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Wirkungsstudie zur Leitaktion 1 des Erasmus+-Programms im Schulbereich

Studie zu Erasmus+ im Schulbereich zeigt hohe Zufriedenheit der beteiligten Lehrkräfte mit den Fortbildungen und Job-Shadowings; Lernzuwachs in Deutschland v.a. im Bereich interkulturelle Kompetenz und IKT-Anwendung im Unterricht.

Über das Programm Erasmus+ im Schulbereich (Laufzeit 2014-2020) wurden in der Leitaktion 1 "Mobilitätsprojekte für Schulpersonal" in den ersten beiden Programmjahren deutsche Lehrkräfte in über 900 Projekten im europäischen Ausland weitergebildet – durch Fortbildungskurse, Job-Shadowing oder eigenes Unterrichten an ausländischen Schulen. In einer europäischen Vergleichsstudie wurde die Leitaktion 1 nun evaluiert. Die Studie "Impact and Sustainability of the Erasmus+ Programme Key Action 1, Mobility Projects for Education Staff" erfolgte 2016/17 in Kooperation von fünf Nationalen Agenturen (Bundesrepublik Deutschland, Estland, Finnland, Litauen, Polen), die für die Umsetzung von Erasmus+ in ihrem Land zuständig sind, unter der Federführung der litauischen Agentur. Ein Kernziel der Studie war es, den Nationalen Agenturen Anhaltspunkte dafür zu geben, wie das Beratungsangebot noch besser auf die vorhandenen Bedürfnisse der Antragsteller abgestimmt werden kann.

Methodik und Vorgehen

Die Evaluationsmaßnahmen und -schritte in den fünf Partnerländern (Deutschland, Estland, Finnland, Litauen, Polen) wurden von einer Expertengruppe in Litauen erarbeitet und umfassen einen quantitativen und einen qualitativen Teil. Erhebungsmethoden waren Online-Befragungen, zwei Expertengesprächsrunden sowie Dokumentenanalysen von insgesamt drei best-practice Beispielen. Der Erhebungszeitraum war in Deutschland Mai bis November 2016. In Deutschland nahmen 512 Lehrer/innen von 131 Schulen an der Online-Befragung teil. Aus diesen 131 Schulen, wurden 24 Schulen gezogen, von denen jeweils eine kleine Gruppe von Lehrer/-innen (insgesamt 142), die nicht aktiv am Projekt beteiligt waren, zu ihrer Einschätzung der Projektinitiative befragt wurde. Danach fanden zwei Expertengespräche statt, in denen Projektbeteiligte befragt wurden. Die Evaluation schließt mit der Analyse von drei best-practice-Beispielen aus dem Antragszeitraum ab. Ihre Auswahl erfolgt auf der Basis der Projektantragsunterlagen und der Ergebnisse der Online-Befragung.

Ergebnisse im Überblick

Generell ist eine hohe Zufriedenheit mit den Lernaufenhalten zu verzeichnen (97,2 % in Deutschland antworteten, dass ihre Erwartungen sich voll erfüllt bzw. erfüllt hätten) und bezieht sich sowohl auf Fortbildungskurse als auch Job-Shadowings. Die Möglichkeit, selbst im Ausland zu unterrichten wird kaum genutzt. Zufrieden sind die Projektbeteiligten außerdem mit der Unterstützung durch die Nationalen Agenturen (in Deutschland: 95,8%). Gerade da die Komplexität des Antragsformulars in Deutschland am meisten beklagt wird (62,5% finden den Antrag nicht einfach), ist die begleitende Beratung durch die NA umso wichtiger.

Bei der eigenen Einschätzung des Kompetenzzuwachses liegt ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Zuwachs interkultureller Kompetenz. Spitzenreiter sind in Deutschland das Erleben der Notwendigkeit und Wirksamkeit der Fremdsprache sowie Einsichten in die Kultur des Ziellandes. Außerdem verzeichnen die Lehrkräfte einen didaktischen Kompetenzzuwachs, in Deutschland vor allem im IKT-Bereich. Gespiegelt wird dies auch durch die Aussagen der Schüler/-innen. In Estland, Finnland, Polen und Litauen bemerkten sie eine deutliche Veränderung des Unterrichts, in dem digitale Elemente eine größere Rolle spielten und den sie als interessanter wahrnehmen. (In Deutschland war die Schülerbefragung nicht Teil der Studie.)

Als wichtiger Faktor für die nachhaltige Wirkung des Erasmus+-Projekts nicht nur im individuellen Verhalten der teilnehmenden Lehrkräfte, sondern für die gesamte Schule, wird einhellig das Engagement der Schulleitung genannt. In Deutschland nehmen über 70% ihre Schulleitung als Motor wahr, wenn es darum geht, die Projekterfahrungen in das Kollegium zu tragen. Im Ländervergleich findet jedoch die Verknüpfung von individueller Fortbildung mit einer schulstrategischen Verbesserung in Deutschland am wenigsten statt. Es wird aber eine generelle Verbesserung der Schulkultur und des Wertesystems der Schule (offenerer und toleranterer Umgang) wahrgenommen und die engere Zusammenarbeit einzelner Fachgruppen über das Projekt hinaus vor allem in Deutschland und Litauen genannt.

Empfehlungen für Schulen

Neben Empfehlungen für die Arbeit der Nationalen Agenturen und ihre Unterstützung der Schulen bei der Beantragung und Umsetzung ihrer Projekte, führte die Auswertung der Studie zu vier Empfehlungen für Schulen:

  • Die Aspekte von Wirkung und Nachhaltigkeit des Erasmus+-Projekts in Bezug auf Veränderungen der Schülerzufriedenheit und -lernergebnisse sowie der Schulentwicklung sollten im Rahmen der Selbstevaluation der Schule analysiert werden (im Hinblick auf die Verknüpfung von erreichten Zielen des Projekts und Schulleistungsindikatoren, um einzubeziehen, wie das Projekt die Schulentwicklung unterstützt).
  • Falls die Sprache für einige Lehrkräfte ein Hindernis zur Projektteilnahme und damit Professionalisierung im Ausland darstellen sollte, sollte ein Teil des Betrags der Projektmanagement-Pauschale für die sprachliche Vorbereitung der Lernaufenthalte genutzt werden.
  • Für die Auswahl der Form der Lernaufenthalte im europäischen Ausland wird empfohlen, eine Kombination verschiedener Arten zu wählen. Eher theoretische Weiterbildungskurse sollten mit praktisch orientierten Formen wie Job-Shadowing oder dem eigenen Unterricht im Ausland zu verknüpft werden.
  • Um die Wirksamkeit und nachhaltige Verwendung der Projektergebnisse zu sichern, ist die Einbindung der Schulleitung in allen Projektphasen unbedingt empfehlenswert.

Download der Studie

Studien zum internationalen Austausch im Schulbereich

Mehr Informationen zu Studien und Evaluationsergebnissen finden Sie hier

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