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„Die Zeit in Italien war eine gute Übung“

Semmelknödel in der Toskana? Als Fremd­sprachen­assistent an einer Hotel­fachschule hat Kilian Bartikowski mit seinen Schülerinnen und Schülern diese Spezialität der bayerischen Küche gekocht – und so Voka­bular aus Küche, Keller und Kühl­schrank in mundgerechten Portionen serviert.

Im Gespräch mit Kilian Bartikowski

Sie haben weder Italianistik noch für das Lehr­amt studiert. Warum wollten Sie als Fremd­sprachen­assistent ausgerechnet in dieses Land?

Während meines Geschichtsstudiums hatte ich mich für Italien zu interessieren begonnen und mich in meiner Magisterarbeit mit einem Thema der italienischen Geschichte befasst. Dazu war ich auch mehrere Male für Archivrecherchen in dem Land. Da ich während des Studiums einige Zeit mit dem Gedanken gespielt hatte, für das Lehramt zu studieren und auch ein Schulpraktikum absolviert hatte, erschien mir das Fremd­sprachen­assistenten­programm nach dem Studienabschluss eine gute Möglichkeit, für eine längere Zeit nach Italien zu gehen. Ich bin aber, wie ich heute annehme, ein eher untypischer Fremd­sprachenassistent gewesen, weil ich fachfremd war. Ehrlich gesagt: Nach dem Vorstellungs­gespräch hatte ich mir gar keine allzu großen Hoffnungen gemacht, dass ich ausgewählt würde. Umso mehr habe ich mich über das Angebot gefreut und die Herausforderung angenommen.

 

Sie wurden an einer Hotelfach­schule eingesetzt, deren Schülerinnen und Schüler nicht leicht zum Deutsch­lernen zu motivieren waren. Fühlten Sie sich gelegentlich überfordert?

Im eigentlichen Unterricht war es meine Aufgabe, als Muttersprachler vor allem die Lehrkräfte zu unterstützten. Allein und eigenständig unterrichtet habe ich nicht. Trotzdem war diese Arbeit im Tandem eine Herausforderung. Deutsch war für die Schülerinnen und Schüler nur zweite Fremd­sprache, die korrekt zu lernen sie – im Gegensatz zu Englisch – weniger motiviert waren. Es ging deshalb auch darum, ihnen zu vermitteln, dass Deutsch weit weniger schwer ist, als sie es vielleicht empfunden haben, und dass Sprach­kenntnisse ihnen später nützlich sein könnten.

Zur Person

Dr. Kilian Bartikowski, Jahrgang 1975, stu­dierte Geschichte und Literatur­wissenschaft. Nach Abschluss seiner Promotion und einem Auf­enthalt als DAAD-Lektor an der Lancaster University in England unter­richtet er heute an einer Schule in Berlin. Im Schuljahr 2003/04 war er Fremd­sprachen­assistent in Chianciano in Italien.

Slide von 
  • Nachgefragt

    Womit konnten Sie motivieren?

    „In einer Hotelfachschule bietet sich das ge­mein­same Kochen an. Also haben wir gemein­sam Semmel­knödel hergestellt, die es in ähnlicher Form auch in Italien gibt. Im Koch­unterricht stehen sie aber nicht auf dem regulären Programm. Das war eine gute Möglich­keit, mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen und fachliches Vokabular zu vermitteln – zumal das eher ungezwungen in einer Küche stattfand.“

Was hat Sie am Schul­leben besonders über­rascht?

Gleich bei meiner Ankunft haben die Schülerinnen und Schüler gestreikt – soweit ich mich erinnere, ging es um angekündigte Sparmaß­nahmen im Bildungswesen. Dass Studierende streiken, kannte ich aus Deutschland. Aber dass Schülerinnen und Schüler Unterrichts­räume blockieren? Das war für mich ungewöhnlich. Da ich zu dieser Zeit noch intensiv mit der Suche nach einer Wohnung beschäftigt war, kam es mir aber gelegen, dass der Unterricht ein paar Tage ausgefallen ist. Ansonsten habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Kommuni­kation in Deutschland direkter ist. In Italien, so meine Erfahrung, ist es immer besser, erst einmal jemanden zu fragen, wen man fragen sollte, wie bestimmte Dinge gemacht werden. Netzwerke und Kontakte spielen eine wichtigere Rolle.

 

Nach Ihrer Rückkehr waren Sie Dozent für Deutsch als Fremd­sprache und haben sehr hetero­gene Gruppen unter­richtet. Konnten Sie von den Erfah­rungen aus Italien profitieren?

In Chianciano Terme hatte ich es mit gleichaltrigen Italienern zu tun, die Deutsch lernen sollten. In Berlin dagegen waren die Gruppen international und, was das Alter betrifft, unterschiedlich zu­sammen­gesetzt. Da saßen Berufstätige, die ihr Arbeitgeber nach Deutschland geschickt hatte, neben angehenden Studierenden. Aber vor einer Klasse stehen, dort Präsenz zeigen, eine Stunde zu strukturieren und auf das unterschiedliche Lern­tempo einzugehen – dazu war Italien eine gute Übung.