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Aserbaidschan: Eindrücke eines eTwinning-Seminars

Im November 2014 fand in Baku in Aserbaidschan ein eTwinning-Seminar statt für Lehrkräfte, die Partnerschulen für gemeinsame Unterrichtsprojekte suchen. Auch Daniel Bernsen vom Eichendorff-Gymnasium in Koblenz (Rheinland-Pfalz) war dabei. Er schildert seine Eindrücke von der Hauptstadt Aserbaidschans, die durch einen Mix von europäischen und orientalischen Einflüssen geprägt ist.

Ankunft in Baku. Nach stundenlangem Flug über ein weißes Wolkenmeer ragen plötzlich die abgenutzten, von Wind und Wetter geschliffenen Gipfel des Kaukasus wie eng aneinanderliegende Inseln im Meer auf. Bereits die halbe Stunde Fahrt vom Flughafen zum Hotel ist beeindruckend. Mutige, neue und meist auch gelungene moderne Architektur ist zu sehen, zahlreiche Baukräne zeugen von reger Bautätigkeit. Als Fußgänger hier unterwegs zu sein, ist – insbesondere bei Straßenüberquerungen – nicht ganz ungefährlich. Baku ist eine Stadt gebaut für Autos, in einem Land, wo es Öl gibt und die Benzinpreise günstig sind. Nur die Altstadt ist für die Fußgänger eine Art Schutzzone, in der sie sich unbehelligt bewegen können.

Boomtown Baku

Die pulsierende Boomstadt Baku verdankt ihren Reichtum den erheblichen Öl- und Gasvorkommen. Mehrmals am Tag bricht der Verkehr auf den vielspurigen Straßen aus Sowjetzeit aufgrund der unzähligen Autos zusammen. Überall werden alte Stadtviertel abgerissen. An ihrer Stelle schießen neue Wolkenkratzer aus dem Boden, die nachts bunt illuminiert sind.

Gemeinsamkeiten in der Geschichte

In Baku am kaspischen Meer fand vom 21. bis 23. November 2014 ein erstes eTwinning Plus-Seminar statt mit dem Titel "Our countries and their history". Das Seminar richtete sich speziell an Erdkunde- und Geschichtslehrkräfte aus Frankreich, Großbritannien, Aserbaidschan und Deutschland. Aserbaidschan ist für West- und Mitteleuropäer nicht nur mit einer weiten Anreise verbunden. Auch über die Geschichte des Landes weiß kaum jemand etwas – dabei sieht sich das Land selbst als östlichster Teil Europas. Um gemeinsame Anknüpfungspunkte für eTwinning-Projekte zu finden, empfiehlt sich daher ein wenig Vorbereitung. Unter historischen Gesichtspunkten bieten sich Gemeinsamkeiten in der Geschichte der teilnehmenden Staaten als Ausgangspunkte für die Projektarbeit an: Bereits vor rund 200 Jahren wanderten Deutsche nach Aserbaidschan aus. Der ab Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Öl-Boom brachte zahlreiche Westeuropäer nach Baku, wo polnische Architekten die prachtvollsten Häuser an den Boulevards bauten. Im Ersten Weltkrieg kämpften Aserbaidschaner in der russischen Armee vor allem gegen das Osmanische Reich, in der kurzen sich anschließenden Phase der Unabhängigkeit unterstützten deutsche und britische Truppen das Land gegen die Rote Armee. Im Zweiten Weltkrieg hatte es NS-Deutschland auf die Ölquellen Aserbaidschans abgesehen. Zahlreiche deutsche Kriegsgefangene wurden damals unter anderem zur Errichtung von Gebäuden in Aserbaidschan, das bis 1991 Teil der Sowjetunion war, eingesetzt.

eTwinning ermöglicht ein gegenseitiges Entdecken

Mit der Erweiterung von eTwinning zu eTwinning Plus gehört nun auch Aserbaidschan zu den Ländern, mit denen deutsche Lehrkräfte eTwinning-Projekte durchführen können. Auf dem ersten Seminar sind dann auch gleich zahlreiche Projekte entstanden, unter anderem diese:

  • Schüler aus verschiedenen Ländern dokumentieren ihre Städte mit Fotos, die sie mit den Partnerklassen aus England, Deutschland, Frankreich und Aserbaidschan teilen. So entsteht eine Art virtueller Reiseführer aus der Sicht von Jugendlichen.
  • Eine andere Gruppe untersucht in einem aserbaidschanisch-französischen Projekt die Zukunft unserer Energieversorgung und nimmt dabei insbesondere die Öl- und Gasvorkommen am Kaspischen Meer in den Blick. Dabei spielen neben geographischen auch wirtschaftliche und politische Motive eine Rolle.
  • Eine weitere Gruppe tauscht Fabeln und Märchen aus den beteiligten Ländern aus. Die Schüler/innen aus Aserbaidschan, Deutschland und Frankreich untersuchen jeweils die Erzählungen aus einem der Partnerländer und teilen ihre Ergebnisse über den TwinSpace mit allen Teilnehmern.
  • Ein Projekt widmet sich der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und an dessen Folgen in Aserbaidschan, Deutschland, England und Frankreich. Zu diesem Projekt gibt es zusätzlich zum TwinSpace ein Blog unter ww1remembrance.wordpress.com.

Kurzum: Aserbaidschan ist ein Land, das eTwinning bereichert und die Entdeckung lohnt. Viele engagierte Lehrkräfte freuen sich dort über die Möglichkeit für Kontakte und Projekte mit Kollegen und Klassen aus anderen europäischen Ländern.

Daniel Bernsen

Weitere Informationen

Der PAD fördert Begegnungen zwischen Schulen in Deutschland und Aserbaidschan aus Mitteln der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH).
Schulpartnerschaften der PASCH-Initiative

Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bietet Informationen zum Bildungswesen aller Staaten weltweit.
Informationssystem Anabin: Bildungswesen in Aserbaidschan

Auf der Webseite des Auswärtigen Amtes finden Sie Informationen zur Kultur- und Bildungspolitik von Aserbaidschan.
Aserbaidschan - Kultur und Bildung

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