Erfahrungsbericht einer GAPP-Schulpartnerschaft
Homecoming feiern, im gelben Schulbus abgeholt werden oder im Cheerleader-Team trainieren – „das sind Szenen, die unsere Schülerinnen und Schüler aus Serien und Filmen kennen und es dann kaum glauben können, wenn sie es wirklich erleben“, schwärmt Irene Finis. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Toomey, der ebenfalls Englisch am Steinbart Gymnasium in Duisburg unterrichtet, war sie im Oktober 2025 zum zweiten Mal an der US-amerikanischen Partnerschule zu Gast.
Die Old Bridge High School in der gleichnamigen Kleinstadt im US-Bundesstaat New Jersey ist nur eine Autostunde entfernt von New York City. Seit 13 Jahren pflegt das Steinbart Gymnasium die Partnerschaft – trotz einiger Herausforderungen. Als die Corona-Pandemie gerade überstanden war und die ersten Begegnungen wieder stattgefunden hatten, verstarb unerwartet Stefanie Rödiger, die bisherige Koordinatorin des Austauschs.
Seitdem hat in Duisburg ein Lehrkräfte-Team den Austausch übernommen, während die Ansprechperson in den USA dieselbe geblieben ist: Brita Schmitz unterrichtet Deutsch an der Old Bridge High School und hat selbst familiäre Wurzeln in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Moers.
Gute Gastgeber und kulturelle Unterschiede
Die Suche nach Gastfamilien an der US-High School ist nicht immer leicht und manchmal ist Überzeugungsarbeit nötig, um die Eltern für einen Austausch mit Deutschland zu begeistern. Aber, so die Erfahrung von Irene Finis, „die Familien in den USA geben sich meist große Mühe, gute Gastgeber zu sein und unseren Schülerinnen und Schülern ein beeindruckendes Zusatzprogramm zu bieten. So hat es beispielsweise eine Familie während des Government Shutdowns über persönliche Kontakte geschafft, einen Besuch auf der Freiheitsstatue zu organisieren.“
Ein kultureller Unterschied zeigt sich beim Sicherheitsbedürfnis: Während die US-amerikanischen Gasteltern häufig genau wissen wollen, wann sich ihre Kinder wo aufhalten, sind die deutschen Schülerinnen und Schüler eher an Selbstständigkeit gewöhnt. Die deutschen Teilnehmenden sind meistens bereits 16 Jahre alt, während das Alter der US-amerikanischen Schülerinnen und Schüler variiert.
Partnerschaft Steinbart-Gymnasium Duisburg (Nordrhein-Westfalen) - Old Bridge High School (New Jersey, USA)
Themen: Sport (2025/26), Sustainable Development Goals (2024/25)
Zeitraum: Zweiwöchiger Aufenthalt in den USA während der Herbstferien, Gegenbesuch im Frühjahr
Anzahl Schülerinnen und Schüler: 10
Altersstufe: 16 Jahre
Gefördert durch das Auswärtige Amt im Rahmen des German American Partnership Program (GAPP)
Mehr über das Programm
Hier gibt es alle Informationen über das German American Partnership Program (GAPP).
Sport und Sustainable Development Goals
Von Field Hockey bis Marching Band
Die Austauschbegegnungen stehen jedes Mal unter einem gemeinsamen Thema. „Dieses Jahr haben wir den Fokus auf Sport gelegt,“ erklärt Toomey. „Wir wollen uns ansehen, wie Sport an der Schule und in der Stadt ausgeübt wird und vergleichen die Situation hier und dort.“ Als NRW-Sportschule fördert das Steinbart Gymnasium insbesondere auch den Leistungssport und hat auch eine eigene Sportklasse. Trotzdem waren die Duisburger Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler beeindruckt, wie viel Identifikationspotential der sportliche Wettkampf an ihrer US-amerikanischen Partnerschule hat.
Natürlich durfte sich die Austauschgruppe auch in den zahlreichen Sportteams ausprobieren - beim Football, Baseball und Field-Hockey und der „Marching Band“, einer Musikgruppe an der High School, die insbesondere bei Sportveranstaltungen auftritt. Auch der Besuch eines Football-Spiels durfte nicht fehlen. Finis erinnert sich: „Bei unserem vorherigen Besuch war das verbunden mit einem „Pink Out“ bei dem Spendengeld für eine Organisation gesammelt wurde, die Brustkrebs bekämpft. Das hat dann auch gut zu unserem damaligen Projektthema gepasst, den Sustainable Development Goals.“
Vor dem Rückflug durften sich die Schülerinnen und Schüler aus dem Merchandise-Shop der Old Bridge High School etwas aussuchen. Sie entschieden sich dafür, am letzten Tag geschlossen mit „pyjama bottoms“, also Schlafanzughosen mit Schullogo, in den Unterricht zu kommen. „Wir haben damit natürlich dann auch Fotos gemacht und ich fand es sehr schön zu sehen, dass sie als Gruppe so zusammengewachsen sind,“ erinnert sich Irene Finis mit einem Lachen. Die Vorfreude ist auch schon groß: Im April 2026 wird die US-amerikanische Gruppe zum Gegenbesuch erwartet. Neben dem Schulsport wollen die Duisburger ihren Gästen auch zeigen, wie sportliche Aktivitäten in Deutschland durch Vereine organisiert werden.
„Es hat sich angefühlt wie im Film“
…sagt Schüler Franz über seinen zweiwöchigen Aufenthalt an der Old Bridge High School.
Zwei Wochen USA - lohnt sich das?
Auch wenn es aufgrund der politischen Lage in den USA etwas mehr Bedenken vonseiten der Duisburger Eltern gab als bei früheren Austauschbegegnungen mit der Partnerschule - die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die gerne mitfahren möchten, ist weiterhin groß. Irene Finis beschreibt den Spagat, den sie und ihre Kollegen leisten müssen, wenn es um die Auswahl der Teilnehmenden geht: „Wir machen das bisher über ein Losverfahren, weil wir gerne auch den Jugendlichen eine Chance geben möchten, die nicht unbedingt die besten Noten haben oder sonst auch gar keine Möglichkeit dazu hätten. Aber es gibt auch interne Diskussionen darüber, denn gleichzeitig repräsentieren die Teilnehmenden ja unsere Schule und in gewisser Weise auch Deutschland.“
Aus Sicht ihres Kollegen Toomey ist der GAPP-Austausch eine Erfahrung, die sich für Lehrkräfte wie Jugendliche gleichermaßen lohnt: „Zwei Wochen in den USA, das klingt nicht lang. Aber unsere Erfahrung zeigt, dass die Jugendlichen oft in Kontakt bleiben, sich später nochmal besuchen und daraus auch interkontinentale Freundschaften entstehen, die bestehen bleiben. Außerdem beschränkt sich der Austausch nicht auf die Begegnungen – wir haben schon ab den Sommerferien regelmäßige Vorbereitungstreffen. Das ist auch eine gute Gelegenheit für uns, um die Jugendlichen kennenzulernen, denn nicht alle davon haben wir selbst im Unterricht. Man verbringt in den USA viel Zeit mit der Gruppe und hat dadurch Gelegenheit, die Schülerinnen und Schüler besser kennenzulernen – auch mit ihrer Persönlichkeit und ihren Stärken, die sie im Schulalltag nicht immer zeigen können. Das ist auch für mich als Lehrer eine großartige Erfahrung.“
Austausch mit den USA
Alle unsere Programme mit den USA, Erfahrungsberichte und weitere Informationen im Schwerpunkt „Austausch mit den USA“.
