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Film ab fürs Lernen

Lernumgebung und Ausstattung der Extraklasse: Das stellte Daniela Prager während ihrer zweiwöchigen Hospitation in Frankreich fest.

Erfahrungsbericht einer Hospitation

Im Januar 2025 hat Daniela Prager eine Hospitation am Lycée Jean Puy in Roanne, eine Kleinstadt in der Nähe von Lyon, gemacht, wo sie einen Einblick in den Schulalltag erhielt und die französische Kultur kennenlernte. Sie war in einem der frisch renovierten Apartments der Schule untergebracht, mitten in der französischen Kleinstadt. Die Fußgängerzone vor der Tür bot ihr dabei die ideale Gelegenheit, ihre Zeit vor Ort optimal zu nutzen.

Die Organisation ihres Aufenthalts am Lycée Jean Puy verlief reibungslos. Nach der Zusage im Juli 2024 konnte der Hospitationszeitraum dank guter Abstimmung mit beiden Schulen noch vor den Sommerferien festgelegt werden. Der Kontakt lief anfangs über die Schulleitung und später übernahm der Deutschlehrer Roland Boichon.

Daniela Prager

Gastschule: Lycée Jean Puy (Roanne)
Heimatschule: Stefan-George-Gymnasium (Bingen)

Slide von 
  • Hospitation

    Das Lycée Jean Puy

    Das Lycée wird von mehr als 800 Schülerinnen und Schülern besucht, einige von ihnen bewohnen auch das an die Schule angeschlossene Internat. Momentan wird das Gebäude saniert, einige Stätten wie beispielsweise die Kantine und die Sporthallen erstrahlen bereits in neuem Glanz, auch Teile des wunderschönen Altbaus sind bereits saniert worden. Inmitten des Schulhofes stehen momentan allerdings auch noch Container, die als Ersatz-Unterrichtsräume für die derzeit gesperrten Klassenräume dienen.

  • Hospitation

    Deutsche Küche

    Zum Tag der deutsch-französischen Freundschaft gab es ein deutsches Menü in der Kantine. Daniela Prager berichtet, dass sie bei der Dekoration der Kantine unterstützen durfte und immer wieder die Frage der Schülerinnen und Schüler beantwortete, ob dies denn nun ein „echtes deutsches Menü“ gewesen sei.

  • Hospitation

    Schüleraustausch in Aussicht

    Durch eine glückliche Fügung war es Daniela Prager bereits am ersten Tag möglich eine Kooperation einzugehen. Entstanden ist ein fest geplanter Schüleraustausch mit dem Collège Eugénie de Pomey in Amplepuis. Bei dem Besuch der Schule stößt sie auf „sehr herzliche, motivierte Schülerinnen und Schüler, die sich wahnsinnig freuten, im nächsten Jahr an einem Austausch mit Deutschland teilnehmen zu dürfen“.

„Friperie“ und „Cinéma“

Das sogenannte „CDI“ steht für centre de documentation et d’information und ist ein Ort des gemeinsamen Lernens, wie es Daniela Prager beschreibt. Vor Ort stehen fest angestellte Bibliothekatinnen für Fragen zur Verfügung. Neben Arbeitsplätzen, Zeitschriften, Lesungen und vielem mehr, gibt es auch eine „Friperie“ und ein  „Cinéma“. Die Friperie befindet sich im ersten Stock des CDI und ist ein ein Second-Hand-Shop für Kleidung. Das Cinéma, also das Kino, kann von den Schülerinnen und Schülern sogar als Wahlfach belegt werden. Die Schule hat eine Kooperation mit dem nahegelegenen Programmkino Renoir, um dort mit Schulklassen Filme anzuschauen. 

Daniela Prager berichtet, dass das Lycée Jean Puy eine klare sprachlich-künstlerische Ausrichtung verfolgt, was sich besonders in der modernen Ausstattung der Schule widerspiegele. Im Unterricht konnte sie beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler eigenständig Filme drehten und dabei routiniert mit technischem Equipment wie Kameras und Stativen arbeiteten. Auch die Analyse, Interpretation und der Vergleich verschiedener Filmgenres seien feste Bestandteile des Unterrichts.

Kein Tabletcomputer

Was ist besonders aufgefallen?

„Kein einziger Schüler und keine Lehrkraft hat ein Tablet. Ein weiterer sehr großer Unterschied zu meiner Schule, in der die gesamte Oberstufe und die gesamte Lehrerschaft nun seit 2020 mit Tablets ausgestattet ist. In jedem Klassenraum befindet sich aber ein PC und Beamer, sodass die Lehrkräfte ihre Materialien projizieren und Filme abspielen können.“

Unterrichtseinsatz und Beobachtungen im Unterricht

Der Deutschlehrer der Schule, Roland Boichon, nahm sich zu Beginn ihres Aufenthalts viel Zeit, um einen individuellen Stundenplan für sie zu erstellen. Sie hospitierte in zahlreichen seiner Deutschstunden und übernahm regelmäßig kleinere Gruppen, um mit den Schülerinnen und Schülern Konversationsspiele durchzuführen. Dabei konnte sie auch eigene Materialien und Spiele einbringen, die den Unterricht bereicherten.

Neben dem Deutschunterricht konnte die Lehrerin auch zahlreiche weitere Unterrichtsstunden an der Schule besuchen und gewann dabei aufschlussreiche Einblicke in die Unterrichtspraxis eines französischen Lycées. Ein zentraler Unterschied zum deutschen Schulsystem bestehe ihrer Einschätzung nach in der Unterrichtsform: Der Unterricht sei größtenteils frontal und wenig kooperativ angelegt. Teilweise würden den Schülerinnen und Schüler sogar Merksätze oder Ergebnisse von der Lehrkraft diktiert. Auch die Leistungsbewertung unterscheide sich deutlich – da es keine verbindliche Note für Mitarbeit gibt und deren Gewichtung im Ermessen der Lehrkraft liegt, bleibe aktive Beteiligung oft aus. Gerade schüchterne oder wenig motivierte Schülerinnen und Schüler könnten sich so leicht dem Unterricht entziehen.

Ein persönliches Resümee

„Die Hospitation in Roanne war für mich sowohl beruflich als auch privat eine überaus bereichernde Erfahrung! Ich konnte vielfältige Einblicke in den Unterricht und das Schulleben an einem französischen Lycée gewinnen und den stetigen Austausch mit dem Kollegium habe ich als sehr horizonterweiternd empfunden. Auch die Teilnahme an außerunterrichtlichen Veranstaltungen wie beispielsweise einem Informationselternabend zur Berufsorientierung oder einem Planungstreffen der Sprachkolleginnen und -kollegen zur Durchführung von Erasmusprojekten erweiterten meinen Blick auf den Schulalltag in Frankreich und gaben mir wertvolle Impulse für meine eigene Arbeit in Deutschland. Literatur- und Filmtipps des Kollegiums und Ideen für Spiele zum Einsatz im Unterricht konnte ich direkt aufgreifen und habe in meiner freien Zeit die Spielegeschäfte und Buchhandlungen der schönen Stadt Roanne durchstöbert. Kino- und Theaterbesuche waren ebenfalls möglich und ein weiterer Baustein dieser zwei Wochen, die mir ein willkommenes „Sprachbad“ im Alltag boten, viel stärker, als dies in einem privat organisierten Urlaub in der Regel möglich ist. Nicht zuletzt führte der private Kontakt zu Roland und Amélie Boichon und deren Familie zu einer neuen deutsch-französischen Freundschaft, deren Pflege uns sehr am Herzen liegt und die beiden Seiten neue Impulse für die eigene Sprachbegeisterung bietet.“