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»Meet Young Germany In Your Classroom (MYG)«

Als Teaching Assistant an einer High School in den USA

Lehramtsstudierende aller Fachrichtungen mit Englischkenntnissen unterstützen als Teaching Assistant den Unterricht an US-Schulen, an denen auch Deutsch unterrichtet wird. Erfahren Sie hier, wie Studierende das Programm erleben.

»Ich hatte große Erwartungen an mich selbst«

Alexandra Staniek hat Englisch und Spanisch auf Lehramt studiert und möchte gerne Auslandserfahrung sammeln, bevor es mit dem Referendariat losgeht. Mario Hiemer, der Wirtschaftspädagogik mit Germanistik als Nebenfach studiert, ist gerade erst aus den USA zurückgekehrt.  Als Teaching Assistent konnte er an der Centennial High School  in Pueblo (Colorado) die Deutschlehrkräfte unterstützen und den Lebensalltag zwischen Klassenzimmer und Rocky Mountains kennenlernen. Beim Einführungsseminar des neuen MYG-Programms („Meet Young Germany in Your Classroom“) im August 2019 in Bonn trafen sich die beiden zum Erfahrungsaustausch.

Alexandra: Wie sah Dein Alltag als Teaching Assistent an der Centennial High School eigentlich aus?

Mario: Meine Arbeit war dreigeteilt. Ich habe den regulären Deutschunterricht unterstützt, dann hatte ich einen Deutschclub, der nachmittags stattfand und bei dem wir hauptsächlich Beiträge für Schulevents vorbereitet haben und der dritte Punkt waren „Extracurricular Activities“ und „Field Trips“, also so etwas wie Wandertage. Dabei hatte ich völlig freie Hand und konnte mir selbstständig überlegen, was ich machen wollte. Eines meiner Highlights war beispielsweise die Mozartwoche, die ich am Ende meines Aufenthalts an der Schule durchgeführt habe. Wir haben über Mozart und Österreich gesprochen und ich konnte einen Ausflug an die Oper organisieren, wo gerade das Stück „Die Hochzeit des Figaro“ auf dem Programm stand. Das war wirklich toll. In der Zeit vor Weihnachten habe ich vom Christkindlesmarkt in meiner Heimatstadt Nürnberg erzählt und bin dann mit den Schülern nach Denver gefahren, wo es auch einen „deutschen Weihnachtsmarkt“ und ein „deutsches Restaurant“ gibt. Es war schön zu sehen, wie sehr sich die Schülerinnen und Schüler für Deutschland und meine Muttersprache begeistern konnten und wie interessiert sie waren. Manchmal erkennt man auch Parallelen: In Nürnberg gibt es „Drei im Weggla“, also eigentlich nichts weiter als drei Bratwürste in einem Brötchen. Sie sind aber mehr als das und identitätsstiftend – genauso wie der „Slopper“ in Pueblo, der eigentlich nur ein Burger ist, welcher aber mit einer Sauce aus Pueblo-Chillies gewürzt wird und eine lokale Besonderheit darstellt. Der Austausch über solche alltäglichen Dinge war spannend und man gewinnt so eine ganz neue Perspektive auf seine eigene Kultur und Sprache.

Ich hatte auch noch eine Extragruppe von Schülern, die sich auf die Prüfung für das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz vorbereitet haben. Mit denen habe ich auch schwierigere und anspruchsvolle Texte gelesen. Dabei war das Material, dass ich über die PASCH-Website gefunden habe, sehr nützlich. Ich habe die Gruppe im ganzen Prozess begleitet, auch während der Prüfungen, und konnte bei der Verleihung der Deutschdiplome in Denver dabei sein. Es war schön zu sehen, wie stolz alle waren, als sie ihr Sprachdiplom in den Händen halten konnten. Eine interessante Erkenntnis war für mich auch, dass viele Schülerinnen und Schüler dort Deutsch als Fremdsprache ganz bewusst wählen, weil sie darin ein Sprungbrett sehen, um später in Deutschland zu studieren.

Alexandra: Was hat Dir an deiner Schule am besten gefallen?

Mario: Mit dem Language Department war die Zusammenarbeit super! Auch in meinen Pausenzeiten habe ich mich öfter mal mit Kolleginnen und Kollegen auf einen Kaffee getroffen und alle waren sehr offen und freundlich. Sie haben sich für mich und mein Studium interessiert und ich habe mich sehr wertgeschätzt gefühlt. Ich durfte auch an Fachsitzungen teilnehmen und wurde dort nicht wie ein Praktikant, sondern als Kollege und Teil des Teams behandelt.

Ein großer Unterschied war generell das starke Gefühl von Schulgemeinschaft – „We are family“, etwas vereinfacht ausgedrückt. Aber das ist wirklich so und man spürt es, schon alleine durch das omnipräsente Schullogo auf den T-Shirts. Die Schüler mögen das auch und sind stolz darauf. Es gibt eine Art Rivalität mit einer Nachbar-High-School, die etwas albern wirken mag – aber dieser Wettstreit macht den Schülerinnen und Schülern sehr viel Spaß und sie stehen hinter ihrer Schulgemeinschaft und identifizieren sich damit. Ich findet es fast etwas schade, dass es diesen „Team Spirit“ in Deutschland so nicht gibt.

Außerdem hatte ich das Glück, über die American Association of Teachers of German (AATG) und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen an Weiterbildungen teilnehmen zu können – das war großartig. So konnte ich viele neue Methoden lernen und ausprobieren und mich mit anderen Fremdsprachenlehrkräften darüber austauschen. Was ich auch sehr sinnvoll fand: Ich konnte anderen Fachunterricht besuchen und beispielsweise mal eine Stunde in Geschichte oder Wirtschaft mitverfolgen. Einmal habe ich auch zwei Schüler einen Tag lang begleitet, um zu sehen, was sie insgesamt leisten müssen. Das war sehr spannend und hat mir einen ganzheitlicheren Blick ermöglicht.

Alexandra: Gab es auch Herausforderungen oder Probleme, mit denen du umgehen musstest?

Mario: Ja, es gab auch schwierige Situationen. An meiner Schule wurde Inklusion sehr großgeschrieben. Das war in pädagogischer Hinsicht herausfordernd, weil beispielsweise auch Schülerinnen und Schüler mit Lernbehinderungen in der Klasse waren. Ich hatte vorher vor allem Praktika an Berufsschulen gemacht und war mit solchen Fällen vor meinem Auslandsaufenthalt kaum konfrontiert worden. Ich bin dann eher intuitiv vorgegangen und habe mich gefragt: Wie kann ich diesem Schüler helfen? Meine Mentorin war auf diesem Gebiet glücklicherweise sehr erfahren und hat mich unterstützt. Der Unterricht war zu Beginn auch fordernd. Ich hatte große Erwartungen an mich selbst, wollte viel methodische Abwechslung bieten und Themen finden, die meine Schülerinnen und Schüler wirklich interessieren. Das war mit viel Arbeit verbunden, aber es hat sich rückblickend gelohnt. Wenn ich heute spontan morgen eine Stunde zu einem bestimmten Thema halten müsste, dann hätte ich keine Angst mehr, etwas zu planen und würde mit einem gewissen Selbstvertrauen in die Klasse gehen. Das hatte ich vorher so noch nicht.

Im Nachhinein würde ich vielleicht versuchen, meinen Unterricht interaktiver zu gestalten, sodass die Schülerinnen und Schüler mehr untereinander arbeiten. Ich hatte manchmal den Eindruck, sie hatten ein bisschen Hemmungen, mit mir Deutsch zu sprechen. Bei einer Partnerarbeit wissen sie ja, dass der jeweils andere auch nicht perfekt Deutsch spricht. Manchmal habe ich versucht, Parallelen herzustellen. Wenn ich mir beispielsweise bei der Aussprache im Englischen unsicher war, dann habe ich das Wort an die Tafel geschrieben und meine Schülerinnen und Schüler gefragt: Wie sprecht ihr das aus? So konnten sie sehen, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen und nachzufragen.

Alexandra: Was hast Du in deiner Freizeit gemacht? War es leicht, Kontakte zu knüpfen?

Mario: Für mich war von Anfang an klar, dass ich bei einer Familie leben möchte. Ich war ja zum ersten Mal in USA und wollte die Menschen und ihren Lifestyle kennenlernen. Dabei hatte ich wirklich Glück, denn ich habe die perfekte Gastfamilie gefunden, die mich sehr herzlich aufgenommen und unterstützt hat. Meine Gastmutter war die Präsidentin des Colorado Hiking Clubs, etwa vergleichbar mit dem Deutschen Alpenverein. Also waren wir viel in den Rocky Mountains unterwegs und haben Schneeschuhwanderungen, Skitouren und andere Ausflüge unternommen.

Der Kontakt zu der Familie kam dadurch zustande, dass die beiden Töchter meiner Gastfamilie auch das Deutschprogramm an der High School besucht hatten und dort das DSD-Diplom gemacht haben. Weil sie so gute Erfahrungen damit gemacht haben, will die Familie das Deutschprogramm weiter unterstützen und nimmt jetzt regelmäßig Gäste aus dem German American Partnership Program (GAPP) und Teaching Assistants auf. Mittlerweile hat meine Gastfamilie mich auch schon in Deutschland besucht. Das war toll, denn so konnte ich ihnen auch mein Land zeigen und ihnen etwas zurückgeben. Natürlich bin auch selbst während meiner Zeit in den USA viel gereist, wir Teaching Assistants haben uns auch gegenseitig besucht.

In Pueblo gibt es außerdem die Colorado State University, das war ein großer Vorteil für mich. Ich habe dort angefragt, ob ich auch als nicht eingeschriebener Student an Veranstaltungen und am studentischen Outdoor-Club teilnehmen kann.  So konnte ich andere Studierende aus der ganzen Welt kennenlernen. Vor allem mit einigen Austauschstudenten aus China habe ich Freundschaft geschlossen. Wir werden uns sogar bald wiedersehen, denn ich habe geplant jetzt noch ein halbes Jahr als Deutschlehrer nach Shanghai zu gehen.

Vielen Dank an Alexandra und Mario für das interessante Gespräch!

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