Gelungene deutsch-polnische Zusammenarbeit
Eigene Visionen entwickeln
Beim gemeinsamen Austausch stand eines fest: Für das Thema muss nachhaltig und innovativ gedacht werden. Was fehlt in der Schule? Welche Prozesse sind veraltet? Und vor allem, was kann wie verbessert werden? Die Schülerinnen und Schüler stürzten sich mit Neugierde auf all diese Fragen, um ihre eigene Vision einer Schule der Zukunft zu entwerfen. Dabei setzten sie auf viel Kreativität und die Grundlagen des Design-Thinking als Problemlösungsstrategie. Dazu gehörte: kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration - Kompetenzen, die den Jugendlichen nicht nur während des Austauschs zugutekamen. In der Begegnung ging es darum, technische Lösungen zu finden, die das Schulleben nicht nur angenehmer, sondern auch zukunftsfähig machen können.
Zusammenarbeit, Kreativität und Kommunikation als Mittel zum Erfolg
Die Arbeitsgruppen wurden bunt zusammengemischt, bestehend aus jeweils zwei deutschen und zwei polnischen Schülerinnen und Schülern. Und weil Lösungen besser gelingen, wenn verschiedene Perspektiven, Lösungsvorschläge und Stärken zusammenkommen, verstanden die Schülerinnen und Schüler schnell, wie wichtig jedes einzelne Teammitglied ist, um Großes zu schaffen. Zusammenarbeit ist das A und O und jede Idee hat ihren Platz in der Austauschgruppe gefunden.
Während der Woche tauchten die Schülerinnen und Schüler tief in eine kreative Denkwerkstatt ein. Gemeinsam brainstormten sie über mögliche Lösungswege, hinterfragten kritisch und vertieften sich in jede noch so kleine Idee. Besonders herausfordernd war, dass die ganze Kommunikation auf Englisch lief – für beide Seiten eine Fremdsprache. Doch die Gespräche liefen besser als gedacht und führten zu interessanten und teilweise hitzigen Diskussionen.
Partnerschaft Friedrich-Albert-Lange-Schule Solingen (Nordrhein-Westfalen) - Zespół Szkół Komunikacji (Poznan, Polen)
Thema: Project Future School / Mit welchen technischen Lösungen kann man das Lernen und die Abläufe in der Schule verbessern?
Zeitraum: 17. bis 22. September 2023 in Poznan,
17. bis 22. März 2024 in Solingen
Anzahl Schülerinnen und Schüler: insgesamt 20
Förderung durch die Deutsche Telekom Stiftung und das Deutsch-Polnische Jugendwerk
Mehr über das Programm
Hier gibt es alle Informationen über das Programm für JIA-Schulpartnerschaften
Drei Phasen zur Schule der Zukunft
Problem erkennen – Lösung skizzieren – Prototyp entwickeln
Die Woche war in drei Phasen aufgeteilt. Zu Beginn identifizierten die Schülerinnen und Schüler ein echtes Problem, das ihnen in ihrer Schule aufgefallen ist: die Phase des Verstehens. Dafür skizzierten sie eine Zielperson, für die sie eine Lösung entwickeln wollten. Danach folgte der knifflige Part: sich auf eine Lösung einigen und diese hinsichtlich Umsetzbarkeit und Mehrwert bewerten. Nach dem Lösungsfindungsprozess entwickelten die Austauschpartner in der dritten Phase in fünf Kleingruppen verschiedene Prototypen. Eine Gruppe erstellte ein Schulgebäude der Zukunft, das am PC designt und später 3D-gedruckt wurde. Eine zweite Gruppe entwarf einen personalisierten Ratgeber, der Schülerinnen und Schüler bei der Auswahl einer zu ihnen passenden Schule hilft: Sie erstellten eine Website, die das Profil von Schulen mit Wünschen und Eigenschaften von Schülerinnen und Schülern matcht. Andere beschäftigen sich mit einer Onboarding-Website für neue Mitglieder der Schulgemeinschaft, auf der zum Beispiel die an der Schule genutzten Medien erklärt werden.
Auch an die stetige Weiterentwicklung von Schulen wurde gedacht: Dafür entwickelte eine deutsch-polnische Gruppe eine Feedback-App für konstruktives Feedback an die Lehrkräfte. Eine weitere neue Website diente dazu, Konzepte zur Umgestaltung sowie zu Mitbestimmung und damit zur Verbesserung der Schule zusammenzuführen. Die Prototypen waren ein großer Erfolg, und jeder durfte sich wie ein „echter Entwickler“ fühlen. Und weil die Schülerinnen und Schüler so Erstaunliches auf die Beine gestellt haben, war es ihnen wichtig, in Kontakt zu bleiben und an ihren Themen bis zum nächsten Besuch in Deutschland im digitalen Austausch weiterzuarbeiten. Während der Begegnung in Solingen im März 2024 stellten sie ihre Prototypen dann den Eltern, Lehrkräften und sogar der Bürgermeisterin auf Englisch vor.
Doch so viel Kreativität und intensives Tüfteln braucht auch mal eine Erholung. Das Kulturprogramm in Posen brachte diese nötige Abwechslung. Die Jugendlichen besuchten verschiedene Museen, darunter das interaktive Croissant Museum, das sich der 150-jährigen polnischen Tradition des Croissant Backens widmet. Im Museum Enigma Center, das sich mit der Geschichte dreier polnischer Wissenschaftler beschäftigt, konnten die Jugendlichen komplexe Rätsel lösen. Auch Stadterkundungen und ein kleiner Shopping-Trip in die Mall kamen nicht zu kurz, denn schließlich wollten die Schülerinnen und Schüler auch die Gaststadt ein wenig besser kennenlernen.
„Ein echter Gänsehautmoment ...
…Schülerinnen und Schüler aus zwei verschiedenen Ländern, aus zwei verschiedenen Schulsystemen, diskutieren in einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist, über Probleme, die sie dennoch alle betreffen, als wäre es das normalste auf der Welt“, befand Julian Jacob, Lehrer an der Friedrich-Albert-Lange-Schule Solingen.
Schulen der Zukunft bleiben auch weiterhin relevant
Der Austausch war insgesamt geprägt von einer gegenseitigen Wertschätzung, Teamwork und dem Gefühl, dass es viel mehr als nur eine Schulveranstaltung war. Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und polnischen Schülerinnen und Schülern hätte nicht besser funktionieren können. Und das Thema „Schule der Zukunft“ bleibt auch weiterhin aktuell, denn solange sich die Welt verändert, müssen auch die Schulen mitziehen. So soll das Projekt auch langfristig in der Partnerschaft angelegt sein. Vielleicht sieht man in ein paar Jahren einige der hier entwickelten Ideen tatsächlich in den Klassenzimmern wieder?
