Im Gespräch mit Kilian Bartikowski
Sie haben weder Italianistik noch für das Lehramt studiert. Warum wollten Sie als Fremdsprachenassistent ausgerechnet in dieses Land?
Während meines Geschichtsstudiums hatte ich mich für Italien zu interessieren begonnen und mich in meiner Magisterarbeit mit einem Thema der italienischen Geschichte befasst. Dazu war ich auch mehrere Male für Archivrecherchen in dem Land. Da ich während des Studiums einige Zeit mit dem Gedanken gespielt hatte, für das Lehramt zu studieren und auch ein Schulpraktikum absolviert hatte, erschien mir das Fremdsprachenassistentenprogramm nach dem Studienabschluss eine gute Möglichkeit, für eine längere Zeit nach Italien zu gehen. Ich bin aber, wie ich heute annehme, ein eher untypischer Fremdsprachenassistent gewesen, weil ich fachfremd war. Ehrlich gesagt: Nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich mir gar keine allzu großen Hoffnungen gemacht, dass ich ausgewählt würde. Umso mehr habe ich mich über das Angebot gefreut und die Herausforderung angenommen.
Sie wurden an einer Hotelfachschule eingesetzt, deren Schülerinnen und Schüler nicht leicht zum Deutschlernen zu motivieren waren. Fühlten Sie sich gelegentlich überfordert?
Im eigentlichen Unterricht war es meine Aufgabe, als Muttersprachler vor allem die Lehrkräfte zu unterstützten. Allein und eigenständig unterrichtet habe ich nicht. Trotzdem war diese Arbeit im Tandem eine Herausforderung. Deutsch war für die Schülerinnen und Schüler nur zweite Fremdsprache, die korrekt zu lernen sie – im Gegensatz zu Englisch – weniger motiviert waren. Es ging deshalb auch darum, ihnen zu vermitteln, dass Deutsch weit weniger schwer ist, als sie es vielleicht empfunden haben, und dass Sprachkenntnisse ihnen später nützlich sein könnten.
Zur Person
Dr. Kilian Bartikowski, Jahrgang 1975, studierte Geschichte und Literaturwissenschaft. Nach Abschluss seiner Promotion und einem Aufenthalt als DAAD-Lektor an der Lancaster University in England unterrichtet er heute an einer Schule in Berlin. Im Schuljahr 2003/04 war er Fremdsprachenassistent in Chianciano in Italien.
Was hat Sie am Schulleben besonders überrascht?
Gleich bei meiner Ankunft haben die Schülerinnen und Schüler gestreikt – soweit ich mich erinnere, ging es um angekündigte Sparmaßnahmen im Bildungswesen. Dass Studierende streiken, kannte ich aus Deutschland. Aber dass Schülerinnen und Schüler Unterrichtsräume blockieren? Das war für mich ungewöhnlich. Da ich zu dieser Zeit noch intensiv mit der Suche nach einer Wohnung beschäftigt war, kam es mir aber gelegen, dass der Unterricht ein paar Tage ausgefallen ist. Ansonsten habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Kommunikation in Deutschland direkter ist. In Italien, so meine Erfahrung, ist es immer besser, erst einmal jemanden zu fragen, wen man fragen sollte, wie bestimmte Dinge gemacht werden. Netzwerke und Kontakte spielen eine wichtigere Rolle.
Nach Ihrer Rückkehr waren Sie Dozent für Deutsch als Fremdsprache und haben sehr heterogene Gruppen unterrichtet. Konnten Sie von den Erfahrungen aus Italien profitieren?
In Chianciano Terme hatte ich es mit gleichaltrigen Italienern zu tun, die Deutsch lernen sollten. In Berlin dagegen waren die Gruppen international und, was das Alter betrifft, unterschiedlich zusammengesetzt. Da saßen Berufstätige, die ihr Arbeitgeber nach Deutschland geschickt hatte, neben angehenden Studierenden. Aber vor einer Klasse stehen, dort Präsenz zeigen, eine Stunde zu strukturieren und auf das unterschiedliche Lerntempo einzugehen – dazu war Italien eine gute Übung.
Mehr über das Programm
Sie möchten im Schuljahr 2026/27 als Fremdsprachenassistenzkraft nach Frankreich oder in ein anderes Land gehen? Hier gibt es alle Informationen über das Programm.
