjektkit als PDF zum Download [226 KB]

Praxisbericht

Doris Hecht und Daniel Samland berichten von ihrem Projekt an den Berufsbildenden Schulen II in Stade (Niedersachsen)

Praxisbericht von Doris Hecht und Daniel Samland

Projektbeschreibung

Tschechien und Deutschland sind Nachbarstaaten mit einer gemeinsamen Geschichte.
Doch was wissen wir eigentlich voneinander? Was verbindet uns, sind wir wirklich so verschieden, welche Vorurteile bewegen uns und wie stellen wir uns das alltägliche Leben unserer Nachbarn vor?

Ausgehend von diesen Fragestellungen bildete der kulturelle Austausch im Rahmen von verschiedenen Teilprojekten im Zeitrahmen eines kompletten Schuljahres den Schwerpunkt unseres Projektes "We hardly know our neighbour" zwischen den Berufsbildenden Schulen II in Stade und unserer tschechischen Partnerschule Střední Škola Technická a Obchodní in Olomouc. Im Rahmen kleinerer und größerer Teilprojekte erstellten die beiden Klassen beispielsweise "Personal Profiles" (Steckbriefe), Kartenabfragen (Download-Materialien) zu Vorurteilen über das Partner- sowie Heimatland, Collagen über die Nachbarländer sowie ein Internetquiz über Deutschland beziehungsweise Tschechien.

Für meinen Kollegen, Daniel Samland, und mich, Doris Hecht, war es bereits das vierte eTwinning-Projekt, das wir zusammen erfolgreich verwirklichen konnten. Das aktuelle Projekt führten wir mit unserer Klasse Höhere Handelsschule Jahrgang 2009 durch, hierbei handelte es sich um neunzehn Lernende im Alter von sechzehn bis achtzehn Jahren, die sich bewusst für den Klassenschwerpunkt eTwinning entschieden hatten. Die Schülerinnen und Schüler der tschechischen Partnerschule kamen aus zwei Kursen, die Altersstruktur war vergleichbar.

Partner finden

Die Suche nach einem Projektpartner erfolgt über den eTwinning Desktop. Hier stellt man seine Schule/Schülergruppe sowie Projektideen kurz vor, hat dann weiterhin die Möglichkeit bestimmte favorisierte Länder/Regionen festzulegen sowie die gewünschte Teilnahme an bestimmten Förderprogrammen wie COMENIUS zu erwähnen.

Für die Erstellung des Profils sollte man ein wenig mehr Zeit einplanen, da die benötigten Informationen doch recht umfangreich sind. Unserer Meinung nach lohnt sich der Aufwand jedoch, da das eigene Profil schließlich die "Visitenkarte" der Schule ist. Über die Suche im eTwinning-Desktop können Sie als registrierter User das Profil unserer Schule einsehen, wenn Sie bei der Suchanfrage unseren Schulnamen "BBS II Stade" eingeben.

Gut Ding will Weile haben

Nur aktive und manchmal auch zeitintensive Suche führt zu einem passenden Projektpartner. Wir haben viele europäische Lehrkräfte per E-Mail oder über den entsprechenden "add-contact-Button" angeschrieben, hierbei gingen wir stets auf das Profil der entsprechenden Schule ein und erläuterten unsere Projektideen. In unserem Fall erwies es sich als vorteilhaft, dass wir bereits über Erfahrungen im Bereich von eTwinning-Projekten verfügten und daher den potentiellen Partnerschulen darüber berichten konnten.

Der Zeitaufwand zum Finden einer passenden Schule kann als relativ groß bewertet werden. In der Regel benötigt man einige Monate Vorlauf für das Finden von möglichen Partnern und das Erarbeiten eines gemeinsamen Projektplanes. Hierbei sollte man sich nicht zu schnell entmutigen lassen, Projektanfragen bleiben manchmal gänzlich unbeantwortet, ein geknüpfter Kontakt bricht schnell wieder ab oder man erkennt im Laufe der Vorbereitung, dass das geplante Projekt doch nicht gemeinsam zu realisieren ist.

Tipps von Doris Hecht

Auch hat sich gezeigt, dass ein hohes Maß an Flexibilität sehr förderlich ist, so sollte die Projektidee nicht "in Stein gemeißelt sein", sondern eine gewisse Offenheit für andere Ideen des Projektpartners mitbringen. Eine offen formulierte Projektidee bringt zudem den Vorteil mit sich, dass man eine größere Anzahl an Partnerschulen anspricht und das laufende Projekt variabel angepasst werden kann. Häufig wird die eigene Schülergruppe nicht 1:1 zur Klasse einer möglichen Partnerschule passen, auch hier sollte man sich nicht abschrecken lassen. Das einzige wirkliche Ausschlusskriterium beim Finden einer passenden Lerngruppe ist das Alter der Schülerinnen und Schüler. Dies muss unserer Erfahrung nach unbedingt übereinstimmen, da zwischen den Interessen von z. B. Dreizehnjährigen und Sechzehnjährigen Welten liegen und in dieser Konstellation eine Zusammenarbeit schwierig ist.

Projektplanung

Circa ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Beginn des Projektes standen wir in regelmäßigem Kontakt mit unserer tschechischen Kollegin, um über mögliche Inhalte und einen groben Zeitplan zu beraten. Wir kommunizierten hierbei zeitnah per E-mail oder mittels eines Chatprogramms. Dieses Vorgehen behielten wir während des gesamten Projektes bei. Der Titel unseres Projektes "We hardly know our neighbour – cultural exchange between the Czech Republic and Germany" wurde dabei bewusst offen formuliert, so dass inhaltliche Ergänzungen oder Änderungen jederzeit vorgenommen werden konnten.

Projektorganisation

Da wir bereits einige Projekte im Rahmen von eTwinning durchgeführt haben, konnten wir einige inhaltliche Vorschläge einbringen, die Albina Fesyukova für ihre Schülergruppe auch interessant und spannend fand. Hierzu erarbeiteten wir einen groben Ablaufplan, der jedoch hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs offen gehalten war. Dieses Vorgehen erwies sich als praktikabel, da das eTwinning-Projekt in Tschechien im regulären Englisch-Unterricht stattfand, so dass zeitweise erheblich weniger Spielraum für die Projektbearbeitung bestand und fixe Termine nicht hätten eingehalten werden können. Zum anderen verlaufen Ferien und Prüfungstermine in Tschechien und Deutschland in der Regel nicht parallel, hier muss man deshalb zeitlich und inhaltlich flexibel planen.

Einbindung der Schülerinnen und Schüler

Wir als Lehrkräfte waren stets bemüht, sowohl die tschechischen Partner als auch die eigene Lerngruppe bei der Themenwahl für die Teilprojekte einzubeziehen. So stammte zum Beispiel die Idee für den Weihnachtsgruß via Youtube aus den Reihen der Schülerinnen und Schüler. Weiterhin war es uns ein Anliegen, die Arbeitsaufträge derart zu gestalten, dass sich Gruppen-, Partner- und Einzelarbeit abwechselten und der sinnvolle Einsatz von Präsentationsmedien den Schülerinnen und Schülern überlassen wurde. Dieser Rahmen wurde von den Schülerinnen und Schülern meist kreativ und effektiv genutzt. Wir haben den Lernenden unterstützende Kreativtechniken wie Brainstorming und MindMapping an die Hand gegeben.

Auch kleinere Entscheidungen, wie z. B. die Auswahl der Preise für die Gewinner unseres Deutschland-Quizes, überließen wir unseren Lernenden. Hierbei gaben wir nur den finanziellen Rahmen vor, während die Gruppen sich eigenverantwortlich auf die Suche nach passenden kleinen Geschenken machten, über die sich Gleichaltrige freuen würden.

Als letztes großes Teilprojekt drehten unsere Schülerinnen und Schüler kleine Filme über unsere Schule, die schließlich der tschechischen Klasse vorgestellt werden sollten. Auch hier ließen wir den Gruppen weitgehend freie Hand hinsichtlich der inhaltlichen Ausgestaltung und Themenfindung. Lediglich Termine für die Abnahme einzelne Zwischenergebnisse (z. B. Storyboard Drehbuch) gaben wir vor und überwachten deren Einhaltung genau.

Tipps von Doris Hecht

Kalkulieren Sie genügend Vorlauf ein, um sich über grobe Projektinhalte zu verständigen und sich mögliche Arbeitsmaterialien anzueignen. Im Verlauf des Projektes haben Sie vielleicht neue Ideen, die Sie einbringen möchten oder erkennen, dass ein ursprüngliches Teilprojekt nicht umsetzbar ist, bleiben Sie also flexibel in Ihrer Planung. Gerade als Anfänger im Bereich eTwinning sollten Sie mit kleineren Teilprojekten starten, die Sie ausbauen können. Das eTwinning-Motto "KISS: keep it small and simple" hat sich bei jedem unserer Projekte bewährt! Seien Sie auf Leerlauf eingerichtet. Wenn die Projektergebnisse Ihrer Partnerklasse auf sich warten lassen, sollten Sie stets einen Alternativauftrag für Ihre Klasse parat haben, mit dem Sie die Wartezeit überbrücken können. Wir haben beispielsweise auf den Seiten von Macmillan Global kostenlose Arbeitsblätter zu den Themen "National Flags", "International Food", etc. gefunden. Damit konnte die Wartezeit gut überbrückt werden. Berücksichtigen Sie Ferien- und Prüfungszeiten, in diesen Zeiträumen wird Ihr eTwinning-Projekt erfahrungsgemäß ruhen. Und wie schon bei der Anbahnung des Projektes gilt: lassen Sie sich nicht entmutigen, falls nicht alles nach Plan läuft!

Projektdurchführung

In der ersten eTwinning-Stunde haben wir in einem Brainstorming Fragen der Klasse zum Inhalt und dem Verlauf der Schulpartnerschaft mit der Partnerschule in Tschechien gesammelt. Diese Fragen waren sehr weit gefächert und beschäftigten sich sowohl mit dem eTwinning an sich, mit unseren tschechischen Partnern als auch mit inhaltlichen Punkten zum Unterricht. Im Anschluss an die Kartenabfrage zum Thema "Stereotypes and Prejudices" und deren Reflexion haben unsere Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit persönliche Steckbriefe über sich erstellt, um sich ihren tschechischen Partnern vorzustellen.

Für diese Personal Profiles sammelten wir zuvor Ideen im Klassenverband, in welcher Form welche Informationen über die Schülerinnen und Schüler aufbereitet werden sollten. Jedem Steckbrief fügten wir ein digitales Foto bei. Diese Aufgabe machte unserer Klasse viel Spaß, mit großer Sorgfalt und vielen kreativen Ideen machten sich die Lernenden daran, sich in ihrem Steckbrief möglichst optimal und interessant - gemäß des Mottos: "It´s the first impression that counts!" - zu präsentieren.

Im Chat Vorurteile widerlegt

Parallel erstellten auch die tschechischen Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Profile. Innerhalb unseres deutsch-tschechischen Teams einigten wir uns darauf, dass Albina Fesyukova die Zuordnung der Partner übernehmen würde. Hierbei konnte die tschechische Klasse sich Partner mit gleichen Interessen, Hobbies etc. aussuchen, bei Bedarf griff die Lehrkraft ein wenig lenkend ein. Nach Zuordnung und Austausch der personal profiles haben die Schülerinnen und Schüler sofort begonnen, sich auf privater Ebene per E-Mail und/oder Chat auszutauschen. Dabei kamen vor allem die Programme oder der Chat von skype zum Einsatz. Und schon nach sehr kurzer Zeit zeigte sich, dass die Lernenden einige der zuvor thematisierten Vorurteile widerlegen konnten, z. B. das Tschechen "unfreundlich" seien oder die Tschechinnen "nur" Hausfrauen und Mütter sein wollen.

Die persönlichen Steckbriefe tauschten wir Lehrkräfte dabei per E-mail und dem geschützten Bereich unseres TwinSpaces aus. Unserer Erfahrung nach bietet sich der TwinSpace eher für einen Austausch an, da hier keine Probleme mit zu großen Dateien o. ä. auftreten und man mit nur einem Blick alle Steckbriefe einsehen kann. Auch in unserem Blog bzw. Projekttagebuch versuchten wir möglichst zeitnah, über die Fortschritte unseres Projektes zu berichten. Das Opens external link in new windowProjekttagebuch ist hier einzusehen.

Arbeitsblätter zu unserem Projekt finden Sie unter Download Materialien. Gerne können diese nach Belieben verändert und verwendet werden.

Nachdem unsere Klasse nun schon einige Informationen über Tschechien erhalten hatte, sowohl durch unseren Unterricht als auch durch den Kontakt und Austausch mit ihren tschechischen Partnern, haben unsere Schülerinnen und Schüler in fünf Gruppen Collagen zum Thema "Die Nachbarn Tschechien und Deutschland" erstellt. An dieser Stelle haben wir uns dazu entschieden, die Gruppenzusammensetzung auszulosen.

Für die Auslosung bereiteten wir Lose zu typisch tschechischen Themen vor, darunter fiel beispielsweise "Czech TV-programmes" (die in Deutschland sehr populären tschechischen Produktionen "Drei Nüsse für Aschenbrödel", "Luzie, der Schrecken der Straße", "Pan Tau" und "Die Märchenbraut" ergaben hierbei eine Gruppe).

Für die Erstellung der Collagen stellten wir den Schülerinnen und Schülern Kataloge, Zeitschriften, Plakatrolle etc. zur Verfügung, diese Materialien ergänzten die Gruppen je nach Bedarf. Teil des Arbeitsauftrages war es dabei, die Ideen und Ergebnisse der vorangegangenen Stunden in den Collagen zu verarbeiten. Auch ermutigten wir die Klasse, Informationen und ggf. Materialien von ihren tschechischen Partnern einzufordern. Da unsere Schülerinnen und Schüler nur wenig Feedback aus Tschechien bekamen, mussten wir leider auf authentische Materialien (z. B. Verpackungsmaterial) auf den Collagen verzichten.

Zur Präsentation fotografierten wir die Collagen ab, so dass die Gruppen anschließend ihre Ergebnisse mittels des Beamers über unser Smartboard zeigen konnten. Zur Benotung berücksichtigten wir zum einen die Collage selbst, zum anderen die Präsentation derselben. Mit den Collagen dekorierten wir zeitweise den Klassenraum.

Die Fotos sendeten wir per E-mail an die tschechische Partnerklasse und luden sie ebenso in unserem TwinSpace hoch. Bedauerlicherweise waren unsere tschechischen Partner terminlich sehr eingespannt, so dass sie keine eigenen Collagen anfertigen und mit uns austauschen konnten.

Die drei Collagen empfanden wir als besonders gelungen. Die erste Collage hat das Thema Deutschland. Bei der zweiten hat uns besonders gefreut, dass die Gruppe viele der Ergebnisse der vorangegangenen Referate eingearbeitet hat. Die dritte Gruppe legte ihren Schwerpunkt auf den Vergleich deutscher und tschechischer Politik, Sehenswürdigkeiten und Geographie. Besonders schön war hier das selbstgemalte tschechische und deutsche Wappen.

Um sowohl den tschechischen Partnern als auch unserer Klasse das jeweilige Partnerland unter Einbindung der neuen Medien näher zu bringen, sah unsere Planung vor, dass die Schülerinnen und Schüler beider Klassen in vier Gruppen ein Quiz über das eigene Heimatland in englischer Sprache erstellen sollten. Dieses Quiz sollte sich inhaltlich mit Bereichen wie z. B. Politik, Geschichte, Traditionen beschäftigen, aber auch Inhalte wie Sport, Persönlichkeiten und Kultur waren denkbar. Für unsere Schülerinnen und Schülern waren dabei auch Themen wie Musik und Stars sehr relevant, so dass wir diese im Arbeitsauftrag ergänzten. Wichtig war uns dabei, dass die Fragen interessant und mit Hilfe des Internets lösbar waren, zudem sollten sie tatsächlich charakteristische Informationen über das Partnerland enthalten. Benotet wurden hierbei von uns der Inhalt, die sprachliche Richtigkeit sowie das Layout.

Per Quiz zur Landeskunde

Die Erstellung der Quizze dauerte relativ lange, da die Qualität und inhaltliche Richtigkeit und Lösbarkeit der Fragen der einzelnen Gruppen sehr unterschiedlich ausfiel und teilweise viele Korrekturen notwendig waren. Insgesamt gesehen hat es unserer Klasse jedoch viel Spaß gemacht, an den Quizzen zu arbeiten und auch was das Layout betraf, kam es zu respektablen Ergebnissen. Jedoch bemängelten die Lernenden, dass es sehr schwer gewesen sei, 50 interessante Fragen zu finden. Daher bleibt an dieser Stelle zu bedenken, ob im nächsten Schuljahr der Umfang vielleicht reduziert werden sollte. Die fertigen Quizze wurden schließlich von uns per E-Mail nach Olomouc geschickt und sollten dort von Gruppen von jeweils fünf Schülerinnen und Schülern gelöst werden.

Unsere tschechische Kollegin wünschte sich an dieser Stelle, dass sie die fertigen Quizze ihrer Klasse über Tschechien per Post schicken dürfe. Wir waren damit einverstanden, da es uns auch nett erschien, "richtige" Post aus Tschechien zu bekommen. Unserer Klasse machte es sehr viel Spaß, die Quizze auszuwerten. Erfreulicherweise haben die Schülerinnen und Schüler aus Olomouc viel über Deutschland gewusst und wie unsere Kollegin uns berichtete, haben die Lernenden auch einen großen Ehrgeiz entwickelt, unklare Fragen mittels des Internets zu lösen. Wir erstellten schließlich eine Übersicht über die erreichten Punkte der einzelnen Schülerinnen und Schüler und ermittelten daraus die drei Besten. Für diese Schülerinnen wollte die Klasse kleine Preise besorgen. Dafür recherchierten die Schülerinnen und Schüler im Internet und in der Stader Touristen-Information nach stadetypischen kleinen Geschenken. Bei unserem Treffen in Prag wurden die Gewinnerinnen von unserer Klassensprecherin und unserem Klassensprecher mit den kleinen Preisen überrascht. Auch wir beendeten die Lösung der tschechischen Quizze. Dafür haben wir Dokumente mit den Lösungen vorbereitet, die wir auch bei unserem Treffen übergeben haben.

Curriculare Einbindung

An unserer Schule ist der Wahlpflichtkurs "eTwinning – Schulpartnerschaften in Europa" curricular regelmäßig mit zwei Wochenstunden in die Stundentafel der einjährigen Berufsfachschule – Wirtschaft – für Realschulabsolventinnen und –absolventen integriert. Die Schüler sollten durch das Projekt ihre Englischkenntnisse verbessern, interkulturelle Aspekte erfahren und den Einsatz von Medien üben. Das zugehörige Durchführungskonzept wurde von uns mit einigem Vorlauf entwickelt und von den zuständigen Konferenzen verabschiedet.

Gewichtungsschlüssel

In allen Teilprojekten waren Produkte anzufertigen, teils in Einzel-, teils in Partner- oder Gruppenarbeit. Dies konnten Essays (Aufsätze), Collagen, Präsentationen oder auch Filme sein. Diese Produkte wurden entsprechend der Zielformulierung anhand der Kriterien Inhalt, Sprache (Englisch) und Medieneinsatz bewertet und bestimmten 70% der Gesamtnote.

Für die laufende Mitarbeit im Unterricht, dazu gehörte z.B. das Unterrichtsgespräch, das Übernehmen von Verantwortung innerhalb der Projekte und das Einhalten von Terminen, wurde ebenfalls eine Note vergeben, die zu 30% in die Gesamtnote eingegangen ist.

eTwinning im Abschlusszeugnis aufgeführt

Die Tatsache, dass der Kurs mit Inhalt und Note im Abschlusszeugnis aufgeführt wird, erhöht erfahrungsgemäß zusätzlich die Motivation der Lernenden und verschafft ihnen einen Pluspunkt bei Bewerbungen. Eine Kurzzusammenfassung des Projekts und die dazugehörigen Unterrichtsmaterialien finden Sie in der Projektbeschreibung.

Interkulturelle Erfahrungen

Die Lernenden äußerten in Feedbackbögen oder Klassengesprächen regelmäßig, dass sie durch den Kontakt zu den Partnern kulturelle Eigenheiten kennen lernten, die sie vermutlich sonst in ihrem Leben nicht erfahren hätten. Dazu gehörten z. B. Fragestellungen, die gerade Jugendliche ansprechen (z. B. Wochenendgestaltung, Musik, Filme, Schulalltag), aber ebenso wurden Themen von allgemeinem Interesse beleuchtet (z. B. Familie, traditionelle Feste, Wohnsituation). Im Rahmen der aktiven Referate über unser Nachbarland Tschechien bearbeiteten beispielsweise zwei Schülerinnen das Thema "Essen und Trinken", spontan bereicherten sie ihren Vortrag kulinarisch durch leckeres Gebäck, das sie nach tschechischem Rezept ihrer Partnerinnen gebacken hatten.

Vorurteile überwunden

Als Lehrkräfte konnten wir beobachten, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gewisse Hartnäckigkeit entwickelten. Selbst wenn die Antwort auf eine E-Mail einmal verspätet oder gar nicht kam, verloren sie trotzdem nicht die Freude am Schreiben, sondern animierten die tschechischen Schülerinnen und Schüler auf andere Weise zum kulturellen Austausch. Auch ein gewisses Maß an zunehmender Toleranz und Geduld mit den Begebenheiten außerhalb des eigenen Heimatlandes konnten wir beobachten.

Gerade die Ergebnisse der Kartenabfragen zu Deutschland und Tschechien erhitzten die Gemüter beider Schülergruppen stark. Die Reaktionen auf die auftauchenden Vorurteile reichten von überrascht bis nahezu persönlich beleidigt und empört. "Wir sind doch keine Nazis!", "Oh, wir sind überall im Ausland berühmt für Mercedes und Bier!", "Igitt, ich mag gar kein Sauerkraut!", "Das können die doch nicht ernst meinen!", waren nur einige Statements unserer Klasse. Unsere Lernenden erkannten hier ganz klar, dass noch viel Arbeit nötig ist, um diese Vorurteile zu überwinden. Erfreulicherweise war eine sehr häufig genannte Schlussfolgerung der Klasse, dass Vorurteile am besten durch persönlichen Kontakt zu Personen anderer Nationalitäten abgebaut werden können.

Die Welt ist ein Dorf

Als gelungenen Höhepunkt zum Schuljahresende gelang es uns schließlich, unsere Partnerklasse an einem Tag in Prag zu treffen. Hierbei führten die Lernenden eine gemeinsame Stadt-Rallye durch, wobei die Teams jeweils aus deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schülern bestanden, die sich zuvor auch schon per E-Mail und Chat kennen gelernt hatten. Zum Glück fanden sich die Teams nach kleineren Anfangsschwierigkeiten und Berührungsängsten recht schnell. Die Rallye machte den Schülerinnen und Schülern viel Spaß, war zugleich jedoch auch eine Herausforderung. Mit Freude konnten wir an dieser Stelle feststellen, dass viele Lernende sehr sozialkompetent waren und Sprach- und Verständigungsprobleme leicht lösen konnten. Einige Bekannt- und Freundschaften konnten in Prag vertieft werden, so dass auch nach Schuljahresende unsere Projektidee „weiterlebt“!
Eine kleine Anekdote zu diesem Projekt, die nur mich betrifft: Der Mädchenname unserer tschechischen Kollegin ist auch Hecht – die Welt ist so klein! Wir recherchieren nun nach gemeinsamen Vorfahren und sind gespannt, ob wir vielleicht durch eTwinning Verwandte "geworden sind"!

nach oben Seite drucken