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Kontraste in Wissenschaft und Kultur

Beim Austausch zwischen dem Gymnasium Marienberg und der Bal Bharati Public School Rohini in Neu-Delhi war das Thema der Begegnungen: „Go green with alternative sources of energy“.

 

Erfahrungsbericht eines Schulaustauschs

Seit 2015 besteht die Partner­schaft zwischen dem Gymnasium Marien­berg und der Bal Bharati Public School Rohini in Neu-Delhi. Der inzwischen dritte Austausch der Schulen stand unter dem Motto „Go green with alternative sources of energy“. Bei gegen­seitigen Besuchen lernten sie ihre landes­spezifischen Ansätze zur alter­nativen Energie­erzeugung kennen. Wissen­schaftlicher und kultureller Aus­tausch waren dabei eng mit­einander ver­bunden.

Unterwegs im „green lab“: das Potential von Sonnenlicht

Schon bevor die deutsche Reise­gruppe in Indien ankam, fanden auf beiden Seiten umfang­reiche Vor­bereitungen statt. Die Schüler­innen und Schüler waren von Anfang an beteiligt: In Arbeits­gruppen lernten sie die jeweils andere Kultur kennen, und bei Exkursionen zu Wind­kraft- oder Bio­gas­anlagen setzten sie sich mit dem Austauschthema aus­einander. Auch konnten sie im Vor­feld konkrete Methoden zur alter­nativen Energie­gewinnung au­ssuchen, mit denen sie sich später genauer beschäftigten. So fiel die Wahl unter anderem auf Solar­energie: Sowohl in Indien als auch in Deutsch­land notierten sich die Austausch­schüler im Früh­jahr die jeweiligen Sonnen­stunden ihrer Heimat. Während der Begegnung in Neu-Delhi folgte dann der Vergleich, um die Energie­effizienz von Photo­voltaik aus­zu­werten.

Beim Gegen­besuch in Deutschland wurde das Projekt nahtlos fort­geführt. Im Physik­unterricht in Marienberg erweiterten die Schüler­innen und Schüler ihre Erkenntnisse durch praktische Experimente mit Solarz­ellen. Das gemeinsame Ent­decken stand dabei stets im Mittel­punkt: Alle Schritte des Forschungs­projektes wurden in einem festen inter­kulturellen Tandem durch­geführt. Die Zweier­teams galten nicht nur für die Schul­zeit, sie blieben auch bei der Unter­bringung in den Gast­familien bestehen. Gerade dieser enge Kontakt ließ die Begegnung für alle zu einem besonderen Erlebnis werden.

Partnerschaft Gymnasium Marienberg (Marienberg, Sachsen) - Bal Bharati Public School Rohini (Neu-Delhi, Indien)


Thema: Go green with alternative sources of energy

Zeitraum: Oktober 2024 und Mai 2025

Anzahl Schülerinnen und Schüler: insgesamt 34

Altersstufe: 15 bis 17 Jahre

Die Begegnung in 2024 wurde mit rund 3.750 € aus Fördermitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.
Die vierte Begegnung der Partnerschaft in 2025 wurde mit rund 4620 € aus Fördermitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.

„Eine unvergessliche Erfahrung“

Leo Wohlgemuth, Schüler am Gymnasium Marienberg über den Austausch mit Indien.

„Das Beste war, dass wir nicht nur viel über erneuer­bare Energien gelernt haben, sondern auch echte Freund­schaften ge­schlossen haben. Es war toll, mit den indischen Schüler­innern und Schülern Zeit zu ver­bringen, ihre Schule zu besuchen und ihre Traditionen kennen­zu­lernen. Insgesamt war der Austausch eine unvergessliche Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, zusammen­zu­arbeiten und von­einander zu lernen.“

Technologie von heute und morgen

Auf dem Programm der jungen Forscher­innen und Forscher standen verschiedene lehr­reiche Exkursionen. In Indien besuchten sie das „TERI Gram“, ein Forschungs- und Entwicklungs­zentrum des Energy and Resources Institute (TERI) in Pahari, dort erkundeten sie die Innovationen indischer Nachhaltigkeits­technologien. Besonders beeindruckt waren die deutschen Teilnehmenden von den Bau­techniken zur klima­neutralen Kühlung: bis zu vier Meter tiefe Luft­schächte versorgen den Campus mit kühler Luft aus der Erde. So entsteht eine einfache und trotzdem effektive Alternative zu Klima­anlagen, die in Indien aufgrund der klimatischen Bedingungen weit verbreitet sind.

Auch die Wasser­versorgung stellt in Indien eine Heraus­forderung dar, wodurch die Wasser­auf­bereitung besonders wichtig wird. Am TERI Gram entdeckte die Gruppe hierfür ganz natürliche Techniken. Sowohl die bereits im Wasser vorhandenen Mikro­organismen als auch die Wurzeln bestimmter Pflanzen können als natürliche Filter wirken, um verunreinigtes Wasser wieder nutzbar zu machen. 

Grüne Forschung in Deutschland: Besuch der TU Chemnitz

Experimentell ging es beim Gegen­besuch in Deutschland weiter. Im Physik­labor der TU Chemnitz führte die deutsch-indischen Gruppe Versuche durch, die zum Staunen und Nach­denken brachten. Sie vertieften ihr Wissen zu Solar­strom anhand der Grätzel-Zelle und stellten Vergleiche zur Wind­kraft an. Im Bereich der alter­nativen Kraft­stoffe thematisierten sie Bio­diesel und erlebten, wie mittels Elektrolyse Wasser­stoff gewonnen wurde. Ein besonderes High­light erwartete die Teil­nehmenden mit Hoch­spannung: Geschützt von einem Sicher­heits­käfig beobachteten sie, wie Hoch­spannung mechanisch genutzt wurde, um eine Turbine anzutreiben.

In einem Gespräch mit dem sächsischen Land­tags­abgeordneten Peter Patt konnten die Schüler­innen und Schüler dann an ihre eigenen Forschungen anknüpfen. Mit Blick auf die Unter­schiede bei den Sonnen­stunden in beiden Ländern stellten sie fest: Solar­strom ist zwar auch in Sachsen ein wichtiger Energie­lieferant, muss aber noch stärker durch Alter­nativen wie Wind­kraft ergänzt werden.

Das Fremde und das Eigene: kulturelles Erbe baut Brücken

Auch außerhalb der Schulen und Labore sammelten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Erfahrungen und nachhaltig prägende Eindrücke. In Indien wurde das Navratri Fest gefeiert: Bei einem der höchsten Feste im hinduistischen Kalender tanzten die deutschen Gäste zusammen mit ihren indischen Gast­geberinnen und Gast­gebern den traditionellen Dandiya-Raas. Im Gegenzug berichteten die Deutschen von den heimischen Berg­paraden und präsentierten das „Steigerlied“, ein immaterielles Welt­kultur­erbe aus dem Erz­gebirge. Beide Seiten zeigten sich auf diese Weise, dass die Bewahrung von Traditionen und jugendliche Welt­offen­heit kein Gegen­satz sein muss. Neugier und Fragen der Gegen­seite regten alle Teilnehmenden an, noch mehr über die eigene Kultur zu reflektieren. So sahen die Beteiligten ihr Motto der Begegnung am Ende voll bestätigt: „Es ist nicht besser oder schlechter in Indien/Deutschland, sondern nur anders“.

„Den Alltag durch die Augen eines Gastes neu betrachten“

Kim Reichel, Schülerin am Gymnasium Marienberg über den Austausch mit Indien.

„Mir ist klar geworden, wie selbstverständlich uns das Leben in Deutschland erscheint und wie faszinierend es sein kann, den Alltag durch die Augen eines Gastes neu zu betrachten. Es war eine besondere Erfahrung für mich, meine eigenen Verhaltensweisen begründen zu müssen. Warum essen wir abends so oft Brot? Warum sind unsere Schulen und das Umfeld so strukturiert? Warum legen wir so viel Wert auf Pünktlichkeit?“

Berichte eines gelungenen Austausches

Im gemeinsamen Blog hielten die Schülerinnen und Schüler ihre fachlichen Ergebnisse und kulturellen Erfahrungen des Austausches fest. Die enthusiastischen Berichte bringen Koordinatorin Silvia Langhoff zu ihrem Fazit: „Die Schülerinnen und Schüler sind in Bezug auf Alltagsprobleme und kulturelle Unterschiede deutlich toleranter geworden.“ Die Schulen sehen im gemeinsamen Austausch ein Projekt mit Modellcharakter und werden diese Erfahrung nutzen, ihre Partnerschaft weiter auszubauen.